Green Care: Zur Therapie auf den Bauernhof. Green-Care-Betriebe sollen gegen Landflucht helfen. Sie vereinen Agrar-Betriebe mit Sozialdienstleistungen.

Von Lisa Röhrer und Ondrej Svatos. Erstellt am 08. April 2021 (04:29)
Pferde sollen Kindern in Krisen helfen. Darauf setzen die Betreiber des „Lichtblick“-Hofs – ein Beispiel für einen Green-Care-Betrieb in NÖ. Foto: privat
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Der Geruch von Stroh liegt in der Luft, Vögel zwitschern, Tiere grasen auf der Weide. Wenn ein Kind am „Lichtblick“-Hof in Wald (Bezirk St. Pölten) ankommt, macht es sich mit einem Therapeuten auf in den Stall.

Nach einer ausgiebigen Kuschel-Einheit mit dem Lieblingspferd wird das Tier gezäumt und für den Ausflug bereit gemacht. Das Ziel ist die Natur. Bei einem Spaziergang oder Ausritt sollen Kinder, die mit schweren Krankheiten in der Familie oder chronischen Depressionen kämpfen, die Last des Alltags kurz vergessen.

Der Lichtblickhof ist ein Zentrum für Hippotherapie, also Therapie mit Pferden. Gleichzeitig ist er ein Beispiel für einen „Green Care“-Betrieb. Die wiederum gehören zu einem Projekt, das das Agrar-Ministerium und die Landwirtschaftskammern zur ländlichen Entwicklung gestartet haben.

Elisabeth Köstinger sieht Potenzial in den sozialen Dienstleistungen für die Regionen. Foto: APA
APA/Georg Hochmuth

Seit der Gründung vor sechs Jahren gibt es österreichweit mittlerweile 113 zertifizierte Betriebe, in denen 170 Green-Care-Dienstleistungen angeboten werden. Diese sollen Landwirtschaft mit sozialen Dienstleistungen vereinen und so – wie ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger meint – rurale Regionen stärken.

Viele der Betriebe, auf denen Pädagogen, Therapeuten oder Tierärzte beschäftigt sind, sind in Niederösterreich angesiedelt. Hierzulande sind es rund 30 zertifizierte Green-Care-Betriebe, die zeigen, dass das landwirtschaftliche Beschäftigungsfeld gewachsen ist und längst über Ackerbau und Viehwirtschaft hinausgeht. Angeboten wird nicht nur Therapie mit Pferden oder anderen Tieren wie am „Lichtblick“-Hof.

Die Palette reicht von Alpaka-Wanderungen über die Beschäftigung Langzeitarbeitsloser in der Landwirtschaft bis hin zu einer „Auszeit beim Winzer“, die mit Wanderungen durch die Weingärten die Achtsamkeit stärken soll.

„Unser Ziel muss sein, das Leben am Land und die Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft zu attraktiveren. Indem Bauernhöfe flexible Angebote schaffen, erhöhen wir die Familienfreundlichkeit der Regionen, unterstützen die Erwerbstätigkeit von Frauen am Land und bremsen somit die Abwanderung“, sieht Köstinger die Vorteile des Projektes.

Wifo-Studie: 570 neue Jobs durch „Green Care“

Evaluieren, ob die Green-Care-Betriebe tatsächlich die erhoffte Steigerung der regionalen Wertschöpfung schaffen, sollte das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo).

„Die regionalwirtschaftlichen Effekte von Green Care sind beachtlich. Unsere Berechnungen zeigen, dass mit den getätigten Investitionen eine Wertschöpfung von 12,6 Millionen verbunden ist“, resümiert Forscher Franz Sinabell.

Außerdem sind, der Studie zufolge, durch die Betriebe 570 Arbeitsplätze entstanden. Eine Beschäftigung fanden dort auch 106 Menschen mit Behinderung.