Mann mit Bart. Ulrich Norbert Schulenburg, in Groß Gerungs und Wien, vertritt an die Tausend lebende und tote Bühnenautoren.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:29)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
Ulrich Norbert Schulenburg wohnt seit Jahrzehnten auch im Waldviertel. Das Haus bei Groß Gerungs hat er einst dem Autor Wilhelm Pevny abgekauft. Damals war es eine baufällige Keusche.
Karikaturisten haben es mit ihm sehr leicht. Der überaus elegant gezwirbelte Schnurrbart verleiht ihm ein typisches Aussehen.

Warum Ulrich N. Schulenburg den Bartwuchs auf der Oberlippe pflegt, weiß er selbst nicht genau. „Vielleicht, weil es Familientradition ist. Oder aus Nostalgie. Meiner Frau jedenfalls gefällt er. Sie sagt: Ich kann dich gar nicht anders denken als mit Bart!“

Deshalb wagt er auch nichts. „Früher habe ich mir den Bart alle vier, fünf Jahre abrasiert. Den aktuellen trage ich fünfzehn Jahre. Ich habe einfach Angst, dass er in meinem hohen Alter nicht mehr nachwächst.“
Doch nicht nur am Barte ist er leicht zu erkennen, noch andere Erkennungszeichen gibt es, etwa die Krawatte, die wie ein Stecktuch das Sakko aus feinem schottischen Tweed ziert. „Ja, ich trage es immer dort, denn ich brauche es, wenn ich am Nachmittag in den Wiener Rennsportverein gehe, um Bridge zu spielen. Und wir haben“, sagt der Präsident des Vereins, „Krawattenpflicht.“

Die Familie stammt von der Schulenburg bei Hannover

Seine Familie ist alt; erstmals urkundlich erwähnt wird 1273 ein Ritter Wilhelm von der Schulenburg, die bei Hannover liegt.

Die Schulenburgs, immer hochanständig, wurden erst in den Reichsfreiherrenstand erhoben, später in den Reichsgrafenstand. Nur ein gewisser Johann Anton Christian musste irgendeinem Problem weichen – war er pleite, floh er vor einem Duell? –, verließ Westfalen und kam 1812, also vor genau 200 Jahren, nach Wien. Er gründete die österreichische Linie, gab das „der“ auf (wahrscheinlich mangels Burg) und initiierte eine Reihe hochehrenwerter Beamter, von denen einige im Dienst der Niederösterreichischen Landesregierung standen.
Es sei dabei bemerkenswert, meint Schulenburg, der als Erster die Reihe durchbrach und Unternehmer wurde, „dass alle Generationen in den zweihundert Jahren immer nur einen männlichen Erben hatten. Trotzdem gibt’s die Familie, übrigens sind wir die einzigen Schulenburgs in Österreich, immer noch“.

Während der Vater unbedingt aus dem Sohn auch einen Beamten machen wollte, entschied der sich für die freie Marktwirtschaft und trat schließlich in den Thomas-Sessler-Verlag ein. „Mich hat immer die Verstellungskunst im Theater interessiert und auch dessen wirtschaftliche Seite.“ Der Thomas-Sessler-Verlag beschäftigt sich mit Theater, Fernsehen, Film und Musik und „hat bei 2500 Filmen den Fuß in der Tür“.

Dazu vertritt er Komponisten wie Richard Strauss und an die Tausend lebende und verstorbene Theaterautoren, zum Beispiel Ödön von Horvath, Peter Turrini, Marc Camoletti, Gabriel Barylli, Daniel Glattauer, Franzobel, Daniel Kehlmann, Helmut Qualtinger oder H.C. Artmann. Jedenfalls: Wer im deutschen Sprachraum Theater macht, kommt an Schulenburg nicht vorbei. Das war nicht immer so, erst er hat das Unternehmen wirklich groß gemacht. „Es stimmt, wir haben jetzt eine unerhörte Power. So einen Verlag könnte man heute nicht mehr neu gründen.“

In einem Punkt nur blieb er bislang sieglos. In drei Gerichtsinstanzen gelang es dem Hüter der Urheberrechte nicht, die Töchter aus der Bundeshymne herauszureklamieren, obwohl er von den Rechtsnachfolgern der Hymnendichterin dazu ermächtigt wurde. Aber Schulenburg hat den Kampf noch nicht aufgegeben. Die streitbare Ader hat er wohl vom ritterlichen Ahn’.
ULRICH NORBERT SCHULENBURG …

… wurde am 17. Juni 1941 in Wien geboren, wo er 1959 die
Matura ablegte und danach einen Lehrgang in Werbung und Verkauf absolvierte. Nach Jobs bei der Atombehörde und Olivetti trat er 1968 in den Thomas-Sessler- Verlag ein und wurde 1983 dessen Eigentümer.

1967 heiratete er Gattin Sabine, die beiden haben zwei Söhne – Constantin Alexander (geboren 1970), Sebastian (1976) – und zwei Enkelkinder.