Im Labyrinth der Spionierer. 39 Fälle von den Römern bis zu den Whistle-Blowern löst die erste, große Spionage-Schau im Museum NÖ.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 10. September 2019 (01:06)
Theo Kust
Schwarze Wände, enge Gänge und jede Menge, genauer: 39 Fälle: Richtig spannend ist die vergangenen Donnerstag eröffnete Spionage-Schau im St. Pöltner Haus der Geschichte. Fall 1 beginnt in Carnuntum – bei den Römern.

Mister Bond? Den gibt’s natürlich auch. Ohne Martini. Dafür mit einem Stoß täuschend echter Holzscheite, direkt vom Set des vorläufig letzten Bond-Films.

Theo Kust
Oberst Redls Taschenuhr aus 1873.

Nur: Der berühmteste Spion der (Film-)Geschichte ist nur einer von 39 Fällen, den Österreichs erste, große Spionage-Schau knacken will. Und die anderen 38, die sich da seit vergangener Woche im ersten Stock von St. Pöltens Haus der Geschichte drängen, sind mindestens ebenso spannend.

Theo Kust
Eine Knopflochkamera aus 1889

„Spionage!“ hat Christian Rapp seine zweite, große Sonderschau 2019 betitelt. Und dafür eineinhalb Jahre Geheimnisse, Geschichten und vor allem Objekte gesammelt. „39 Fälle“ und „39 Exponate“ – für „eine klassische Objektausstellung“.

Michaela Fleck
Eine Enigma-Chiffriermaschine nach 1935.

Das ist sie auch geworden, mit gläsernen Vitrinen und weißen Wandtexten. Rundherum dagegen verläuft man sich fast zwischen den verwinkelten Gängen, den schwarz gestrichenen Wänden, braun gemusterten Tapeten, dem Gitter über den Köpfen und den Spionen hinter den Ecken, die Architekt Checo Sterneck und die Kuratoren Andrea Thuile & Benedikt Vogl auf gerade einmal 220 Quadratmetern untergebracht haben.

Der erste der 39 Fälle beginnt gleich mit „dem größten Objekt“, einer Grabstele aus Carnuntum, die einer der Getreidehändler, die die Römer in ihrer ersten geheimdienstlichen Spezialeinheit einsetzten, aufstellen ließ. Der letzte der 39 Fälle endet gut 1.800 Jahre später mit einem der kleinsten Objekte, einem unter die Haut einsetzbaren Microchip.

Dazwischen treffen sich Heilige (wie der Koloman aus Melk) und Ritter (wie die Wildensteiner aus Seeben-stein), wird abgehört und dechiffriert, wird bespitzelt (sogar von Fürst Metternich persönlich) und fotografiert, verleumdet und verhaftet, aufgeklärt und Bauch getanzt (von der legendären Mata Hari), versteckt (etwa in toten Briefkästen in Biedermannsdorf) und beschattet.

Und gelauscht und getarnt und geschmuggelt und gefoltert wird auch noch. Die 39 zugehörigen Objekte stammen aus NÖs Landessammlungen, aber auch aus Privatsammlungen, aus London und Moskau und aus dem Stasi-Archiv in Berlin. Hingehen, ausspionieren!

Michaela Fleck
Ein Maskierungskoffer der ostdeutschen Stasi aus 1980.