Armut kann jeden plötzlich treffen. Volkshilfe will Chancengleichheit mit Grundsicherung erreichen. Familie Forthuber aus Ternitz ist Teil eines Pilotprojektes.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 13. August 2019 (02:15)
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Alleinerzieher Marko Forthuber, im Bild mit seinen Kindern David und Elisabeth, bekommt jetzt Unterstützung von der Volkshilfe.

Frühstück herrichten, Wäsche waschen, Boden aufwischen, bei den Hausaufgaben helfen und am Abend die kleinere Tochter zu Bett bringen. Immer für die Kinder da sein. Rund um die Uhr. Das ist der Tagesablauf von Marko Forthuber aus Ternitz.

Der 47-Jährige, Vater von fünf Kindern, drei davon noch minderjährig, ist seit rund drei Jahren Alleinerzieher. Und auf Jobsuche. „Ich habe als ÖBB-Gleisbauer gut verdient. Ich habe beim Einkaufen nicht wirklich nachdenken müssen, ob ein Produkt im Angebot ist oder nicht“, erinnert er sich. Auf einmal war alles ganz anders. Eine schwere Krankheit und Operation mit Folgen bis heute. Der kräfteraubende Job nicht mehr durchführbar. Einziger Halt und gleichzeitig größte Herausforderung: seine drei Söhne und zwei Töchter, die alle beim Papa leben.

Kein Job, weniger Geld, doch die Lebenserhaltungskosten sind dieselben. „Es war schon für mich eine Überwindung, plötzlich um eine SOMA-Markt-Karte ansuchen zu müssen“, erinnert er sich. Doch seit Kurzem ist es für Forthuber wieder ein wenig leichter, sich etwas leisten zu können. Dank der Volkshilfe. Er erhält im Rahmen deren bundesweiten 2018 gestarteten Modellprojekts „Kindergrundsicherung – Kinderarmut abschaffen“ als Alleinerzieher monatlich eine – momentan aus Spenden – finanzierte Förderung.

„Es war für mich schon eine Überwindung, plötzlich um eine SOMA-Markt-Karte ansuchen zu müssen.“ Marko Forthuber, Alleinerzieher auf Jobsuche

Diese richtet sich nach dem Einkommen der jeweiligen Familie. Bundesweit kommen derzeit 24 von Armut betroffene Kinder in den Genuss dieser finanziellen Unterstützung. „Viele Förderungen sind für einkommensschwache Familien nicht leicht zugänglich und werden daher oft gar nicht abgeholt“, sagt Volkshilfe-Präsident Erich Fenninger: „Unser Modell der Kindergrundsicherung würde alle aktuellen familienpolitischen Leistungen ersetzen und den Zugang so massiv vereinfachen.“

Immerhin ist jedes fünfte Kind in Österreich von Armut betroffen. „Und jedes ist eines zu viel“, betont Fenninger. Deshalb startete die Volkshilfe ihr Modellprojekt, in dem sich zeigt, wie bescheiden die Wünsche der Kinder sind: „Ich genieße auch kleine Dinge wie einen Cheeseburger“, erzählt der 14-jährige David, der fest zu seinem Papa hält. Die Familie hat regelmäßigen Besuch einer Sozialpädagogin der Volkshilfe, die hilft, den Alltag zu bewältigen.

Forthubers Kinder wissen, dass nicht man nicht alles haben kann – so wie manche Freunde oder Schulkollegen. Aber die Unterstützung der Volkshilfe hilft. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man ins Bad geht und den Kids wieder ein Eis kaufen kann – so wie früher“, sagt Forthuber. Einem Ausflug zum Rummelplatz auf den Petersberg, den David sehr gerne hat, steht somit nun nichts mehr im Wege.