Im Wald der rohen Riesen in Gugging. Groß wie nie und wild wie immer sind die „Big Formats“, mit denen man in Gugging (auch) Geburtstag feiert.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 17. September 2019 (02:40)
Privatstiftung Künstler aus Gugging
Fast sechs Meter lang und über zwei Meter hoch: die „Menschen und Fahrrad“ (Ausschnitt), die Arnold Schmidt 2010 mit Wachskreiden, Kohle, Aquarellfarben und Acryl gemalt hat. Zu sehen bis 8. November in der Galerie Gugging.

Die Kleinen sind öfter da. Im Museum. In der Galerie auch. Und vor fünf Jahren sogar als eigener Ausstellungsschwerpunkt. „Small Formats!“ hieß der. Und zeigte auch das, womit die Gugginger Künstler einst begonnen haben: Postkarten.

Aber: Die Art brut, also: die „rohe Kunst“, kann längst ganz groß. An Häuserwänden – wie dem Gugginger Haus der Künstler, eine Wiese hinter dem Gugginger Museums- und Galerie-Haus. An Prachtstraßen – wie der New Yorker Fifth Avenue, wo vor zwei Jahren erst ein Werk von Johann Garber hoch über einem Museumseingang winkte. Oder: auf der Leinwand.

Gut 6,5 Meter lang ist etwa der „Wald“, den Johann Korec 2006 in Grün und Braun und Rot und mit einem Pärchen zwischen den Bäumen und einem Elefanten auf der Lichtung gemalt hat. Genau 183 Zentimeter groß ist der „vollwärtige Mann“, den Johann Fischer schon 1982 mit Hut und Stock, mit Bart und Zigarette und mit Kohle auf Papier gezeichnet hat.

„Das ist eine große Sache für uns!“ Galerie-Gugging-Geschäftsführerin Nina Katschnig über ihre neue Ausstellung – und ihren neuen Partner

„Es geht“, sagt Nina Katschnig, Geschäftsführerin der Galerie Gugging – die seit vergangenem Mittwoch den Korec, den Fischer, aber auch noch sechs andere „Big Formats“ aus der Gugginger und der internationalen Art Brut zeigt – „es geht nicht nur um die Größe.“ Aber die Großen, die seien viel seltener zu sehen. Und die seien auch viel schwieriger zu zeigen.

Acht von den Größten hat Nina Katschnig für ihre Herbstschau ausgesucht. Den „Himel“ von Oswald Tschirtner und den „Planet Merkurius“ von August Walla, aber auch den nachtschwarzen „Tyrannosaurus Rex“ des Schweizer Art-brut-Künstlers François Burland oder das märchenhafte Spinnennetz von Alfred Neumayr, das der Gugginger Künstler extra für die „große“ Schau gemalt hat. Daneben sind noch „kleinere“ Formate derselben Künstler zu sehen.

"Wir wollen’s einfach und klar haben"

Denn: „So wenig Werke haben wir noch nie ausgestellt“, lacht die Leiterin der Galerie. Und hat sich zu den großen Formaten gleich einen neuen Kooperationspartner ins Haus geholt. Der heißt Helvetia. Gehört zu den kunstaffinen unter den weltweiten Versicherern. Und ist künftig für Transport und Sicherheit der Gugginger Kunstwerke zuständig.

Schließlich haben die allein in der Galerie einen Gesamtwert von rund zwei Millionen Euro. Und: „Es werden immer mehr!“ Für Georg Krenkel, Geschäftsführer der Helvetia Transportversicherung in Österreich und nach einem Betriebsausflug nach Gugging vor vielen Jahren selbst „ein kleiner Sammler“, passt das gut. Für Nina Katschnig auch. „Wir wollen’s einfach und klar haben. So sind die Künstler, die ja unsere Chefs sind, auch!“ Einfach und klar ist auch der Plan fürs Geburtstagsjahr, das die 1994 gegründete Galerie am Gugginger Hügel heuer feiert. Am 20. November wird (offiziell) gefeiert, und zwar gleich mit der nächsten Schau, die 25 Werke aus 25 Jahren zeigt.

Und bis dahin ist vielleicht auch der sonnigste Geburtstagswunsch wahr geworden. „Wir wollen“, sagt Nina Katschnig, „die Galerie auch auf dem Gebäude sichtbar machen.“ Und zwar mit Heinrich Reisenbauers Sonnen, auf der Fassade im Hof…

www.galeriegugging.com