Allegro Vivo: Beethoven, Batik & noch mehr Leidenschaft. Wie NÖs ältestes Kammermusikfest trotz Krise das Waldviertel in die Welt bringen will – ab 7. August.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. August 2020 (08:19)
„Nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Herzen wichtig“: die Kultur. Hier beim traditionellen Eröffnungskonzert von Allegro Vivo in der Stiftsbibliothek Altenburg. Die wird heuer nur 180 Zuhörer fassen – und trotzdem „molto appassionato“ klingen.
Dieter Schewig

„Jetzt braucht es noch mehr Leidenschaft!“ Ist er überzeugt. Und hat das „noch mehr“ auch gleich dem heurigen Sommer vorangestellt. Und seinem Festival erst recht.

Dabei war Vahid Khadem-Missagh mit dem Programm von Allegro Vivo schon „fix fertig“. Mit den Konzertplänen, den Gästelisten und den Kursangeboten auch. Dann, am Tag der Programmpräsentation, kam der Shutdown. Und dann kam das „noch mehr“, also: „molto“. Das steht jetzt noch vor dem „appassionato“, das schon über dem „ersten“ Festivalprogramm für 2020 stand. Denn: Gerade jetzt brauche es noch mehr Leidenschaft – für die Musik und für die Gesellschaft.

„Wir sind wie ein Kompass, der in die richtige Richtung zeigt!“Vahid Khadem-Missagh über die Künstler in Zeiten der Krise

„Die Welt“, meint Vahid Khadem-Missagh, Geiger, Sohn und Nachfolger von Allegro-Vivo-Gründer Bijan Khadem-Missagh, „die Welt hat sich auf den Kopf gestellt“.

Spielt zur Eröffnung Beethoven und Batik: Geiger und Festivalleiter Vahid Khadem-Missagh.
NOEN

Und doch spiele die Kultur in Krisenzeiten eine tragende Rolle. Also findet Allegro Vivo 2020 statt. Mit weniger Spielorten, mit weniger Konzerten, mit weniger internationalen Gästen, mit weniger Publikum und mit einem etwas abgeänderten Programm.

„Wir haben uns bewusst für die großen Spielorte entschieden“, erklärt Vahid Khadem-Missagh. Altenburg mit seinem Stift, Horn mit seinem Kunsthaus, Göttweig mit seiner Stiftskirche, Weitra mit seinem Schlosshof. Dafür seien auch neue Orte hinzugekommen, die Herz-Jesu-Kirche in Gmünd etwa, wo heuer – statt im Palmenhaus – der Auftakt zum Eröffnungswochenende am 7. August gefeiert wird.

Publikum interessiert: „Bei uns laufen die Telefone heiß“

Von den „normalerweise um die 70“ Konzerten spielt man heuer „um die 25“, das sei aber „immer noch stattlich“. Statt großer Orchester gibt es große Kammermusik, so wurde etwa aus dem traditionellen Galakonzert im Hof des Horner Kunsthauses ein Kammerkonzert. Und statt auf den Straßen der Horner Altstadt musiziert man im Kunsthaus-Hof.

Auch bei der Sommerakademie mit ihren internationalen Kursen beschränkt man sich heuer auf Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Gibt nur Einzelunterricht. Und hat die rund 250 Studierenden auf vier Wochen aufgeteilt. Von den hochkarätigen Gästen, von denen die meisten nicht nur Konzerte spielen, sondern auch Kurse halten, kommen die meisten heuer „aus der Nähe von Österreich“.

Pianistin Elisabeth Leonskaja etwa, die sich „sofort bereit erklärt hat“, zu konzertieren und zu unterrichten. Oder Pianist und Komponist Roland Batik, der heuer ein eigenes Divertimento für Violine, Klavier und Streicher als Auftragswerk fürs Festival geschrieben hat. Und dieses gemeinsam mit Festivalleiter und Geiger Vahid Khadem-Missagh auch selbst am Eröffnungswochenende uraufführen wird.

Und das Publikum? „Bei uns laufen die Telefone heiß“, freut sich der Festivalleiter. „Die Leute möchten kommen. Und sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.“ Schließlich wolle man gerade in diesem Jahr den Menschen „Hoffnung geben“. Und, so das Ziel von Allegro Vivo, „das Waldviertel in die Welt bringen“.

www.allegro-vivo.at