Für Niederösterreicher heißt der Präsident Joe Biden. Am dritten November wählen die Amerikaner ihren Präsidenten. Emigrierte Niederösterreicher berichten von der Stimmung in den USA und äußern ihre Meinung zu den beiden Kandidaten Donald Trump und Joe Biden.

Von Fabiola Noll. Erstellt am 30. Oktober 2020 (18:01)
Donald Trump und Joe Biden
AFP

Die Präsidentschaftswahlen in den USA stehen vor der Tür und die ganze Welt wartet gespannt auf das Ergebnis. Wer wird das Land die nächsten vier Jahre regieren? Darüber kann man derzeit nur spekulieren.

Seit 2016 sehen die meisten Menschen Umfragen zur Wahl eher skeptisch. Hillary Clinton wurde damals der Sieg vorausgesagt und trotzdem heißt der Präsident der USA seit vier Jahren Donald Trump. Wird er in der nächsten Periode auch so heißen? Oder schafft es der Herausforderer Joe Biden seinen Platz zu übernehmen? Emigrierte Niederösterreicher schildern uns ihre Sicht auf die Situation in den USA:  

„Es fühlt sich so an als würden Republikaner und Demokraten immer weiter auseinanderdriften“ bedauert Daniel Mörtl. Der St. Pöltner lebt seit sieben Jahren in den USA. Unter Trumps Präsidentschaft spüre er deutlich mehr Rassismus, Sexismus und Homophobie. Auch Josef Haas berichtet von einer tiefen Spaltung des Landes. Man sozialisiere sich bevorzugt mit politisch Gleichgesinnten und vermeide politische Diskussionen mit Bekannten und Verwandten von denen man weiß, dass sie das andere politische Lager unterstützen. Einige der befragten Niederösterreicher klagen auch über die ständige Berichterstattung über Donald Trump. Sie hätten es satt dauernd von den neuesten „verbalen Ausrutschern“ des Präsidenten zu lesen. Haas behauptet die USA wäre unter Trump global zur Lachnummer geworden. Der Niederösterreicher Florian Krisch wünscht sich in Zukunft eine Normalisierung des Politikstils. Das Land solle nicht weiter über Twitter regiert werden.  

Biden ist klarer Gewinner 

Joe Biden ist unter den emigrierten Niederösterreichern der klare Gewinner der US-Wahl. Der 77-jährige ehemalige Vizepräsident entfacht bei den Befragten zwar keine Begeisterung, er wäre jedoch die bessere Alternative. Laut des Ballerina Models, Viktoria Hofstädter, ist Biden nicht die perfekte Wahl, Trumps Fehlverhalten dürfte man jedoch nicht länger tolerieren. Auch wenn die meisten Befragten noch etwas skeptisch sind, prognostizieren sie vorsichtig, dass Joe Biden der 46. Präsidenten der USA wird. „Die Demokraten scheinen eine halbwegs geeinigte ,Front‘ gegen Trump gebildet zu haben – es gilt das Credo ihn um alles in der Welt zu verhindern“, erklärt Krisch.  

Einer der größten Aufgaben des neuen Präsidenten wäre die USA ideologisch wieder zusammenzurücken. Auch Daniel Mörtl erhofft sich durch die Wahl Joe Bidens ein verbessertes soziales Klima zwischen Amerikanern im täglichen Zusammenleben.  

Kritik am Gesundheits- und Bildungssystem

Besonders im Gesundheits- und Bildungssystem sehen die befragten Niederösterreicher deutlichen Nachholbedarf in den USA. Als Österreicher fielen einem sofort die katastrophalen Bedingungen für die weniger wohlhabende Bevölkerung auf. Die Corona-Pandemie hätte die enormen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich nochmals verdeutlicht. Auch im amerikanischen Wahlsystem erhofft man sich Reformen. Der Neurologe und klinischer Forscher, Dietrich Haubenberger wünscht sich außerdem eine aktive Klimapolitik, Einschränkungen in der Waffen-Lobby und die Rückkehr zur Forschung- und Innovations-Weltspitze. 

Ohne einen klaren Favoriten zu nennen, fordert der niederösterreichische Landesrat Eichtinger vom zukünftigen Präsidenten ein Bekenntnis zum internationalen Kampf gegen den Klimawandel, die Beachtung der Regeln des Völkerrechts und der internationalen multilateralen Abkommen sowie um ein faires internationales Handelssystem. Die USA seien ein wichtiger Handelspartner für Österreich und Niederösterreich.