Direktoren-Ärger über Zentralmatura. Schulleiter und Schüler über in die Höhe gesetzte Kriterien bei Fremdsprachen-Matura verärgert. Ministerin reagiert.

Von Sara Telek und Josef Kleinrath. Erstellt am 12. Mai 2014 (09:50)
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Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek will Vorgänge überprüfen.

Maturareif ist sie offenbar noch nicht, die Zentralmatura. Denn völlig überraschend wurde für die Fremdsprachen-Zentralmatura, die in der Vorwoche stattgefunden hat, der „Schwellenwert“ mit 63 anstatt mit 60 Prozent wie geplant festgelegt. Das bedeutet, dass die Schüler für eine positive Bewertung jetzt um drei Prozent mehr Leistung erbringen müssen als zuvor. Und: In einem Schreiben des für die Zentralmatura zuständigen Instituts „bifie“ heißt es darüber hinaus, dass „insbesondere bei knappen Ergebnissen und bei der Entscheidung zwischen Genügend und Nicht genügend“ auch auf „die fachliche Expertise sowie die pädagogische Verantwortung des Prüfers“ zurückgegriffen werden soll. Was eigentlich bedeutet: Von einer Standardisierung ist offenbar keine Rede mehr.

"Vorgangsweise widerspricht dem Schulgesetz"

Das sehen auch Direktoren so. Werner Schwarz, Direktor eines Gymnasiums in Wiener Neustadt, der bei der Regierungsbildung als Experte in Sachen Bildung am Verhandlungstisch gesessen ist, kritisiert: „Die Vorgangsweise widerspricht dem Schulgesetz, Kriterien für die Prüfung müssen vorher festgelegt sein und dürfen danach nicht geändert werden.“ Für ihn liegt ein grober Vertrauensbruch vor, der auch durch Erklärungsversuche des „bifie“ und des Ministeriums nicht zu beheben sei. Wenn es das „bifie“ nicht schaffe, ein passendes Niveau für ganz Österreich anzulegen, könne es keine standardisierte Matura umsetzen.

Heinisch-Hosek hat "die Nase voll"

Mittlerweile hat auch SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek erkannt, dass Handlungsbedarf in Sachen Zentralmatura herrscht. Sie habe die Nase voll und wolle mit einer internen Untersuchung klären, was falsch gelaufen sei. Dann werde sie über die Zukunft des „bifie“ entscheiden.