Elina Garanča: Star unter Sternen. Kammersängerin Elina Garanča über Corona, Nachwuchsförderung und ihre „Klassik unter Sternen“ im Juli.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 23. April 2021 (05:26)
Opernstar Elina Garanča will heuer wieder im Stift Göttweig singen – und zwar am 7. Juli.
Katharina Schiffl

Hohe, bemalte Decken und große Fenster. Dunkle, schwere Holzmöbel. Edel, aber nicht überladen. Elegant, aber nicht aufdringlich. Opernstar Elīna Garanča passt in dieses Zimmer im Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse.

Die 44-jährige Sängerin, die mit aufrechter ruhiger Haltung in einem der schweren Sessel sitzt, blickt auf eine beachtliche internationale Karriere zurück. Ursprünglich aus Lettland, lebt sie heute in Spanien. Ihr Zuhause sind die Opernbühnen dieser Welt, in New York, Paris und Hamburg. 140 Auftritte in 18 Rollen sang sie allein in der Wiener Staatsoper. Das trug ihr 2013 auch den Titel einer “Kammersängerin“ ein. Seit einigen Jahren ist auch das niederösterreichisches Stift Göttweig ein fixer Bestandteil ihrer Auftritte.

2019 hat sie die Initiative „ZukunftsStimme“ mitgegründet, eine Initiative, die Nachwuchskünstler und -künstlerinnen fördert.

"Man muss ein Ziel vor Augen haben und das Tempo planen"

„Ich kann viel erzählen“, lächelt sie. Und das tut sie, ohne um die Dinge herumzureden. Mit dieser Herangehensweise hat sie es auch in der Musikwelt weit gebracht. Wenn sie auf ihre Anfänge zurückblickt, empfiehlt sie jungen Künstlerinnen und Künstlern vor allem Disziplin, Geduld – und eine eigene Strategie aufzubauen. „Du kannst nicht darauf vertrauen, dass der Agent, Intendant oder Dirigent dir den Weg zeichnet. Er kann dir nur die Richtungen geben, den Weg musst du selber bauen.“ Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Jüngere wollen wahnsinnig schnell wahnsinnig viel. Man muss ein Ziel vor Augen haben und das Tempo planen.“

Einfach hat sie es sich auf ihrem Weg nicht gemacht, schon gar nicht bei ihren Rollen: „Die komplizierten Charaktere haben mich immer viel mehr interessiert als die komischen oder die virtuosen.“ Auch wenn sie schon viel erreicht hat, ihre absolute Traumrolle, die Aida, hat sie noch nicht gesungen. Eine komplizierte Figur verkörpert sie aber derzeit zum ersten Mal in der Wiener Staatsoper, die Kundry in Wagners „Parsifal“. „Das ist für mich fast ein stimmlicher Ausbildungsabschluss. Nach Wagner gibt es wenig, was da noch kommt.“ Für sie ist Kundry eine Zerrissene, die ein Ende finden will.

Ein Ende ihrer Karriere sieht Garanča aber noch lange nicht. Auch wenn die Pandemie sie gebremst hat. Die Zeit mit ihrem Mann, dem Dirigenten Karel Mark Chichon, und ihren Kindern hat sie zwar sehr genossen, doch sie braucht die Bühne: „Ohne Publikum aufzutreten ist so, wie ein Buch ohne Vokale zu lesen. Man ahnt, was da steht, aber so richtig versteht man es nicht.“

Konzerte über den Gartenzaun

Im Lockdown gab es einige spontane Vorführung für Nachbarn und Freunde über den Gartenzaun. Bei der Erinnerung schmunzelt sie. Überglücklich war sie, als sie bei den Salzburger Festspielen wieder auf einer richtigen Bühne stehen durfte. „Das war fast wie zum ersten Mal auf der Bühne zu stehen.“

Besonders schwer haben es aber die, die noch keinen Namen haben, sagt die Sängerin. Am 7. Juli tritt Elīna Garanča bei „Klassik unter Sternen“ im Stift Göttweig auf. Das Rampenlicht teilt sie sich mit dem heurigen „ZukunftsStimme“-Gewinner, dem 23-jährigen Philipp Schöllhorn aus Wien.