Das Gerücht. Seit nunmehr 30 Jahren verfasst Otti Schwarz erfolgreich humorige Gschichtln, Gedichte und Anekdoten - vorwiegend in österreichischer Mundart. Seine besten Werke präsentiert er ab sofort auch Woche für Woche auf NÖN.at.

Von Otti Schwarz. Erstellt am 23. Januar 2021 (07:00)
Otti Schwarz sorgt auch im Neuen Jahr für Lacher...
Fotostudio Helmreich, 1010 Wien

DAS GERÜCHT

Der Wanetschek, a netter Herr,
Wohnt auf der Stiege vier.
Waunnst einekummst, unt in Paterr,
Glei links, die zweite Tür!

Waumma die Wohnung untn hod,
Daunn is der Vorteil kloar:
Kein lästigs Frogn, des is kommod,
Und s´Trotschn is ka Gfoahr!

Nun gibt’s, wissma, in jedn Bau
Die Tratsch-Mamsell von Dienst:
Waunn die dich trifft, daunn wird ois flau.
Die quatscht! Do glaubst, du spinnst!

Die selbige hod einen Frust
Vom Wanetschek in Bluat:
Seit der do wohnt, hätt sie gern gwußt,
Wos der oarbeitn tuat!

Und wos er is und wos er kaunn,
Is er vielleicht ein.. Jud?
Hod er leicht goar an…Kind wos taun?
Is er ein…Tunichgut?

An jedn Tog, do passts eam oh,
Steht mit ihrn Hund bein Eck:
Der Wanetschek, der griaßts grod no,
Steigt ein in Wogn. Is weg.

Die Trotsch-Marie rennt scho in Kras
Und zittert, gaunz nervös:
'Der is do fraunk auf mi nix haß!
Und auf mein Mödungs-Stress!'

Doch eines Togs, do muaß eam frogn!
Und oarbeit mit an Trick:
Sie setzt eam haarscharf vur sein Wogn
Ihrn Hund hin. Und hod Glick:

Der Wanetschek, der frogt galant:
Is des Ihr Hund do vurn?
Do denk i immer an mei Tant:
Die hod ihrn so verlurn!

Verzeihn“ heuchlt die Trotsch-Mamsell
Geh her do, sei sche lieb!
Herr Wanetschek, i miaßert schnell
Bis neun in öftn Hieb!

Des tuat mir leid, und net gering,
Es is mei Richtung nicht:
Wos mochert i in Simmering?
Ich muß doch aufs Gericht!

Auf Gricht miassn´S? Jo, des is wos!
 Wos mochertn´S denn durt?
Nau, amoi dies und amoi dos!
Steigt ein, start aun, is furt.

Die News-Marie steht do und keicht:
Ein unhöflicher Ferdl!
Ob heit hods der mit mir net leicht!
Den zag ich’s noch, dem Kerl!

Zufällig kummt grod um die Eckn
Die Hex, die Viskotschü.
Glei tans die Schädln zaummansteckn:
Schaun aus, wia zwa Reptü!

Die Viskotschü zufällig siecht
Die Frau Inschtallatör
Der Wanetschek muaß aufs Gericht!
Des wundert mich doch sehr!

Die Klempnerin natürlich trifft,
Weu sowos wird geplant,
Zufällig und partout im Lift
Den oidn Trafikant:

Homm´S g´hört? Der Wanetschek, der muß
Frühmorgens vor Gericht!
I gschpier des in mein kraunkn Fuaß:
Mit den, do schtimmt wos nicht!

Der Trafikant, nau kloar, nicht zaudert,
Geht in die Greißlerei
„Den Wanetschek,“ so wird glei plaudert
I fürcht, den schperrns morgn ei!

Der Greißler schiabt die Neuigkeit
In Tankwart in der Nocht:
Den Wanetschek, schon höchste Zeit,
Wird der Prozeß gemocht!

Wer bei der Tankschtö oft einkehrt,
Hört hier mit großer Lust:
In Wanetschek homs eingeschperrt!
Nau, hod doch jeder gwußt!

Ob Bürgermaster, Foarbmtandler
Ob Blumengschäft, Vertreter,
Ob Jäger oder Würschtlschtandler:
In Wanetschek kennt jeder!

Und nachmittogs, im Supermoarkt,
Derwischns d´Trotsch-Mamsell:
Sie hod sich nur was ...„ausgeborgt
Der Detektiv woar schnell.

Die Polizei is a glei do,
Nimmts mit und schperrts gleich ein.
Verhandlung gibts nochmittogs scho
Sie kummt in Grichts-Saal rein:

Do hautsas doch fost um vur Schreck:
Weu hintern Pult, oh Graus!
Durt sitzt in schwarz der Wanetschek,
Und schaut nicht freindlech aus!

Der Sochverhoit is rasch geklärt.
Der Richter denkt kurz noch,
Obwoi die Trotsch-Mamsell nur plärrt,
Wird er, bei Gott, nicht schwoch:

Frau Nochbarin!“ ruaft er jetzt streng
Sie tuan in d´Gschäftn fladern?
San´S vursichtig, sunst kriangs die Läng!
Tuan´S jo net mit mir hadern!

D´Leit, wos nix tuan in gaunzn Tog
Und Bledsinn nur verzöhn,
Die werdn fia d´aundern schnö zur Plog!
Tuan nur die Zeit an schtön!

Zweihundert Euro Gödschtrof! Schluß!
Jetzt gengan´S schnö, Madam!
´Der Richter is auf freiem Fuß!´
DES soin´S derzöhn daham!