Ein hartes Brot. Verena Auersperg-Rotterdam: „Ich will mit Bildern Freude machen. Mit der Kunstmarktmafia hab’ ich nichts zu tun.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (11:00)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Erwin Pröll liebt meine Bilder und schätzt mich als Künstlerin. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken.« Verena Auersperg-Rotterdam mit ihrem Lieblingsbild aus der Jagd-Serie.
Die Liebe zur Malerei hat sie von ihrem Vater, auch wenn sie mit ihm in Sachen Kunst kaum einer Meinung ist.
Verena Auersperg ist die Tochter von Paul Rotterdam, der 1939 in Wiener Neustadt auf die Welt gekommen ist und dort auch die Kriegsjahre verbracht hat.

Er ist heute einer der wichtigsten Künstler Österreichs, mit Wohnsitz in den USA und internationalem Ruf.
Den Unterschied zwischen Vater und Tochter formuliert Verena überraschend deutlich: „Er ist schwer intellektuell, ich bin kurz und bündig, erdig. Im Vergleich mit Vater würde ich mich als oberflächlich beschreiben. Mir sind sogar die tiefen Gespräche, die er manchmal mit mir führen will, zu anstrengend.“

Bunt, fröhlich und konkret, ohne Wenn und Aber

Ihre Bilder beschreibt sie als „bunt, fröhlich, konkret gemalt, ohne Wenn und Aber, und jederzeit als meine Werke erkennbar. Entweder sie gefallen oder nicht. Da kann man nicht diskutieren“.
Die Acrylbilder seien einfach geartet, sagt Verena, „sie sollen den Betrachtern Freude machen. Sie müssen selbst entscheiden, ob sie Tiefe darin entdecken“.

Verenas Mutter Marga stammt aus dem alten baltischen Adelsgeschlecht Manstein, ihr Mann ist ein Graf Auersperg aus der slowenischen Linie der Familie.
„Ich habe ihn kennen gelernt, als er mich zu einem Fest abgeholt hat – da hat mich gleich der Blitz getroffen!“
Ehe und Familie bedeuten ihr viel. „Ich bin konservativ, Werte sind mir sehr wichtig. Man kann nur ein starker Mensch sein, wenn man die Sicherheit eines eigenen Nestes hat, also der Familie. Wer von Blüte zu Blüte hüpft, ist sicher nicht glücklich.“

Studiert hat Verena Auersperg- Rotterdam an der Akademie am Schillerplatz in der Meisterklasse von Friedensreich Hundertwasser. „Uns hat die Liebe zu Farben verbunden, sonst habe ich aber meine Kreativität ausgelebt, meinen eigenen Weg gefunden und dabei nicht versucht, Hundertwasser zu kopieren. Das hat ihm sehr imponiert.“

In Sachen Selbstvermarktung ist Verena groß, die Kontakte mit Boulevard und Seitenblicken sind imposant. „Das haben andere Künstler kritisiert, aber es ist der einzige Weg, bekannt zu werden und Leute in Ausstellungen zu bringen. Bilder verkaufen, das ist ein hartes Brot.“
Stolz ist sie deshalb auch darauf, dass die Sammlung des Landes ein Bild von ihr gekauft hat. „Damals war ich 39 Jahre alt und die jüngste Künstlerin, die angekauft wurde.“

Das Bild hat Landeshauptmann Erwin Pröll, guter Freund und Bewunderer Verenas, selbst ausgesucht. Es stammt aus einer Reihe von Jagdbildern und trägt den Titel „Blattschuss“.
Zu ihren bevorzugten Motiven zählen Tiere, Porträts, Akte und Polospieler in Aktion. Sie malt meistens in der Nacht. „Da habe ich die besten Inspirationen und kann mich tagsüber um meine drei Töchter kümmern.“
Offiziell darf sich Verena dank der heimischen Adelsgesetze ja nicht Gräfin nennen, aber das sei ihr völlig egal, sagt sie. „Ich finde es sehr nett, wenn ich Wertschätzung erhalte, weil ich adelig bin. Aber sonst bringt es heute nichts. Manchmal schließt es sogar Türen, und ich bekomme eine höhere Rechnung beim Zahnarzt, weil ich Gräfin bin.“

Ob Adel verpflichtet? „Ja, man soll die durch die Erziehung vermittelten Ehrgesetze einhalten, die Regeln und Werte, die andere nicht mitbekommen haben.“

VERENA AUERSPERG-ROTTERDAM …

… wurde am 1. März 1965 in Wien geboren, wo sie auch 1983 die Matura ablegte. Sie absolvierte bis 1987 die Meisterklasse von Friedensreich Hundertwasser in der Akademie am Schillerplatz und ist seither freischaffende Künstlerin.

Seit dem Jahr 2002 ist sie mit Wolf-Engelbrecht Graf Auersperg aus der slowenischen Linie der Familie verheiratet. Die beiden haben drei Töchter, Johanna (geboren 2002), Aglae (2003) und Franziska-Ara (2007).