800 Bauern demonstrierten für faire Preise. Mit 200 Traktoren tuckerten Landwirte durch St. Pölten, um auf Dumping-Preis-Aktionen im Lebensmittelhandel aufmerksam zu machen. Der Bauernbund fordert einen Österreich-Bonus für heimische Lebensmittel und klare Herkunftskennzeichnung bei Produkten.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 26. Februar 2020 (14:23)

 „Unsere Einkommen stagnieren seit Jahren. Wir wollen für unsere wertvollen Produkte, auch die Preise, die sie wert sind“, meint Angelika Buchinger, Gebietsbäuerin aus dem Tullnerfeld. Neben ihr steht, ebenfalls mit einem Protest-Schild in der Hand, Thomas Rosenbaum aus Rohrbach an der Gölsen (Bezirk Lilienfeld): „Ich bin Landwirt und schaue immer auf die Qualität. Ich habe vier Kinder, eines davon soll einmal den Betrieb übernehmen und dann auch noch davon leben können.“

Traktor-Konvoi in St. Pölten

Die beiden Landwirte sind zwei der rund 800 die heute vor der St. Pöltner Spar-Zentrale für faire Preise im Lebensmittelhandel demonstrierten. Mit 200 an dem Gebäude vorbei tuckernden Traktoren blockierten sie die Zufahrt. Mit Transparenten machten sie auf die Qualität ihrer Produkte und die dafür gewünschte Entlohnung aufmerksam. Angeführt wurde die Protest-Aktion von Bauernbund-Präsident Georg Strasser und Bauernbund-Direktor Paul Nemecek, die auch eine Resolution an den Lebensmittelhandel übergaben.

Grund für die Aktion war laut dem Bauernbund ein fehlendes Entgegenkommen bei den bisherigen Gesprächen etwa mit den heimischen Molkereien, was die Anhebung der Einstandspreise für konventionell erzeugte Produkte angehe. Übergeben wurde eine Forderungsliste – über das Aus für Dumping-Preis-Aktionen, die Einführung eines Österreich-Bonus für heimische Lebensmittel und Herkunftskennzeichnungen für Primärzutaten von Lebensmitteln.

 „Wir fordern einen sofortigen Stopp der chronischen Aktionitis bei hochwertigsten Lebensmitteln“, meinte Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Das zerstöre nachhaltige Landwirtschaft und stehle den Hofübernehmern die Perspektiven, so Strasser.

Lebensmittel sollen nicht zwingend teurer werden

Um eine Verteuerung von Lebensmitteln gehe es dem Bauernbund nicht primär, hieß es bei der Kundgebung in St. Pölten. Sondern darum, dass der Handel die Margen weitergebe. „Seit Jahren ist es ein unsäglicher Kampf zwischen Groß und Klein. Rund 38.000 bäuerliche Betriebe in Niederösterreich stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während die Handelsketten riesige Gewinnspannen einstreichen. Das finden auch die Konsumenten nicht in Ordnung“, ist Bauernbund-Direktor Paul Nemecek überzeugt.

Spar: "Bekenntnis des Handels gegenüber den heimischen Bauern"

Laut Spar sei der eigentliche Anlass für die große Sorge der Landwirte der drohende Wegfall von EU-Förderungen. „Daher fordern die Bauern von den Molkereien und indirekt von den Handelsketten derzeit massive Preiserhöhungen. Darüber verhandelt Spar derzeit mit den Molkereien. Wissen muss man aber, dass Preiserhöhungen alleine die Lage der Bauern nicht wesentlich verbessern werden, da es hier um ein großes strukturelles Problem innerhalb der Landwirtschaft geht, das eigentlich die Politik lösen sollte“, heißt es aus dem Unternehmen. Die Verhandlungen laufen. „Als Handelsunternehmen ist es die Aufgabe, sowohl für die Molkereien als auch für die Konsumenten einen angemessenen Preis zu verhandeln“, wird in einer Aussendung klargestellt.

Gleichzeitig betont man im Unternehmen, dass Spar schon jetzt für viele Produkte freiwillige Zuschläge zahle – darunter etwa Heumilch, Wiesenmilch oder Bio-Bergbauernmilch. Außerdem sei Spar seit Jahrzehnten Partner der Landwirtschaft. So führe das Unternehmen etwa ausschließlich heimisches Frischfleisch mit AMA-Gütesiegel, zu 100 Prozent heimische Eier und zu 100 Prozent heimische Milch. Bei Butter kommen fast 90 Prozent aus dem Inland, bei Obst und Gemüse kommt alles in die Regale, was es in Österreich saisonal verfügbar gibt. „Ein derartig starkes Bekenntnis des Handels gegenüber den heimischen Bauern gibt es übrigens in ganz Europa nirgends in dieser Form“, heißt es zu den Protesten.