„Trotz Corona gibt es einen Zuwachs an Spenden“. Der Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria rechnet im Corona-Jahr mit einem Spendenrekord von 750 Millionen Euro. Mit einer Spendenbeteiligung von fast 80 Prozent sind die Niederösterreicher, gemeinsam mit den Burgenländern, Spitzenreiter im Bundesländervergleich.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. November 2020 (13:18)
Symbolbild
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Viele NPOs waren durch die Corona-bedingten Ausfälle der Charity Events und Spendensammlungen kurzzeitig von Rückgängen betroffen. Dennoch verzeichneten die Organisationen eine noch nie dagewesene Solidarität. Von März bis September zeigte sich ein Zuwachs an Online-Spenden um 59 Prozent. Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verband Austria, prognostiziert einen Zuwachs an Spenden von über drei Prozent im Vergleich zu letztem Jahr. Er rechnet mit einem Spendenrekord von 750 Millionen Euro. Die Zahlen der ersten Hälfte dieses Jahres zeigen, dass die Beteiligung von 6,5 Millionen Menschen im Vergleich zum Vorjahr gleichbleibt. Insgesamt bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Spendenaufrufe rund um die Weihnachtszeit auswirken werden. Diese machen in der Regel 25 bis 30 Prozent des gesamten Aufkommens aus.  

Das Rekordjahr 2019 

Im Vorjahr gab es bereits ein Spendenplus von 40 Millionen Euro. Die Österreicher spendeten 2019 insgesamt 725 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke – so viel wie noch nie. Spitzenreiter unter den Bundesländern bei der Beteiligung am Spenden waren im Jahr 2019 Niederösterreich und das Burgenland mit 79 Prozent. Am großzügigsten waren aber neuerlich die Salzburger, Tiroler und Vorarlberger. Mit 146 Euro ist die durchschnittliche Spende hier besonders hoch und liegt klar über dem bundesweiten Schnitt von 124 Euro. Das Burgenland und Niederösterreich liegen mit 144 Euro ebenso deutlich über dem Durchschnitt, während Oberösterreich mit 119 Euro und Wien mit 110 Euro pro Spender darunterliegen. Den bundesweit letzten Platz nehmen die Steiermark und Kärnten ein – sowohl bei der Spendenhöhe (95 Euro) als auch bei der Beteiligung (65 Prozent). Trotz der hohen Spendenbeteiligung ist das Spendenaufkommen pro Person in Österreich (81, 84 Euro) deutlich geringer als in Deutschland (120, 45 Euro) und der Schweiz (200, 70 Euro).  

Die meisten Spenden sind für Tiere, Kinder und Katastrophenhilfe im Inland 

„Bei den Spendenzielen, die den Österreicherinnen und Österreichern am meisten am Herzen liegen, nehmen erstmals Tiere mit 33 Prozent Zustimmung den ersten Platz ein, gefolgt vom langjährigen Spitzenreiter Kinder und der Katastrophenhilfe im Inland.“, erklärt Bernhard Hofer, Geschäftsführer des Sozialforschungsinstituts Public Opinion. Auch beim Geschlechterverhältnis gibt es eine Veränderung: Frauen weisen erstmals eine höhere Durchschnittsspende als Männer auf. Außerdem verbesserte sich die Spendensicherheit. Zwei Drittel aller Spenden wurden 2019 durch das Österreichische Spendengütesiegel geprüft. Das entspricht einem Spendenvolumen von über 450 Mio. Euro.  

Steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für gemeinnützige Stiftungen

Österreich zählt derzeit 745 gemeinnützige Stiftungen. Im Vergleich zu der Schweiz und Deutschland wächst dieser Sektor erst langsam. Pro Jahr unterstützen sie das Gemeinwohl mit 70 Millionen Euro, unter anderem für die Bekämpfung von Covid-19. Ruth Williams, Generalsekretärin Verband für gemeinnütziges Stiften, stellt die Forderung an die Bundesregierung die Lücken in der Absetzbarkeit von Spenden für gemeinnützige Stiftungen zu schließen: „Dringend notwendig sind die unbegrenzte Fortführung der Spendenabsetzbarkeit für gemeinnützige Stiftungen und die Abschaffung offensichtlicher Ungleichheiten: Bis heute sind etwa Ausschüttungen von Stiftungen für Bildungsprojekte im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit steuerbefreit, nicht jedoch Zuwendungen an österreichische Schulen“. Die Absetzbarkeit der Spenden zeigt aber auch, dass Österreich kein Land der Großspender ist. Rund 85 Prozent aller abgesetzten Spenden liegen unter 200 Euro, nur 2 Prozent über 1.000 Euro.  

Am ersten Dezember ist #GivingTuesday. An diesem Tag feiert man das Geben. Günther Lutschinger betont, dass man besonders in der Konsumzeit einen gewissen Teil für gemeinnützige Zwecke spenden soll. Unternehmen, Spendenorganisationen und Privatpersonen engagieren sich an diesem Tag mit kreativen Spendenaktionen, ehrenamtlichen Mitarbeiteraktivitäten sowie Geld- und Sachspenden. Der Tag des Gebens steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen.   

www.givingtuesday.at