Jugendliche blicken positiv in die Zukunft. In Niederösterreich wurde von August bis September im Auftrag des Landes eine Jugendbefragung durchgeführt. ÖVP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister versteht die Ergebnisse daraus als Auftrag an ihr Ressort und die Jugendarbeit der Zukunft.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 23. September 2020 (15:07)
Jugend-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Jugendforscher Manfred Zentner präsentierten am Mittwoch in St. Pölten die Studienergebnisse
Copyright: NLK Pfeiffer

Die Corona-Pandemie hat eine gesamtgesellschaftliche Krise ausgelöst und hat auch vor Jugendlichen und jungen Erwachsenen keinen Halt gemacht. Das Land Niederösterreich hat daher eine Befragung in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie junge Menschen die Krise wahrnehmen, wie für sie der Lockdown im Frühjahr war und wie sie ihre Zukunftschancen einschätzen.  Die Ergebnisse der Online-Studie mit 499 Teilnehmern (Jugendliche sowie in der Jugendarbeit tätige Personen; insgesamt 397 Personen unter 30 Jahre) präsentierten Jugend-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP)  und Jugendforscher Manfred Zentner (Donauuniversität Krems) im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch. 

Zurück zum Computer

Der Fokus der Befragung lag auf den Themen „Freiwilliges Soziales Engagement“, „Europa“ sowie „Krisenzeit“ und „Zukunftschancen“. „Den Ergebnissen der ‚NÖ Jugendbefragung 2020‘ zufolge bewerten 40 Prozent der Jugendlichen die aktuelle Situation in Niederösterreich als chancenreich, 44 Prozent sehen sie als konstant und nur 16 Prozent empfinden sie als bedrohlich", erklärte Teschl-Hofmeister überblicksmäßig und fasste zusammen:  "Die Zukunft sehen über 90 Prozent, sowohl in privater als auch in beruflicher Hinsicht, als positiv bzw. als sehr positiv“.

Zentner erläuterte die Ergebnisse etwas genauer. Auffällig seien die Antworten auf jene Fragen, die sich direkt auf Veränderungen in Zusammenhang mit dem Lockdown bezogen haben. So hätten die Jugendlichen, die vielfach als Menschen wahrgenommen werden, die ständig vor dem Computer sitzen, durch den Lockdown den Computer erst wieder als Kommunikationsmittel entdeckt, da derselbe schon lange vom Handy abgelöst worden war. Andererseits haben vor allem Befragte bis 14 Jahre angegeben, wieder mehr spazieren zu gehen. Insgesamt gab die Mehrheit der Jugendlichen an, sich durch den Lockdown und die Corona-Maßnahmen nicht beeinträchtigt gefühlt zu haben - und daraus sogar für die Zukunft etwas gelernt zu haben. 

Mehr Sichtbarkeit für soziales Engagement

Fehlende soziale Kontakte waren für weibliche Studienteilnehmer eher eine Herausforderung als für männliche, dafür hat es unter den Umfrageteilnehmern mehr männliche Jugendliche gegeben, die sich sozial engagiert haben. Dazu resümierte Teschl-Hofmeister, dass es besonders erfreulich sei, dass insgesamt drei Viertel der Befragten ein Interesse an sozialem Engagement haben. Wobei hier wiederum mehr Sichtbarkeit und größere Anerkennung der Freiwilligentätigkeit gewünscht wird.  

Zentner ging darauf näher ein: „Interessant ist, dass sich der Großteil der Jugendlichen in Zukunft sozial engagieren möchte. Bei der Frage nach der Bekanntheit von Programmen für junge Menschen wurde aber deutlich, dass vor allem beim Bekanntheitsgrad des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) noch Luft nach oben ist.“ Nur jeder zehnte kenne das Programm, bei dem junge Menschen aus ganz Europa für rund zehn Monate im Rahmen von Solidaritätsprojekten arbeiten. „ERASMUS+ Jugend in Aktion“ dagegen erfreue sich großer Beliebtheit – die Hälfte der Befragten gab an, das Programm zu kennen. 95 Prozent würden sich zudem eine Verstärkung des Programmes wünschen.

Das passt auch zu dem Ergebnis, dass Niederösterreichs Jugendliche ein grundsätzlich positives Bild von Europa haben. Die Möglichkeit des Reisens, Studierens und Arbeiten im europäischen Ausland wird von der Mehrheit geschätzt, die damit verbundene Bürokratie  dagegen kritisiert. "Vor allem die Jugendgemeinderäte nehmen Europa als sehr bürokratisch wahr", erklärte Zentner eine weitere Erkenntnis der Studie. 

Basis für die Zukunft

Daher möchte Teschl-Hofmeister Gemeinden bei der Umsetzung von Projekten für Jugendliche mehr unter die Arme greifen.  Gelingen soll das durch das „Jugend:Gemeinde:Service“ als Ausbau des Jugendcoachings. So sollen in Zukunft maßgeschneiderte Projekte gleich vor Ort bestmöglich umgesetzt werden.

„Für die künftige Jugendarbeit in Niederösterreich sind die Ergebnisse der Jugendbefragung klare Aufträge. So wird etwa unsere Jugend:info NÖ die Ergebnisse in ihr umfangreiches Angebot auf allen Fachebenen mit einbeziehen und berücksichtigen. Dem Wunsch der jungen Menschen nach freiwilligem und sozialem Engagement werden wir auf vielen Ebenen entgegenkommen, vor allem aber durch die Verstärkung der europäischen Programme ‚ERASMUS+‘ und ‚ESK‘“, betonte die Jugend-Landesrätin abschließend.

Die Jugendbefragung soll auch nächstes Jahr in vergleichbarer Form stattfinden und künftig als fixes Instrument der Niederösterreichischen Jugendforschung und -arbeit eingesetzt werden.