Zeit schenken. Wieland Schmid-Schmidsfelden, Herr von Schloss Klafterbrunn in Eschenau bei Wilhelmsburg: „Nicht für mich!“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (13:50)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»Diese Aufgabe ist mir am wichtigsten - care4u. Ich möchte für den anderen da sein, mich mit seinem Schicksal auseinander setzen.« Wieland Schmid-Schmidsfelden vor Schloss Klafterbrunn.
Manches Mal gehen Träume in Erfüllung. „Als mich mein Bruder Veit angerufen hat, um mir zu sagen, dass Schloss Klafterbrunn zu verkaufen ist, habe ich sofort gesagt: Wir kaufen!“

Das war im Jahr 2004, und seither bereitet der „fanatische Voralpenländer“ Wieland Schmid-Schmidsfelden das schmucke, aber keineswegs protzige Anwesen, das aber mit seinem prachtvollen Park in der schönsten Landschaft des Traisentales liegt, auf den großen Auftritt vor.

Um kurz zurückzublicken: Die Grundfeste des Schlosses gehen aufs Mittelalter zurück. 1510 erwarb Laurentius Reiß von Lilienfeld, Abt des Stiftes, das Gut Klafterbrunn und baute es als Sommersitz der Herren von Lilienfeld aus. Seine heutige Form erhielt das Schloss im Empire. Später war es Sitz der Grafen von Walderdorff und der Prinzen von Fürstenberg. Bis es eben Wieland Schmid-Schmidsfelden kaufte.

Wichtig sind die Beziehungen zu den Mitmenschen

„Aber nicht pro meo. Die Güter dieser Welt sind uns nur für gewisse Zeit gegeben. Wir definieren uns nicht darüber, was wir haben, sondern über unsere Beziehungen zu den Menschen.“
Schmid-Schmidsfelden ist eine vielseitige Persönlichkeit. Er war wichtiger Hochschulfunktionär der JES und ist heute hochkarätiger Wirtschaftsanwalt, großer Jäger, ambitionierter Reiter, stellvertretender Kommendator der österreichischen Johanniter und „glühender Demokrat“.

„Der Adelstitel wäre ein mir unliebsames Privileg, das mich aus der Gesellschaft hinausstellen würde. Ziel des Adels darf nicht sein, sich zurückzuziehen und einander zu treffen, sondern wir müssen hinaus aus den Salons, hinaus zu den Menschen, um uns um die Armen und Kranken zu kümmern und ihnen Zeit zu schenken, das höchste Gut!“

Wobei, das will er ausdrücklich festgehalten wissen, er keineswegs glaube, dass diese Aufgabe nur Sache des Adels wäre.
Die Familie Schmid (von) Schmidsfelden geht auf einen, heute würden wir sagen: hochkarätigen Krankenhausmanager im schwäbischen Biberach zurück, der 1667, obwohl protestantisch, von Kaiser Leopold I. geadelt wurde. 1705 kam ein Teil der Familie nach Österreich und war hier ohne Unterbrechung bis heute unternehmerisch tätig.

So stand der Kupferhammer in Wöllersdorf im Familienbesitz, auch die Große Eisengießerei M. Schmid & Söhne, die in Göblasbruck bis in die Neunzigerjahre 700 Arbeitsplätze bot.
In die Region Wilhelmsburg waren die Schmids gekommen, weil sich die Gattin von Moriz Schmid 1871 bei einer Tour in die Gegend verliebt hatte.

Wieland Schmid-Schmidsfelden öffnet Schloss Klafterbrunn; schon kommendes Wochenende für einen ambitionierten Adventmarkt, bereits nächsten Sommer für ein sehr breit angelegtes Kulturprogramm, bald für einen hochkarätigen Seminarreigen.

Und vor allem für die Dialogplattform Traisen-, Gölsen-, Pielachtal. Die möchte auf breitester Basis jene Menschen einbeziehen, die bereit sind, besondere Verantwortung zu übernehmen.
„Eine der wesentlichen Ursachen der Finanzkrise ist im Vertrauensverlust zu suchen. Unsere Plattform soll helfen, zwischen Partnern eines Projektes Vertrauen zu schaffen, es zu stärken, indem man einander näher kennen lernt. Denn das ist die Voraussetzung des Vertrauens. Daher unser Motto: einander kennen – einander vertrauen!“

WIELAND SCHMID-SCHMIDSFELDEN …

… wurde am 1. Juli 1959 in St. Pölten geboren und wuchs in Göblasbruck (Wilhelmsburg) auf.

Nach der Matura (1977, St. Pölten) studierte er Jus in Wien (Doktorat 1984, Rechtsanwaltsprüfung 1987). Seit 1989 ist er Partner einer der besten Wiener Kanzleien für internationales Wirtschaftsrecht. Er ist seit 1981 mit Elisabeth Lennkh zu Burgheim und Gansheim verheiratet.

Die beiden haben vier Kinder – Anna Maria (geboren 1982), Stephanie (1985), Hubertus (1987), Benedikt (1991) – und zwei Enkelkinder.