So wird Schule im Herbst. Politik geht von „normalem“ Unterricht aus. Ampeln sollen auch in Bildungsstätten Risiko zeigen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. August 2020 (05:10)
Der oberste Lehrer-Gewerkschafter fordert eine Maskenpflicht in den Klassenzimmern. In NÖ ist die nicht angedacht. 
Shutterstock.com/Haldpoint

Lehrer wollen wissen, ob sie Online- oder Präsenzunterricht vorbereiten müssen, und Eltern verlangen Klarheit, ob ihre Kinder im Herbst wieder täglich in die Schule gehen werden. Obwohl gerade einmal die Hälfte der Ferien um ist, dreht sich schon wieder vieles um die Schule. Einen Fahrplan für den Herbst braucht es jetzt, fordern Schüler, Eltern und Pädagogen.

In Niederösterreich wird daran gearbeitet. Zusätzlich zu den angekündigten Richtlinien will man im Land einen Fahrplan für den Unterricht und den Fall eines Corona-Falles festlegen. Präsentiert werden soll der Leitfaden spätestens Ende August. Erste Hinweise, in welche Richtung es geht, gibt es aber bereits.

Stefan Szirucsek (Landes-elternverband): „Betreuung der Kinder musssichergestellt sein.“
NOEN

Gut schaut es für den Wunsch aus, den zu Schulschluss Lehrer, Eltern und Schüler äußerten. Trotz wieder gestiegener Infektionszahlen sollen alle Schüler ab Herbst wieder in den Klassen sitzen: „Wir gehen ganz stark von normalem Schulbetrieb ab September aus“, sagt ein Sprecher von Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Dieses Ziel verfolgt auch das Ministerium: „Schulschließungen wollen wir vermeiden.“ Landeselternverbandes-Vorsitzender Stefan Szirucsek betont, dass in jedem Fall sichergestellt sein müsse, dass sich Mütter und Väter auf die Betreuung ihrer Kinder verlassen können.

Vorbereitung auf digitalen Unterricht

Von normalem Schulbetrieb wird aber auch dann noch keine Rede sein können. „Wir werden trotzdem auch die neuen Schüler auf möglichen digitalen Unterricht vorbereiten müssen“, blickt Direktoren-Vertreterin Isabella Zins voraus. Auch Hygieneregeln braucht es weiter. Dabei wird es an den Schulen in NÖ laut dem Sprecher der Landesrätin in Richtung eines Ampelsystems gehen, das Gesundheitsminister Rudolf Anschober generell forcieren will. Die Ampel hat das Ziel, auf den ersten Blick zu vermitteln, wie hoch das Corona-Risiko im jeweiligen Gebiet ist. In Schulen könnten etwa am Eingang rote oder grüne Schilder hängen, schlägt Direktoren-Vertreterin Zins vor: „Wenn es rot ist, bedeutet das zum Beispiel, dass am Gang Maskenpflicht herrscht.“

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister: „Ein Plan für den Herbst ist in Arbeit.“
NOEN

Bestandteil des Plans sollen auch konkrete Richtlinien sein, was getan werden muss, sollte es in der Schule Covid-19-Fälle oder den Verdacht geben. Forderungen kommen dazu auch politisch: Die NEOS pochen etwa auf eine Teststrategie mit flächendeckenden Pool-Testungen. Zudem wollen sie die Schulärzte stärker eingebunden wissen. „Sie können in die Klassen gehen, über Hygienemaßnahmen informieren und bei der Abwicklung der Corona-Tests in den Schulen helfen“, sagt die pinke Gesundheitssprecherin Edith Kollermann. Wie die Test-Strategie in Schulen konkret aussehen wird, ist noch nicht klar. Aus dem Ministerium heißt es nur, dass „umfassend getestet“ werden soll.

Masken im Unterricht sind nicht angedacht

Dass alle Schüler ab September mit Mund-Nasen-Schutz in den Klassenzimmern sitzen werden, ist unwahrscheinlich. Maskenpflicht, wie sie von Lehrergewerkschafter Paul Kimberger gefordert wird, ist in NÖ momentan nicht angedacht. Richtig erachtet das Direktoren-Vertreterin Zins: „Im Unterricht dauerhaft Schutzmaske zu tragen, geht nicht.“ Für Lehrer werde es aber andere Schutzmaßnahmen wie Visiere benötigen, betont sie. Anders sieht das Thema Maskenpflicht der frisch gewählte BHS-Landesschülervertreter Justin Stockerer: „Wir sind auf jeden Fall für eine Maskenpflicht – immer dann und dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann“, betont er.