Zwei Sprachen. Maurizio Bossi Fedrigotti auf Schloss Weinern bei Groß Siegharts: „Ich habe als Offizier dasTrentino bewacht.“

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. September 2014 (10:12)
NOEN, FOTO: ERICH MARSCHIK
»In Wien bin ich der Herr Fedrigotti und in Weinern der Herr Graf.« Maurizio Bossi Fedrigotti von Ochsenfeld vor Schloss Weinern, das der Familie seines Vaters seit dem Jahr 1966 gehört.
Lang leben die Vorurteile! Conte Bossi Fedrigotti aus dem netten Rovereto sieht gar nicht nach einem Südländer aus, schon gar nicht ist der allerleiseste Akzent zu hören.

Dabei ist der Mann, der hier im tiefsten Waldviertel residiert, ein waschechter Italiener und hat als Reserveoffizier der Alpini sogar Südtirol, das Trentino, vor den bösen Österreichern bewacht.
Maurizio Bossi Fedrigotti ist amüsiert. „Ich bin immer zweisprachig aufgewachsen. Meine Mutter war die Tochter von Graf Rudolf van der Straten-Ponthoz, der bis zum Anschluss 1938 Leiter der Spanischen Hofreitschule und vorher Adjutant des Thronfolgers war.“

Ein Mann mit Glück. „Er hat sich 1914 verlobt und deshalb wurde er von Franz Ferdinand nicht mit nach Sarajevo genommen. Genieß’ deine Verlobung und bleib’ daheim, hat er gesagt. Wer weiß, vielleicht wäre er sonst auch umgekommen.“

Zweisprachigkeit, wohin man in der Familie auch hört

Doch auch andere Aspekte der Familiengeschichte sind spannend, wenn auch zu kompliziert, um sie hier darzustellen. Die Familie Van der Straten-Ponthoz kam jedenfalls in den Besitz von Schloss Weinern, später auch der Burg Heidenreichstein. Maurizios Mutter Maria heiratete Federico Conte Bossi Fedrigotti, dessen Mutter selbst eine Österreicherin, eine geborene Gräfin Waldstein war. Zweisprachigkeit also, wohin man auch hört!

Die Familie Bossi Fedrigotti ist aus Südtirol gebürtig, wurde im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt und 1717 mit dem Beinamen von Ochsenfeld in den Grafenstand erhoben. Maurizios Vater jedenfalls betrieb bei Rovereto ein großes, exklusives Weingut mit vierzig Hektar, das die Söhne weiterführen. Als Maurizio Schloss Weinern mit dem 700 Hektar großen Gut bekam, verließ er die ursprüngliche Heimat. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich bin in Rovereto aufgewachsen, da war ich daheim. Und natürlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Trentino (also Südtirol, Anm.) und dem Waldviertel. Dafür bin ich hier mein eigener Herr.“

Deshalb pflegt und hegt er das große Schloss. Es wurde 1343 urkundlich erstmals genannt und erhielt im 17. und 18. Jh. seine heutige Gestalt, die im 19. Jahrhundert durch Zubauten bedeutend vergrößert wurde.
Touristische Ziele verfolgt die Familie angesichts des doch eher enden wollenden Fremdenverkehrs im Waldviertel eher nicht. Dafür genießt Maurizio als begeisterter Jäger seine Wälder.

Der Bankmanager war lange Jahre beruflich in Europa unterwegs gewesen, an die vielen Umzüge denkt man mit Schaudern. Heute lebt der Pensionist, der noch als Konsulent der Austrian Business Agency (ABA) tätig ist, fast ausschließlich in Weinern. Und manchmal auf einem Bauernhof in der Toskana. Seinen Grafentitel lässt er jedenfalls nicht „raushängen“. In Deutschland, meint er, sei er sicher nicht geschäftsschädigend gewesen.

„Aber in Italien war mir als Kind der Titel Conte nicht sehr recht, dafür wurde ich oft gehänselt. Heute ist mir nur wichtig, dass man mir den entsprechenden Respekt entgegenbringt, wie er jedem Menschen zusteht.“
Ist er stolz, adelig zu sein? „Ich habe nichts dazu beigetragen, aber ein Gefühl für Vergangenheit und Familie, dazu bestimmte Umgangsformen und Lebenseinstellungen mitbekommen.“

MAURIZIO BOSSI FEDRIGOTTI …

… wurde am 22. April 1946 im Südtiroler Rovereto geboren, wo er auch aufwuchs. Nach der Matura 1965 in Florenz und eines wegen der Studentenunruhen 1968 unmöglich gewordenen Studiums in Mailand absolvierte er eine Bankenlehre in München. Der Reserveoffizier der Alpini wurde Bankmanager und blieb Italiener, auch als er 1982 Schloss und Gut Weinern übernahm. Seit 1980 ist er mit  Verena von Reichert verheiratet; die beiden haben drei Kinder, Francesco (1981), Valentina (1986) und Isabella (1987).