Bis in den Tod. Christian Ségur-Cabanac, Generalleutnant, verantwortlich für die Führung des Heers bei Einsätzen im In- & Ausland.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (11:13)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Ich fühle mich als Adeliger im Geiste, als Diener am Gemeinwohl. Das lässt sich am besten als Offizier tun.« Christian Ségur-Cabanac (rechts) mit Bruder René (Landesverteidigungsakademie).
Er hat noch keinen Krieg am eigenen Leib miterlebt. Als erster nach einer schier unzählbaren Reihe von Ségur und Ségur-Cabanac, die in vielerlei Schlachten ihren Mann gestanden haben, dient Christian Ségur-Cabanac dem Vaterland in Friedenszeiten.

Das bereitet dem dritthöchsten Offizier des Bundesheers keine Sorgen. „Kein Krieg? Gott sei Dank, er geht mir nicht ab. Die Einzigen, übrigens, die wirklich eine Berechtigung zum Pazifismus haben, sind die Soldaten, die im Ernstfall ihren Kopf hinhalten müssen.“

Was den beeindruckenden Generalleutnant gleich zu einem weiteren Gedanken führt: „Viele glauben, die Soldaten wären bei einem Konflikt böse, nicht die politischen Entscheidungsträger. Wenn man das Bundesheer abschafft, dann kommt automatisch der Friede. Na, da wünsche ich viel Vergnügen!“

Nichts ist dem Offizier so fremd wie der Umsturz

Ja, die politischen Entscheidungsträger! Kein böses Wort kommt über die Lippen von Ségur-Cabanac. So groß wie er schreibt kaum wer das Wort Loyalität. „Wir setzen um, was der Gesetzgeber verlangt. Wir weisen nur auf die Mittel hin, die wir für die Umsetzung brauchen. Nichts ist dem österreichischen Offizier seit Jahrhunderten so fremd wie umstürzlerische Gedanken. Gemeinwohl geht über Eigenwohl, dieses Bild prägt die Ausbildung der Offiziere. Unsere Leutnants geloben bei der Musterung Treue bis in den Tod. Das macht keine andere Berufsgruppe.“

Die Familie Ségur kommt aus dem Bordeaux und lässt sich 876 erstmals schriftlich fassen. Der Name könnte vom lateinischen „securus“ kommen, der Sicherheit-Gebende, wie der Generalleutnant meint. Oder einfach nur von einem nahen Landstrich.
Später vereinigte sich ein Teil der Familie Ségur mit der Familie Cabanac, der Hang zu Waffe und Montur, die Treue zu den Herrschern blieb unbebrochen. So liegt ein Comte de Ségur an der Seite seines Kaisers Napoléon im Pariser Invalidendom begraben.

Einzig die vorangegangene Französische Revolution trübte das Verhältnis. Auf der Guillotine wollte man sich denn doch nicht vorführen lassen.
Also kam ein Teil der Familie nach Österreich, aus den Comtes wurden Grafen, wenn auch heute nur noch theoretisch.

„Nein“, lacht Ségur, „wir sind auch praktisch Grafen. Ich bin ein guter republikanischer Soldat, aber stolz auf meine Familientradition.“ Dazu gehört auch, dass ein August Ségur – „die meisten männlichen Ségur heißen August, fragen Sie mich nicht, warum ich Christian genannt worden bin“ – jahrzehntelang Betreuer des 1848 zurückgetretenen Kaisers Ferdinand war, ein anderer gleichen Namens und Großvater Christians, Bezirkshauptmann von Mödling, Finanzminister im Kabinett von Ignaz Seipel, erster Präsident der Nevag (heute: EVN), geistiger Vater der Trennung von Wien und Niederösterreich und Rektor des Theresianums war.
Die Beziehung von Ségur-Cabanac mit der Geschichte ist eng.

„Dass der letzte Erzherzog Österreichs in einem militärischen Kondukt nach Protokoll zu Grabe getragen wurde, das war mir sehr wichtig.“ Die militärische Geschichte hält er auch zu Hause hoch, immerhin ist er mit der Großnichte des „Adlers von Triest“ verheiratet. Und das war der letzte lebende Ritter des Maria-Theresienordens.

CHRISTIAN SÉGUR-CABANAC …

… wurde am 15. November 1948 in Wien geboren und legte 1967 die Matura ab. 1971 wurde er als Leutnant ausgemustert, von 1979 bis 1982 absolvierte er eine Generalstabsausbildung. Danach war er im Führungsstab des Armeekommandos. Seit 1993 leitet er die Operationsabteilung im Bundesministerium, also alle Einsätze im In- und Ausland. 2008 wurde er zum Generalleutnant befördert. Der engagierte Katholik, Malteser-Ritter und Pfarrgemeinderat ist seit 1972 mit Marie Isabell verheiratet. Sie haben vier Kinder und vier Enkel.