Fachhochschule: Lernen, forschen, entwickeln. Die praxisnahe, akademische Ausbildung in NÖ wird weiter ausgebaut.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 20. Februar 2018 (01:52)
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Ein Nanosatellit, der aktuell in der Thermosphäre 200 bis 500 Kilometer über der Erde das Weltall erforscht. Eine Studie, die den Einfluss von Musiktherapie auf Wachkoma-Patienten untersucht. Eine Software, die Büroplanung mittels Virtual Reality ermöglicht.

In den Fachhochschulen in Krems, St. Pölten und Wr. Neustadt wird Theorie zur Praxis: Die Studierenden − aktuell rund 9.500 von österreichweit rund 50.000 − lernen nicht nur, sie forschen und entwickeln. Und das seit 1994, als in Wr. Neustadt die erste FH Österreichs eröffnet wurde. Praxisorientiert und innovativ haben die FHs seither den Weg zu einer modernen Hochschulausbildung beschritten. „NÖ hat sich zum Hot-Spot für Wissenschaft und Forschung entwickelt. Gerade an den Fachhochschulen merken wir die stetige Entwicklung, denn heute gibt es rund 2.500 Absolventen pro Jahr in NÖ. Im Jahr 2000 waren es 200“, sagt Ulrike Pommer, Vizepräsidentin der Österreichischen Fachhochschulkonferenz und Geschäftsführerin der IMC FH Krems.

150 zusätzlichen Studienplätze

383.517 Personen studierten, laut Statistik Austria, im Wintersemester 2016/17 in Österreich, wobei der Anteil der FH-Studierenden künftig zulegen soll: „Laut dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung von aktuell 13 Prozent mittelfristig auf 30 Prozent und langfristig auf 60 Prozent“, informieren Gabriela Fernandes und Gernot Kohl, Geschäftsführer der FH St. Pölten.

Dafür wird das Studienangebot kontinuierlich ausgebaut: ab Herbst mit unter anderem 150 zusätzlichen Studienplätzen in Niederösterreich – beispielsweise für die neuen Studiengänge Robotik in Wr. Neustadt oder Applied Data Science in Krems und St. Pölten. „Curricula sind weiterzuentwickeln, neue Studieninhalte aufzugreifen sowie Lernformen an eine zunehmend durch Digitalisierung und durch Nachhaltigkeit geprägte Lebens- und Arbeitswelt anzupassen“, erklärt Josef Wiesler, Geschäftsführer der FH Wr. Neustadt.

Handlungsbedarf bei Forschungsfinanzierung

Einen klaren Trend verzeichnen die Fachhochschulen bei berufsbegleitendem Studieren. 40 Prozent der Studierenden, die ein Studium neben ihrem Beruf absolvieren, sind es zum Beispiel in Wr. Neustadt. „Für viele, die bereits im Berufsleben stehen, bietet es eine ideale Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Auch wenn man nicht mehr zu den jungen 20-Jährigen zählt“, sagt Eva Werner, Rektorin der IMC FH Krems. Die FH St. Pölten reagierte auf diese Entwicklung 2015 mit der Gründung von „Smart Engineering“, dem ersten dualen Studiengang im Osten Österreichs. Studium und Beruf werden dabei noch enger verzahnt als in herkömmlichen berufsbegleitenden Studiengängen.

Als wesentlichste Herausforderung für die Zukunft wird unisono die Sicherung der finanziellen Mittel gesehen: „Zusätzlich zur Studienplatzfinanzierung benötigen die Fachhochschulen eine nachhaltige Forschungsfinanzierung“, betonen Fernandes und Kohl. Es stelle eine „ernst zu nehmende Herausforderung für die Fachhochschulen in Österreich und in weiterer Folge für die Innovationen von morgen dar“, so Wiesler. Außerdem seien „Autonomie in der Gestaltung und damit weniger Bürokratie und einhergehende Regularien“ gefordert, fügt Werner hinzu.

Grundsätzlich entwickeln sich die FHs nicht nur in Form ihres Studienangebotes weiter: So wird in Wr. Neustadt die FH- und Stadtbibliothek zusammengelegt und somit österreichweit die erste öffentlich-wissenschaftliche Bibliothek eröffnet. In St. Pölten starten im Sommer die Bauarbeiten für den Ausbau des „Campus der Zukunft“.