Studierende bringen 122 Millionen. 24 Jahre nach dem Start der ersten FH: Akademische Ausbildung beschert 11.500 Jobs, Start-ups und Großinvestitionen.

Von Daniel Lohninger und Carina Rambauske. Erstellt am 06. November 2018 (03:03)
Alexander Raths/Shutterstock,com
Symbolbild

Wer vor 1994 studieren wollte, musste Niederösterreich verlassen – vorausgesetzt man studierte nicht an den Philosophisch-Theologischen Hochschulen in St. Pölten oder Heiligenkreuz. Dann eröffnete die FH Wiener Neustadt als erste Fachhochschule Österreichs mit 169 Studierenden.

Fast 22.000 Studierende in NÖ

Heute, fast ein Vierteljahrhundert später, besuchen insgesamt 21.650 Studierende die 14 Fachhochschulen, Hochschulen und Privatuniversitäten Niederösterreichs. Das Hochschulwesen ist zum Wirtschaftsfaktor geworden.

Und das gleich in vielerlei Hinsicht:

2.300 neue Arbeitsplätze

In universitärer Lehre, Forschung und Verwaltung sind in Niederösterreich heute über 2.300 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu kommen Arbeitsplätze, die im Umfeld der Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten beispielsweise durch Start-ups entstanden sind. Der weitere Ausbau der Standorte sowie die 2019 geplante Gründung der Bertha-von-Suttner-Privatuniversität für Psychotherapie und Humanwissenschaften in St. Pölten werden in den nächsten Jahren Hunderte weitere Arbeitsplätze bringen.

183 Millionen Euro pro Jahr an zusätzlicher Wertschöpfung

Wer in Niederösterreich studiert, gibt auch in Niederösterreich Geld aus. Sehr viel, wie die Zahlen des Landes zeigen: Fast 122 Millionen Euro lassen die Studierenden pro Jahr in den Universitätsstädten St. Pölten, Wiener Neustadt, Krems, Klosterneuburg, Tulln und Wieselburg – also etwa 5.600 Euro pro Kopf und Jahr.

Zusätzliche 61 Millionen Euro bringen FHs & Co. an indirekter Wertschöpfung, beispielsweise durch den laufenden wissenschaftlichen Betrieb. In Summe sichern und schaffen die universitären Einrichtungen damit etwa 11.500 Arbeitsplätze in Niederösterreich.

Wissenschaftsbudget stieg von 2,9 auf 100 Millionen Euro

Lange Zeit waren Wissenschaft und Forschung im Landesbudget nicht einmal eine Randnotiz. 1996 gab das Land NÖ dafür beispielsweise 2,9 Millionen Euro aus. Heute sind es etwa 100 Millionen Euro – und das jedes Jahr. „Wir haben in Niederösterreich in den vergangenen zwanzig Jahren ein starkes Wissenschaftsnetzwerk aufgebaut und den Hochschulstandort zukunftsfit gemacht. Niederösterreich bildet heute einen optimalen Nährboden für Wissenschaftstreibende und ihre Innovationen“, erklärt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Der Weg soll in den nächsten Jahren weiter forciert werden: So werden die Landesmittel für die Fachhochschulen von vier Millionen Euro im Jahr 2015 auf 9,5 Millionen Euro im Jahr 2020 mehr als verdoppelt.

Große Ausbau-Projekte für die Zukunft

Der Sog des Hochschul-Standortes Niederösterreich bringt laufende Investitionen. 69 Millionen Euro fließen in Krems in den Ausbau von Donau-Universität, IMC FH Krems und Karl Landsteiner-Universität sowie die Erweiterung der Forschung an den Universitätskliniken St. Pölten, Krems und Tulln. Die FH St. Pölten wird um 47 Millionen Euro ausgebaut. 370 Millionen Euro steckt das Land Niederösterreich bis 2026 in den Ausbau des Institute of Science and Technology in Klosterneuburg, wo dann 1.000 Mitarbeiter beschäftigt sein sollen.

Ab 1. Jänner 2019 hat Niederösterreich zudem die erste „echte“ Universität: Die Donau-Universität Krems wird als 22. Universität Österreichs ins Universitätsgesetz und damit in das Universitäten-Finanzierungssystem aufgenommen. „Eine Form der Systembereinigung“, erklärt Bildungsminister Heinz Faßmann. Ein Schritt, den die Österreichische Universitätenkonferenz (uniko) jedoch mit Skepsis betrachtet: Sie befürchtet, dass die Aufwertung der Donau-Universität zu finanziellen Lasten anderer Universitäten gehen wird.

Wissenschaft schafft Jobs in der Wirtschaft

Eine Software, die Büroplanung mittels Virtual Reality ermöglicht. Ein Nanosatellit, der das Weltall erforscht. Eine Art Wetterstation, die mittels intelligenter Sensoren Daten aus dem Weingarten analysiert. Eine Dissertation, die neue Behandlungsmethoden gegen Krebs ermöglicht.

„Niederösterreich bildet heute einen optimalen Nährboden für Wissenschafts-treibende und ihre Innovationen.“ Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner 

An Niederösterreichs Hochschulen wird nicht nur gelehrt. Es wird geforscht. Es wird entwickelt. Nicht selten entstehen daraus Unternehmen. Ein Beispiel ist das Wiener Neustädter
Start-up Enpulsion, das Antriebssysteme für Satelliten produziert und einen weltweit einzigartigen modularen Ansatz für elektrische Satellitentriebwerke verfolgt.

Die Technologie basiert auf mehr als 15 Jahren Forschungsarbeit in der FOTEC, dem Forschungsunternehmen der FH Wr. Neustadt. Um die Antriebssysteme international zu vertreiben, gründete Alexander Reissner vor zwei Jahren das Unternehmen. Von den mittlerweile 20 Mitarbeitern sind viele Absolventen der benachbarten Fachhochschule.