Bin, der ich bin. Filippo Drasche-Wartinberg auf dem Richardhof bei Gumpoldskirchen: „Ich reise gern, brauche frischen Wind.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:36)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Ich bin jemand, der leidenschaftlich gerne lacht. Denn das Leben ist ernst genug.« Filippo Drasche-Wartinberg auf dem Richardhof mit einem Pferd, das die Schauspielerin Sibylle Kos einstellt.
Er entspricht manchen Klischees der Marke „reich und schön“. Vor allem in Sachen Attraktivität darf er sich viel zugute halten. Dennoch ist Filippo Drasche-Wartinberg immer noch nicht beweibt.
„Ja, ja, ich weiß“, seufzt er laut, „mein Vater besucht mich meist einmal im Monat, auch um mir mitzuteilen, dass er sich endlich Enkelkinder wünscht.“

Doch wer hinter der Abstinenz eher unlautere Absichten vermutet, liegt völlig fasch. So sehr Filippo an einen Womanizer denken lässt, so ernst ist ihm die Sache. „Ich bin eine sehr treue Seele, aber eben wählerisch. Ich habe einen Hang zu Frauen, die es mir schwer machen.“

Dabei müssten die nicht blauen Blutes sein, gar nicht. „Es gibt äußerst vorzügliche Damen, die nicht von Adel sind. Und wenn eine adelig ist, dann darf sie nicht zu standesbewusst sein. Meine Großmutter hat immer gesagt: Die wirklich von Adel sind, die zeigen es nicht. Und die es nicht sind, müssen es zeigen.“

Der Bruch mit der eigenen Tausendjährigen Geschichte

Ihm selbst sei der Adelstitel egal, meint Filippo. „Ich bin der, der ich bin. Ich werde für meine Taten ausgezeichnet, und nicht dafür, was fünf Generationen vor mir gemacht haben.“ Dass 1919 der Adel abgeschafft wurde, verstehe er auf der einen Seite, finde es aber auf der anderen schade.
„Es gibt kaum ein Land mit einer solchen Tradition. Und gerade die wurde abgeschafft und mit der eigenen tausendjährigen Geschichte gebrochen.“

Auf die Tradition legt er großen Wert. „Das bedeutet für mich, das Erbe der Ahnen zu erhalten, wie es ist, und es der nächsten Generation ungeschmälert weiterzugeben.“

Die Familie Drasche kommt aus Flandern. Sie wurde mit ihren Textilmanufakturen von den Habsburgern in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in das nach dem Dreißigjährigen Krieg völlig devastierte Nordböhmen geholt.

Herausragend in der Familiengeschichte war Heinrich Drasche (1811 bis 1880), der mit seinen Ziegelwerken (heute Wienerberger) mitsamt den Kohlebergwerken ein Imperium aufrichtete und von Kaiser Franz Joseph nobilitiert wurde – zu Baron Heinrich Drasche von Wartinberg.

Prunkstück in Drasches großer Immobiliensammlung war der von Theophil Hansen 1862 errichtete Heinrichshof vis-à-vis der Staatsoper, der aber 1945 in Schutt und Asche gelegt wurde. Heute sind die Immobilien der Drasches eher klein, aber doch fein. Großcousin Richard besitzt das Schloss Ebreichsdorf, Filippo hat von seinem Vater, einem Industriellen aus Padua, den italienischen Vornamen bekommen, von Großmutter den Familiennamen Drasche-Wartinberg und von seiner Mutter den Richardhof, ein 380 Hektar großes Gut bei Gumpoldskirchen, mit Hotel. Restaurant, Reitstall, Golfplatz, Forstwirtschaft und Eigenjagd.
Der Reitstall wird vermietet, er selbst reitet längst nicht mehr, obwohl die Nahebeziehung zu Pferden fast eine Art von Familienkrankheit ist.

„Mir fehlt halt die Zeit dafür, die Verwaltung des Richardhofes ist einfach zu zeitaufwändig. Aber ich bin glücklich, wie ich leben und arbeiten darf, ich weiß das Erbe sehr zu schätzen, das ich bekommen habe.“ Doch er kennt nicht nur die Arbeit, Jagd und Städtereisen plant er oft ein.
Was ihm zum Glück noch fehlt, ist also eine Frau mit Familiensinn. Ein heißer Tipp, so nebenbei: Filippo liebt Bries und rasch abgebratene Nierndln; mit Minestrone und Beuschel hingegen kann man ihn jagen.

FILIPPO DRASCHE-WARTINBERG …

… wurde am 6. November 1981 in Wien geboren. Er wuchs auf Schloss Gandegg in Südtirol, in Padua (er kann perfekt Italienisch) und auf dem Richardhof bei Gumpoldskirchen auf.

Er absolvierte das Fach Tourismusmanagement an der Wiener Fachhochschule Modul (2003). Fünf Jahre war er Rettungssanitäter bei den Maltesern. 2008 übernahm er den Richardhof.