Viel verloren. Arno Wimpffen in Fahrafeld bei Pottenstein, Weinbauer in Ungarn: „Das eigene Gut ist hohe Lebensqualität!“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:16)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Als meine Kinder bei jedem Flugzeug Papi, Papi! gesagt haben, musste ich mein Leben ändern. Jetzt betreibe ich mit meiner Frau im ungarischen Tokaj ein Weingut.« Arno Wimpffen in Fahrafeld.
Viel ist nicht geblieben vom stolzen Schloss Fahrafeld bei Pottenstein. Als Jagdschloss zur Zeit Maria Theresias errichtet, wurde es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Tudor-Stil umgebaut. Hier war die größte Pferdezucht der Monarchie; die von den Russen umgeackerte Pferderennbahn war so solide errichtet, dass man sie heute noch aus der Luft sehen kann. „In meiner Familie gab’s immer Pferdenarren und Autonarren. Die haben sich vor hundert Jahren sogar Wettrennen nach Wien geliefert, das meistens die Pferde gewonnen haben“, erzählt Arno Wimpffen.

Und wie hält er es? „Ich fahre lieber Auto, meine Frau reitet.“

Bei Kriegsende jedenfalls wurde fast alles abgefackelt. „Nur die Fassade ist stehen geblieben“, erinnert sich Arnos Mutter Maria Anna, „und die mussten wir aufgrund eines behördlichen Bescheides in den Fünfzigerjahren sprengen, um zu verhindern, dass sie in die Triesting stürzt und ein Hochwasser provoziert.“

Als Grieche einer der reichsten Männer der Monarchie

1833 hatte Baron Georg Sina das Schloss mit 5000 Hektar der Krone abgekauft. Arno Wimpffen ist stolz auf den Vorfahren. „Er war als Grieche einer der reichsten Männer der Monarchie, auf Augenhöhe mit den Rotschilds. Sina war ein Menschenfreund und hat das Vermögen für soziale Zwecke eingesetzt. Er spendete dem neu entstandenen Griechenland den Staatsschatz und baute die Universität in Athen. In Budapest errichtete er Kettenbrücke und Nationalmuseum, in Wien Musikverein, Künstlerhaus, die orthodoxe Kirche und vieles mehr. Heute kennt ihn keiner.“

Schloss Fahrfeld kam durch Heirat in den Besitz der Wimpffens. Die Familie wurde bereits im elften Jahrhundert in Schwaben erwähnt, erhielt im Jahr 1555 in Augsburg den Wappenbrief, 1658 den erbländischen Wappenbrief und 1797 die Reichsgrafenwürde.

„Die meisten Männer waren Militärs“, erzählt Arno Wimpffen, früher Leutnant der Reserve, und verweist auf zwei besondere Exemplare – General Emanuel Félix de Wimpffen, der 1870 nach der Niederlage bei Sedan für Napoleon III. die französische Kapitulation unterschrieb. Und Feldmarschall Maximilian von Wimpffen, dessen Erfolge für die österreichische Armee so groß waren, dass er mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet wurde und noch vor Feldmarschall Radetzky auf dem Heldenberg im Weinviertel begraben wurde.

Um den Titel tut es Wimpffen nicht leid. „Aristokraten wissen es voneinander, und nach außen hin spielt er keine Rolle mehr. Aber ich bin stolz auf meine Familie und habe für sie große Verantwortung. Dabei stelle ich hohe Ansprüche an mich selbst. Dazu gehört auch, dass ich eine internationale Karriere aufgegeben habe, um hier für die Reste unseres Besitzes zu arbeiten und ihn für die Kinder zu erhalten.“

Aristokraten seien durch die Geschichte risikoscheu, meint er. „Die meisten von uns haben im Lauf der Zeit sehr, sehr viel verloren. Den Rest wollen wir erhalten.“ Und sei es die Wohnung in den einstigen Stallungen von Schloss Fahrafeld und die verbliebenen 200 Hektar Grund.

Dafür verwalten er und seine ungarnstämmige Frau Katherine seit 2007 ein derzeit 85 Hektar großes Weingut im Tokaj. Die 120.000 Flaschen im Topsegment werden unter der Marke Patricius bis Brasilien und Japan verkauft.

Manchmal funktioniert das alte Österreich-Ungarn doch noch!

ARNO WIMPFFEN …

… wurde am 7. März 1963 in Wien geboren, wuchs in Fahrafeld auf, legte 1981 in Kalksburg die Matura ab und studierte Forstwirtschaft (DI 1990). Er arbeitete in Luxemburg und Brüssel für den Verband der europäischen Papierindustrie und für die SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget). Seit 2003 ist er mit Katherine Kékessy von der Heyde verheiratet. Sie betreiben seit 2007 im Tokaj ein Weingut und haben drei Söhne, Maximilian (2003),
Georg (2005) und Philipp (2007).