"Hätten geplanten Vorhaben nicht zugestimmt“. ÖVP-Bildungslandesrätin Barbara Schwarz zur Schul-Position von Niederösterreich.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 22. April 2014 (23:59)
NOEN, J.Burchhart

NÖN: Was sagen Sie zur Rücknahme der Spar-Verordnungen durch Ministerin Heinisch-Hosek?
Schwarz: Ich bin sehr erleichtert über die späte Einsicht der Frau Ministerin. Die zahlreichen kritischen Stimmen der letzten Tage haben gezeigt, dass der vorgeschlagene Weg des Bundesministeriums, direkt bei der Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler zu sparen, keineswegs gangbar ist. Einsparungen direkt im Unterricht und bei den Kindern und Jugendlichen ist definitiv der falsche Weg in ein modernes Unterrichtssystem. Es hat mich schon erstaunt, dass die Frau Ministerin ohne jegliche Einbindung der Bildungsverantwortlichen der Länder und der Schulverwaltung im Alleingang tief greifende Veränderungen und Sparpläne im Bildungsbereich umsetzen wollte. Niederösterreich hätte den geplanten Vorhaben von Frau Heinisch-Hosek in keinem Fall zugestimmt.

Wird sich auch im Pflichtschulbereich, wo das Land zuständig ist, an der Höchst-Klassenzahl von 25 Schülern etwas ändern?
Im Gegensatz zum Bundesschulbereich haben wir in Niederösterreich die Klassenschülerhöchstzahl von 25 verpflichtend vorgeschrieben und sehen dies als zentrales und wichtiges Qualitätsmerkmal unseres Schulsystems an. Daran werden wir selbstverständlich auch künftig festhalten. Ich werde alles daran setzen, dass die guten Lernbedingungen in den Klassenräumen unserer Schulen auch weiterhin aufrecht erhalten bleiben.

Müssen Ortschaften nun um ihre Kleinschulen fürchten?
Niederösterreich hat sich schon immer zu seiner ländlichen und kleinstrukturierten Gesellschaft bekannt, sowohl im Gemeinde-, im Pflege- als auch im Schulbereich. Die Schule vor Ort ist das Zentrum und die Zukunft des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Und ich wiederhole auch an dieser Stelle gerne mein Credo: die Volksschule im Ort und die Neue Mittelschule in der Region.

Was erwarten Sie sich vom Gipfel mit der Frau Ministerin?
Oberstes Ziel muss es jetzt sein, konstruktive Gespräche zu führen und nachhaltige Strategien zu entwickeln, um nicht die Zukunft unserer Kinder mit panischen Sparmaßnahmen zu verbauen. Gerade in so einem entscheidenden Bereich wie in der Bildung hätte man von Beginn an gemeinsam mit allen Verantwortlichen und Betroffenen den Dialog suchen und nachhaltige Lösungsansätze erarbeiten sollen. Denn ich erachte die Meinungsvielfalt in allen politischen Fragen als wichtiges Kriterium.

Muss jetzt die Verwaltungsfrage endlich gelöst werden?
Moderne Politik heißt für mich, auch moderne Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Zu diesen hat sich Niederösterreich schon immer bekannt. Landeshauptmann Pröll hat schon vor mehreren Jahren einen richtungsweisenden Vorschlag gemacht und die Übernahme der Schulverwaltung in die Kompetenz der Länder gefordert. Die Länder und Gemeinden wissen weitaus besser Bescheid, was unsere Schülerinnen und Schüler vor Ort in ihren Schulen benötigen. Durch die Dezentralisierung könnten auch Doppelgleisigkeiten in der Bürokratie vermieden und wertvolle Einsparungen geschaffen werden. Dazu sage ich aber klar: Bildungsinhalte müssen zentral von Seiten des Bundes vorgegeben werden, die Schulverwaltung soll vor Ort durch die Länder geschehen.