Corona-Zeit: Anfragen rund um Internet-Fallen gestiegen. Niederösterreicher meldeten seit März verstärkt Kriminalität im Netz. Das Land verlängerte nun seine Kooperation mit der "Watchlist Internet". Dadurch soll es gelingen, Menschen vor den Cyber-Fallen zu schützen, meint Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 04. Juni 2020 (12:06)
Kooperation verlängert: Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl und Thorsten Behrens unterzeichneten den Vertrag für die Zusammenarbeit des Landes mit der Watchlist Internet.
Herbert Käfer

Das Internet ist seit der Coronakrise wichtiger denn je - für die Arbeit, aber auch zur Unterhaltung. Durch die vermehrte Zeit, die die Niederösterreicher im Netz verbrachten, stieg auch die Cyber-Kriminalität. Das bemerkten auch die Mitarbeiter der Watchlist Internet, mit der das Land Niederösterreich gerade seine Kooperation verlängerte. 

Insgesamt gab es bei der Konsumentenschutzabteilung laut Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl in der Coronakrise 20 Prozent mehr Anfragen zur Cyber-Kriminalität. 

Geschäft witterten etwa die Betreiber von Fake Shops. Angeboten wurden dort beispielsweise Schutzmasken, die, nachdem sie vom Besteller bezahlt wurden, in mangelhafter Qualität, viel zu spät oder nie versendet wurden.

"In der Corona-Zeit hatten wir die doppelte Anzahl an Beschwerden in diesem Bereich", erklärt Thorsten Behrens, Projektleiter der Watchlist Internet am Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT). Um Fake Shops entlarven zu können, sei es ratsam, darauf zu achten, ob sie ein Gütesiegel haben, oder bei der Festnetznummer anzurufen und zu schauen, ob darunter tatsächlich jemand erreichbar ist.

Abo-Fallen beim Filmschauen im Internet

Gleichzeitig hatten die Menschen während des Shutdowns mehr Zeit, zuhause Filme zu schauen. Doch auch auf Seiten, die gratis oder billiges Streaming anbieten, lauern Fallen, wie Behrens weiß. Und hineingetappt sind zahlreiche Niederösterreicher: "So viele Abo-Fallen wie noch nie", sagt der Watchlist-Projektleiter. Passiert das, bekommen die User Zahlungsaufforderungen, später Mahnungen, Pfändungs-Androhungen. "Man muss nichts bezahlen, aber man muss es aushalten", meint er.

Aber auch das Home Office öffne Betrügern Tür und Tor, betonte Behrens. Rechnungen, die normalerweise persönlich übergeben werden, werden nun häufig per E-Mail verschickt. Dadurch mehrten sich auch Fake-Nachrichten über offene Rechnungen und Zahlungsaufforderungen.

Fast 10.600 Meldungen über Betrugsfallen im vergangenen Jahr

Die Aufgabe der Watchlist Internet ist es nun, Menschen davor zu schützen, Betrügern im Netz auf den Leim zu gehen. "Wir schauen uns an, was öfter vorkommt, und untersuchen, ob es neue Maschen gibt", erklärt Behrens. 10.598 Meldungen über Betrugsfallen hat das Team der Watchlist Internet im vergangenen Jahr erhalten und bearbeitet.

Mit den 192 veröffentlichten Warnmeldungen und 2.816 neu aufgelisteten Fake-Shops wurden fast 1,66 Millionen Website-Besucher erreicht, die 2,89 Millionen Infos geklickt haben. Der wöchentliche Newsletter erreicht bereits 5.130 Abonnenten und über 10.000 Nutzerlassen sich durch die Smartphone-App vor Betrugsfallen warnen. 

Wer in eine Falle getappt ist, oder auf eine hinweisen will, kann sich an die Abteilung für Konsumentenschutz, das Büro des Landeshauptfrau-Stellvertreters Schnabl oder direkt an die Watchlist Internet wenden.