Warmer Winter verwirrt Natur. Der Jänner und Februar waren überdurchschnittlich warm. Die Folgen spüren besonders Allergiker und Tiere.

Von Sabrina Luger. Erstellt am 17. Februar 2020 (09:47)
Die Erle hat dieses Jahr ruckartig zu stäuben begonnen und bereits ihren Höhepunkt erreicht. Das merken Allergiker.
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„Also vor 40 Jahren ist um diese Jahreszeit noch Schnee gelegen“, erzählt ein älterer Niederösterreicher. Seinem Empfinden nach ist der diesjährige Winter viel zu warm ausgefallen. Dass diese subjektive Wahrnehmung stimmt, bestätigen die Zahlen. Während sich die einen über die warmen Temperaturen freuen, gibt es auch Leidtragende, die den frühen Frühling nicht begrüßen. Das Wetter der vergangenen Monate hat nämlich besonders für Allergiker und Tiere schwerwiegende Folgen.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen lagen 13 der 15 wärmsten Jahre nach der Jahrtausendwende. Das belegen die Zahlen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Das heißeste Jahr war 2018, doch auch das vergangene war überdurchschnittlich warm. Auch der Winter 2019/2020 (Dezember bis Mitte Februar), war, verglichen mit dem langjährigen Mittel, deutlich zu warm.

Besonders in höheren Lagen Niederösterreichs gab es, im Vergleich zu den Jahren von 1981 bis 2010, Temperaturabweichungen bis zu +3,5 Grad Celsius. Schnee gab es fast nur im Waldviertel und in den höheren Lagen der niederösterreichischen Alpen. Doch auch dort waren die Ausbeute an Neuschnee und die Schneedeckenlage unterdurchschnittlich.

Und bislang sieht es auch nicht nach einem markanten Wintereinbruch aus. Das hat Folgen.

Allergiker leiden jetzt fast das ganze Jahr

Die Pollensaison hat dieses Jahr aufgrund der warmen Temperaturen ruckartig begonnen. Die Hasel und die Erle, die jedes Jahr als erstes blühen, sind in Niederösterreich schon am Höhepunkt des Steubens. Der HNO-Arzt Uwe Berger erklärt: „Allergiker reagieren am Anfang der Saison sehr sensibel. Durch den schlagartigen Beginn war die Belastung deshalb wirklich hoch.“ Diese abrupte Belastung hängt damit zusammen, dass durch den milden Herbst die Ausbildung der Kätzchen begünstigt wurde. Normalerweise würden sich die Kätzchen sukzessive öffnen, doch durch die warmen Temperaturen haben sie sich rasch geöffnet.

Ebenso lästig können Zecken und Insekten sein, die vom ausbleibenden Winter profitieren. Bei Temperaturen ab sieben Grad Celsius werden Zecken aktiv. Der deutsche Zeckenforscher Jochen Süss betont: „Dauerte die Zeckensaison früher von etwa März bis Ende Oktober, so sind die Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv.“ Durch den fehlenden Frost würden sie gut überwintern können.

Doch nicht nur den Zecken fällt es leichter, zu überwintern. Die Generalsekretärin des Niederösterreichischen Landesjagdverbands Sylvia Scherhaufer erklärt, dass es durch milde Winter wie heuer weniger Fallwild gibt. Dadurch gibt es beispielsweise mehr Wildschweine, denn die Sterblichkeit des Nachwuchses ist geringer, weil Nahrung einfacher erreichbar ist. Außerdem sei die Bejagung ohne Schnee schwieriger.

Ähnliches trifft auf Mäuse, Hasen und andere Nagetiere zu. Nach den hohen Temperaturen im Jänner und Februar haben Feldhasen bereits Junghasen bekommen. Der Landesjägermeister Josef Pröll appelliert deshalb, dass jeder den Wildlebensraum respektieren soll, sich leise verhalten soll und keinesfalls Jungtiere berührt oder mitnimmt.

Mehr Schädlinge, mehr Pestizide

Durch die Annäherung seien die Jungtiere enormem Stress ausgesetzt, der sie für Krankheiten anfällig mache. Hunde sollten deshalb im Wald unbedingt an der Leine geführt werden.

Die hohe Population von Mäusen und Insekten könnte für die Landwirtschaft problematisch werden. „Momentan muss man davon ausgehen, dass die Schaderregerepidemie höher sein kann als normalerweise“, so der Direktor der Landwirtschaftskammer, Manfred Weinhappel.

Auch der Zwischenfruchtanbau, eine Begrünung der Äcker über den Winter, ist nicht abgefroren, wie er es normalerweise tut. Deshalb müssen die vielen Felder, die jetzt noch grün sind, mechanisch oder mit Pestiziden für das Frühjahr und die neue Saat vorbereitet werden. Durch den niederschlagsarmen Winter sind außerdem die Wasserdepots nicht aufgefüllt. Deshalb gibt es keinen großen Polster für die Landwirtschaft, falls es weiterhin so trocken bleibt.