Nöstlinger-Verfilmung: Knallharte Realität aus Kindersicht. Mirjam Unger verfilmt gerade Nöstlingers Werk „Maikäfer, flieg!“. Gedreht wurde auch in Baden und Klosterneuburg, u. a. mit Ursula Strauss.

Von Gerti Süss. Erstellt am 17. August 2015 (11:15)
Drehten bei heißen Temperaturen in Baden und Klosterneuburg: Gerald Votava, Zita Gaier, Paula Brunner und Ursula Strauss (von links).
NOEN, Foto: Mirjam Unger
„Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg ...“, lautet die Strophe eines bekannten Kinderliedes, das auch titelgebend für einen Roman von Christine Nöstlinger war. In „Maikäfer, flieg“! schildert die Autorin ihre Erlebnisse als neunjähriges Mädchen im Zweiten Weltkrieg.

Umgang mit Kriegsflüchtlingen: "Da wird einem schon mulmig“

Die in Kritzendorf lebende Regisseurin Mirjam Unger sah darin schon vor Jahren Potenzial für einen Kinofilm –  und konnte nun ausreichend Fördermittel sowie bekannte Schauspieler wie Ursula Strauss für das Projekt gewinnen. Bis vor kurzem fanden die Dreharbeiten in Wien, Baden sowie in den Stiftstallungen in Klosterneuburg statt. Für Ursula Strauss ist die Verfilmung wichtiger als je zuvor, denn: „Wenn man sieht, wie man in diesem Land mit Kriegsflüchtlingen umgeht, wird einem schon mulmig.“

Die Handlung selbst wurde kaum verändert: Im Mittelpunkt steht die neunjährige Christine Nöstlinger (gespielt von Zita Baier), die nach Bombenanschlägen mit ihrer Familie an den Wiener Stadtrand fliehen muss. Der Vater (Gerald Votava) muss sich als Deserteur und Ex-Wehrmachtssoldat sowohl vor den Deutschen als auch vor den Russen im Keller verstecken.

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NOEN, Foto: Lukas Beck


„Aber er hatte viel Glück im Unglück“, sagt Votava über seine Rolle. Die Mutter (Ursula Strauss) versucht alles, um die Familie am Leben zu halten, und gerät dabei immer wieder in Konflikt mit der neunjährigen Tochter. „Christine Nöstlinger war schon als Kind sehr mutig“, schwärmt Strauss. Persönlich kennt sie die Autorin, ebenso wie Gerald Votava, seit einer Theaterrolle in Nöstlingers „Iba de gaunz oamen Leit“.

"Nöstlinger war schon als Kind sehr mutig“

Nöstlinger selbst hatte das Drehbuch mehrmals gelesen und sich mit den Darstellern getroffen, wie Produzentin Gabriele Kranzlbinder erzählt: „Natürlich wurde die Handlung verdichtet. Was aber stets bleibt, ist der unvoreingenommene Blick der neunjährigen Christine.“

Das Land NÖ förderte die Verfilmung mit 100.000 Euro. Ins Kino soll „Maikäfer, flieg!“ im Herbst 2016 kommen – wenn Christine Nöstlinger ihren 80. Geburtstag feiert.