Ein echter 68er. Ulrich Winkler-Hermaden, Verleger in Schleinbach bei Mistelbach: „Ich war immer auf die Geschichte fixiert.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (11:10)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Ich fühle mich nicht unbedingt als Adeliger.« Ulrich Winkler-Hermaden mit zwei seiner Bücher und Erinnerungsbildern (Mitte: Schloss Kapfenstein in der Steiermark).
Mit einer Höhe von gerade einmal 323 Metern ist der Monte Hermada von eher geringer Größe. Selbst die Italiener nennen ihn einen „bescheidenen Hügel“.
Dennoch vermag seine Erscheinung zu beeindrucken, am Rande des Golfs von Triest, nahe Duino gelegen, wo einst Rainer Maria Rilke die Elegien schrieb.

Im vorletzten Kriegsjahr spielte der Hermada eine nicht unbedeutende Rolle, als bei der Elften Isonzoschlacht am 17. August 1917 eine italienische Offensive hier abgewehrt werden konnte.
Bedeutende Verdienste hatte sich damals Feldmarschallleutnant Arthur Winkler erworben. Der war zwar bereits 1913 pensioniert worden und hatte 1916 das Schloss Kapfenstein im steirischen Vulkanland für seine Familie erworben.

Kaiser Karl adelte ihn nach der Schlacht von Hermada

Aber im Rahmen der Isonzoschlachten wurde er wieder in den Dienst gestellt. Kaiser Karl adelte ihn nach der Schlacht an der Hermada – und verlieh ihm den Namen „von Hermaden“.
Nicht zu verwechseln ist jener Arthur mit diesem, dem zweiten Arthur Winkler von Hermaden, der ein bedeutender Geologe war; seine umfangreiche erdgeschichtliche Sammlung ist im Gemeindeamt Kapfenstein zu bewundern. Das Schloss, auf einem erloschenen Vulkankegel thronend, ist heute noch im Besitz der Familie und dient einerseits als Sitz eines Weingutes und andererseits als nobles Schlossrestaurant.

Ulrich Winkler-Hermaden, eines von vier Geschwistern, hat damit wenig zu tun; weder beruft er sich auf die militärische Tradition der Familie („nach sieben Jahren Internat konnte ich mir nicht vorstellen, wieder interniert zu sein; deshalb war ich einer der Ersten in Österreich, die den Zivildienst gemacht haben“), noch interessierte ihn die Gastronomie („für so etwas habe ich zwei linke Hände“). Nicht einmal die adelige Herkunft lockt ihn.

„Wenn es heißt: Adel verpflichtet, bedeutet mir das nichts, fühle ich mich davon nicht angesprochen. Dazu bin ich zu wenig Grundherr, habe zu wenig Familienbesitz. Ich bin nur stolz darauf, an einem so schönen Ort wie dem Schloss Kapfenstein aufgewachsen zu sein. Und ich freue mich, einen interessanten Doppelnamen zu haben.“
Trotz seiner Herkunft und der konservativ-liberalen Erziehung seien die 68er an ihm nicht spurlos vorbegangen. „Beatles und Rolling Stones, Franz Innerhofer, Peter Handke, Marlene Haushofer, die haben meinen Geschmack schon sehr beeinflusst.“ Beruflich habe er sich immer für den Journalismus und das Geschäft des Verlegers interessiert.

Nach vielen Jahren als Geschäftsführer des Archiv Verlags in Österreich gründete er 2008 in Schleindorf seine eigene Edition. „Ich dachte mir, was ich im Archiv Verlag gemacht habe, kann ich auch allein machen. Und weil ich inhaltlich immer stark auf die Geschichte fixiert war, gebe ich vor allem Bücher mit der Regionalgeschichte des Weinviertels und Wiens heraus.“ Sein nächstes Projekt gilt der Erdölförderung im Weinviertel.

Die Bände seien beliebte Geschenke vor allem für die ältere Generation, sagt der begeisterte Passiv-Sportler. „Man kann davon leben, aber nicht allein. Ich steuere etwas zum Familieneinkommen bei, aber ohne meine Frau Ulrike, die in der Wiener Secession arbeitet, geht nichts.“
www.edition-wh.at

ULRICH WINKLER-HERMADEN …

… wurde am 27. März 1955 in Fürstenfeld geboren und wuchs auf dem steirischen Schloss Kapfenstein auf. Nach der Matura 1972 in Graz studierte er Publizistik (MA 1982 in Westberlin). Danach arbeitete er für den Böhlau-Verlag, von 1987 bis 2008 für den Archiv Verlag Österreich, dessen Geschäftsführer er vierzehn Jahre war. 2009 gründete er die Edition Winkler-Hermaden. Seit 1982 ist er mit Gattin Ulrike verheiratet, seit 1988 leben sie in Schleinbach. Sie haben drei Kinder, Lena (geboren 1981), Rosa (1983) und Maja (1992).