Mehr als Logik. Georg Thurn-Valsassina, Architekt auf Schloss Rastenberg am Kamp: „Es geht um geometrische Prinzipien.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:20)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Mein Seminarhaus liegt auf einer geomantischen Kreuzung und ist nach feinenergetischen Grundsätzen aus der europäischen Tradition erbaut.« Georg Thurn-Valsassina vor dem legendären Gebäude.
„Ich sage Ihnen, die Chefmanager von heute sind schlimmer als jene Adeligen, die damals die Französische Revolution ausgelöst haben!“ Georg Thurn-Valsassina ist um deutliche Worte nie verlegen. „Wir sind doch nur Marionetten des Kapitals. Ich bin es leid, ein Spielball der Wallstreet zu sein.“
Er formuliert eine „Kampfansage an die Aufklärung. Denn wir müssen mit unserer geistigen Entwicklung weitergehen, als es der Logik zugänglich ist. Deshalb muss sich die Menschheit auf einen Paradigmenwechsel vorbereiten. Wir gehen nämlich in ein weibliches Zeitalter. Wir brauchen dringend jene Kraft der Intuition, die in den Frauen steckt.“

Was aufs erste Hinhören vielleicht eher sehr sperrig klingt, ist wohldurchdacht. Immerhin ist Georg Thurn-Valsassina als Architekt federführend in Sachen „Subtiles Bauen“, ein Begriff, den er selbst erfunden und der ihm Weltruf eingetragen hat.

Bauhüttenwissen der Gotik und moderne Quantenpysik

Darin verbindet er das Bauhüttenwissen der Gotik mit den modernen Erkenntnissen der Quantenphysik. Seine Gebäude haben dank geomantischer Prinzipien einen hohen Wohlfühl-Faktor.
„Der hängt mit den positiven Resonanzen auf Schwingungsfelder zusammen, auf die positiven Strahlen aus der Erde und dem Kosmos, die in meiner Architektur verstärkt werden, mithilfe von eigenen Formen, Strukturen, Winkeln und Zahlen. Da geht es um geometrische Prinzipien, um die heilige Geometrie. Und wenn mir wer sagt, das gibt es nicht, dann sage ich nur: Freund, beschäftige dich mit den Erkenntnissen der aktuellen Naturwissenschaften.“

Bereits 1982 hatte sich Thurn mit einer Regionalarchitektur für Niederösterreich einen Namen gemacht. Insgesamt zwölf Projekte wurden damals mit der „Goldenen Kelle“ ausgezeichnet, ehe er sich wenige Jahre später mit der bereits erwähnten Geomantik zu beschäftigen begann.

Die Familie Thurn wurde erstmals 1200 in Mailand urkundlich erwähnt, am Ende des 13. Jahrhunderts führte die Heirat mit einer Contessa di Valsassina zum Doppelnamen. Der berühmteste Vertreter der Familie war Heinrich Matthias von Thurn, der Anführer beim Prager Fenstersturz 1618, der den Dreißigjährigen Krieg auslöste.

Doch trotz aller Konflikte mit den Habsburgern wurde die Familie in den Reichsgrafenstand erhoben, was Georg Thurn-Valsassina heute wenig beeindruckt. „Früher hat das schon eine Rolle gespielt, in Italien hießen mein Bruder und ich nur i contini, also die kleinen Grafen. Heute werde ich von deutschen Geschäftspartnern oft Herr Graf tituliert. Ich vermute aber, dass die Leute damit ihr eigenes Prestige anheben wollen.“ Er selbst sei „als typischer 68er früher ein linker Republikaner gewesen und heute ein liberaler Konservativer.“
Überhaupt, was bedeute Adel? „Meine leider schon verstorbene Frau hat einmal gesagt: Wir sind nur eine Durchgangsstation für die nächste Generation. Wir versuchen, was wir ererbt haben, zu erhalten oder zu vergrößern und geben es dann weiter.“

Kein Wunder also, dass bereits der Sohn das hervorragend erhalten Schloss Rastenberg mit den 500 Hektar Wald betreut. Der Papa kümmert sich mehr um das nahe Seminarzentrum, das seit 1989 in Betrieb ist und aus der ganzen Welt angefragt wird. „Ich sehe mich als Durchgangsstation für das kulturelle Erbe.“ 
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GEORG THURN-VALSASSINA …

… wurde am 1. Jänner 1942 in Karwin in Oberschlesien geboren, wuchs später in St. Wolfgang am Wolfgangsee und ab 1949 auf Schloss Rastenberg auf. Er maturierte 1961 in Krems, studierte in Wien Forstwirtschaft (DI 1968) und Architektur in Zürich (Dipl.Arch. 1973). 1967 heiratete er die 2007 verstorbene französische Schriftstellerin Christiane Singer, mit der er zwei Kinder hat, Dorian (geboren 1974) und Raffael (1980). Dann gibt‘s noch das Enkelkind Livia.