Immer am Ball. Carl-Wolfgang Stubenberg in Grafenegg und Wien: „Ich habe sicher noch nie mit meinem Grafentitel kokettiert.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (11:07)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Mir erscheinen alle Gesetze gegen die Habsburger so absurd wie die Versuche, sie aufzuwerten.« Carl-Wolfgang Stubenberg im Wiener Casino Baumgarten, das seine Agentur für Events vermietet.
Seine Leidensfähigkeit ist beeindruckend groß. Als Fußballfan in Österreich überhaupt, und noch mehr als glühender Anhänger von Wacker Innsbruck, wo er seit 1980 Mitglied ist. „Meine Mutter stammt aus der Gegend, und ich hab’ viele Ferien dort verbracht“, erzählt Carl-Wolfgang Stubenberg. „Da war der Besuch des Tivoli-Stadions immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.“

Er selbst ist hobbymäßig noch aktiv, „auch wenn ich mich mit meinen vierzig Jahren gegen die Zwanzigjährigen über den Platz schleppen muss“.

Sport, das war ihm immer sehr wichtig, ob mit den großen Bällen oder den kleinen (Tischtennis). Dabei hat er auch seine Frau kennen gelernt, die sich als Physiotherapeutin um eine vorgefallene Bandscheibe angenommen hat. „Seit wir verheiratet sind“, seufzt er, „hat sie physiotherapeutisch aber nie wieder Hand an mich gelegt. Wenn mir was weh tut, sagt sie: Geh, du jammerst doch nur!“

Nicht nur sportlich, sondern auch italophil

Zur Schonung der Gelenke klettert er heute deshalb lieber aufs Rennrad, gibt sein fußballerisches Wissen als Trainer an eine Kindermannschaft weiter oder setzt sich hinters Steuer seines überaus sportiven Alfa Romeos. „Ich bin eben nicht nur sportlich, sondern auch italophil.“ Immerhin war er nach seiner Zeit als Journalist beim „Sportmagazin“ jahrelang für die Öffentlichkeitsarbeit von Fiat Deutschland zuständig.

Doch auch von der Autobranche ist er inzwischen weg. „Ich habe in meinem Leben beruflich drei Haken geschlagen“, sagt er dazu. Jetzt betreibt er mit einem Freund das M*Eventcatering, mit 10 Millionen Euro Umsatz und 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter den Top Ten der hiesigen Catering-Unternehmen.
Dabei sollte er ja eigentlich das Weingut seiner Eltern in Grafenegg übernehmen.

Die betrieben in ihrem Schloss Walkersdorf in Grafenegg dreißig Jahre lang einen Schlossheurigen; heute werden die Weine unter der Marke „Weine Graf Stubenberg“ von Rudi Bründlmayer, dem Cousin von Willi Bründlmayer vermarktet.

Für Carl-Wolfgang nämlich hat der Weinbau wenig Reiz. „Ich bin beruflich einen anderen Weg gegangen, mir ist die Arbeit im Weingarten schon als Kind auf die Nerven gegangen. Trotzdem werde ich den Besitz zusammenhalten. Verkauft wird nichts, schon gar nicht bei uns!“

In das Familieneigentum kam Walkersdorf um 1900 durch eine Erbschaft, während das Schloss Grafenegg damals auf dieselbe Weise an die Adelsfamilie Metternich-Ratibor kam.
Die Familie Stubenberg wurde um 1000 erstmals urkundlich erwähnt und hat Wurzeln in Kapfenberg. „Wir streiten uns mit den Herbersteins, wer das älteste steirische Adelsgeschlecht ist.“

Besonders wichtig ist es für Carl-Wolfgang nicht. „Schon als Kind habe mich nicht in die aristokratische Ecke drängen lassen. Aber obwohl ich vieles ablehne, kann ich mich dem nicht entziehen. Unsere große Familiengeschichte gibt es ja nur, weil sich viele den Werten und dem Sinn dieser Familie unterworfen haben. Und gar nicht wenige dieser Werte sind nicht verkrustet, sondern aktuell, wenn man sie im Kontext der Zeit sieht. Dabei darf ich mich als Einzelner nicht überbewerten, ich stehe in einer Abfolge von Generationen. Und ich darf nicht mutwillig zerschlagen, was diese Generationen geschaffen haben.“

CARL-WOLFGANG STUBENBERG …

… wurde am 8. Juli 1972 in Wien geboren, wuchs auf Schloss Walkersdorf in Grafenegg auf, maturierte 1990 in Krems, absolvierte Teilstudien in Politik & Geschichte. Er war Sportjournalist (1990 bis 1994), Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von Fiat Deutschland (1994 bis 2000) und führt seither als Miteigentümer ein Eventcatering.

Er ist seit 2002 mit Marie-Theres verheiratet, die beiden haben drei Söhne, Camillo (geboren 2003), Matteo (2005) und Nikolaus (2006).