Kinder als Wert. Max Ludwigstorff, Landschaftsplaner in Niederösterreich: „Vor allem Entwässerungsprojekte machen mir Spaß.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:33)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Ich liebe besonders das Weinviertel abseits der Hauptstraßen. Wo die Zeit stehen geblieben ist.« Max Ludwigstorff an den Gestaden der Schmida, die er zum Teil renaturiert hat.
Drei Brüder und nur ein Schloss. Noch lange kein Grund zu streiten. Georg, der älteste Bruder, interessierte sich mehr für Kunst und arbeitet im Dorotheum; Dominik, der mittlere, übernahm Schloss Guntersdorf. Und Max, der jüngste, ist „aus Vernunftsgründen gewichen. Wenn jeder auf seinen Rechten beharrt, gäb’s nur noch Schrebergärten. Keiner kann dann das Schloss erhalten“.

Also widmet er sich nicht der Landwirtschaft, wie der Bruder, sondern der Landschaft. „Landscaping Ludwigstorff“ beschäftigt sich mit Landschaftsgestaltung im weiten Sinn; das betrifft also nicht nur Parks und Gärten, sondern auch Flussläufe, Bahnlinien, Straßen oder Flughäfen. Zu seinen jüngsten Projekten gehört die Renaturierung von Teilen der Schmida und die schonende Einbindung der erst 2009 neu errichteten Stetteldorfer Schleife in die Landschaft. Sie führt Güterzüge, ohne sie zu stürzen, in Absdorf-Hippersdorf von der Nordbahn zur Westbahn.

Wie Kriege die Landschaften sichtbar geprägt haben

Doch Max widmet sich auch der Theorie. Zum Thema Landschaft hat er oft publiziert; sein Buch über „Parks und Gärten in Niederösterreich“ ist zwar längst vergriffen, dafür arbeitet er schon am nächsten. „Mich interessiert die Vergangenheit von Landschaften, wie sie durch Kriege geprägt wurden, wo man noch die Reste von Schlachtfeldern oder Schanzen findet.“

Die Familie Ludwigstorff wurde 1589 in den rittermäßigen Reichsadelsstand erhoben, 1703 in den erbländisch österreichischen Freiherrnstand und 1910 in den Grafenstand.

Doch Max ist auch seine mütterliche Familie wichtig, denn „man besteht immer aus zwei Teilen“. Mutter Christl stammt aus der Familie Hardegg, die 1499 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Der 1961 gestorbene Großvater war der letzte männliche Graf Hardegg aus der älteren Stetteldorfer Linie. „Mich berührt das schon“, sagt Max, „mit ihm ist ein Teil der Geschichte ins Grab gesunken.“

Er selbst hat vorgesorgt, mit drei Kindern und einem vierten in Erwartung. „Das hat vielleicht auch mit Adel zu tun. Ich sehe Kinder als sicheren Wert, als den größten Schatz, und nicht unter dem Aspekt, was sie kosten.“
Darin ist er sich wohl mit seiner Frau, einer gebürtigen Gräfin Goëss einig. Und er sieht in der Verbindung keinen Zufall. „Es ist schon so, dass man aus historisch gewachsenen Gründen aufeinander trifft. Ich finde es interessant, dass sich auch 94 Jahre nach Ende der Monarchie die alten Strukturen erhalten haben.“

Ihm ist seine Herkunft wichtig, „obwohl ich sie nicht überbewerten will. Adelig zu sein, das ist heute kein Vorteil mehr und kein Nachteil. Aber die Familiengeschichte ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität und der Identität des Landes“. Sein Selbstbewusstsein aber speist sich nicht daraus. „Ich bin ein Unternehmer und trage Positives zum Allgemeinwohl bei. Darauf bin ich stolz.“ Den Kindern will er entsprechende Werte weitergeben. „Sie sollen sich in der Welt behaupten und wissen, woher sie kommen, dabei aber den Menschen mit Respekt und Achtung gegenübertreten.“

Das will Max Ludwigstorff natürlich auch selbst. Aber wenn es ihm zu viel an Güte wird, hat er ein Alternativprogramm. Dann stürzt er sich beim St. Pöltener Eishockeyklub Rautatonki (Brechstange) aufs Eis. Und vergisst vielleicht doch ein bisschen auf Respekt und Achtung.
MAX LUDWIGSTORFF …

… wurde am 12. September 1967 in Wien geboren und wuchs dort und in Guntersdorf auf. Nach der Matura studierte er Landschaftsökologie an der Universität für Bodenkultur in Wien (Diplomingenieur 1996). Sein Büro für Landschaftsplanung trägt den Namen „Landscaping Ludwigstorff“.

Seit 2003 ist er mit Hemma Gräfin von Goëss verheiratet; sie haben drei Kinder, Franziska (geboren 2003), Vinzenz (2005), Josef (2010), ein viertes wird erwartet.