Bildungsreform: Hammerschmid will aufs Tempo drücken. Ganztagsschule und Autonomiepaket sind die Herzstücke der Reform. Bis Ende Jänner soll ein Gesetzesentwurf stehen.

Von Walter Fahrnberger. Update am 09. Januar 2017 (15:26)
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Symbolbild

„Wir haben uns für dieses Jahr viel vorgenommen in der Bildungspolitik“, sagte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Was bringt das Bildungsjahr 2017“ am Montag  in St. Pölten. „Beim Herzstück der Bildungsreform, dem Autonomiepaket, sind wir gerade mitten in den Verhandlungen – noch dieses Jahr sollen die ersten Schulen von den pädagogischen Freiräumen profitieren. Wir wollen jetzt Tempo machen.“

Das Paket sei laut der Ministerin ein „Möglichkeitspaket“. Damit wolle sie die Schulen in die Lage versetzen, anders, vor allem qualitätsvoller,  zu unterrichten. Bis Ende Jänner soll nun ein Gesetzesentwurf stehen, der in Begutachtung gehen kann. Immerhin handle es sich dabei um 32 Gesetze und 400 Verordnungen.

„50 Minuten“-Schulstunde ist nicht in Stein gemeißelt

Konkret könnten die Schulen dann in Abstimmung von Direktoren, Lehrer, Eltern und Schüler selbst bestimmen, was am Standort passiert. Der Schulbeginn in der Früh steht dabei ebenso zur Diskussion wie die Länge einer Unterrichtstunde (aktuell 50 Minuten).

Käfer
SPÖ-NÖ-Chef Matthias Stadler und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid mit Michael Kögl, der die Otto-Glöckel-Schule in St. Pölten absolvierte – gemeinsam mit der ASO Nord die erste verschränkte Ganztagsschule in Niederösterreich, die 1983 mit einem Schulversuch startete. Er berichtete über seine Erfahrungen……
 

„Wir wollen die Schule neu definieren“, so Hammerschmid. Auch die Lehrer müssen mitsammen arbeiten und den Unterricht gestalten.  So soll zum Beispiel das Thema „Klimawandel“ in den Unterrichtsfächern Geographie, Mathematik, Chemie und Biologie behandelt werden. „Wenn das dann noch auf Englisch passiert, bin ich glücklich“, betont Hammerschmid.

Lehrer absetzen? „Wenn es gar nicht geht, muss man darüber reden“

Die Direktoren, die in Führung und Personalmanagement entsprechend geschult werden,  sollen sich in Zukunft auch ihre Lehrer selbst  aussuchen können. Auf die Frage,  ob Lehrer von den Direktoren auch abgesetzt werden könnten, antwortet Hammerschmid zurückhaltend: „Die Schulcluster bieten die Möglichkeit, sich zu verändern. Aber wenn es gar nicht geht, muss man darüber reden.“

Ganztagesschulen bis 2025 auf 40 Prozent verdoppeln

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau der Ganztagsschule: Das Paket wurde noch im vergangenen Jahr beschlossen, jetzt geht es darum, alle Bildungspartner gut zu informieren und vorzubereiten“, so die Ministerin.

Ab dem kommenden Schuljahr werden – zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen (15a-Verträge)  – 750 Mio. Euro in den Ausbau von ganztägigen Schulformen investiert. Bis 2025 soll so das ganztägige Angebot von derzeit 20 Prozent auf 40 Prozent verdoppelt werden. Jeder Schüler soll bis 2025 im Umkreis von 20 km zum Wohnort einen Platz in einer Ganztagsschule finden.

Stadler: „Ganztagsschule als notwendiges Angebot für Eltern und Kinder“

Auch SPÖ-NÖ-Chef Matthias Stadler betonte, dass sich Ganztagsschulen international bewährt haben: „Die Vorteile sind bessere Bildungschancen, deutliche Reduktion der teuren Nachhilfe sowie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem bleibt mehr Zeit für ein Familienleben, Zeit für Spielen und Spaß, weil das Lernen bereits in der Schule stattgefunden hat“, sagt Stadler, dem es wichtig ist, klar zu machen, dass die ganztägige Schulform nicht verpflichtend für alle gilt, aber ein notwendiges Angebot für viele Eltern und Kindern sein soll.

Es sei notwendig, neue Wege zu gehen, erklärt Stadler: „Dazu gehört der flächendeckende Ausbau der Ganztagsschulen ebenso wie unser Modell des Bildungscampus, der ebenfalls auf eine optimale Förderung und Unterstützung der Kinder abzielt.“ In vielen NÖ Gemeinden ist die Schaffung eines Bildungscampus oft nicht möglich. Hier plädiert die SPÖ NÖ für die institutionsübergreifende oder auch gemeindeübergreifende Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Bildung: Dabei will die Ministerin den Schülern das Wissen mitgeben, wie sie mit digitalen Werkzeugen und Inhalten umgehen.