Matura: Von der Idee bis in den Safe. Bevor Matura-Aufgaben in den Klassen landen, vergehen zwei bis drei Jahre – Sicherheits-Checks inklusive.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 30. April 2019 (05:59)
Archivbild: APA/Robert Jäger
Welche Prüfungsbeispiele auf dem Tisch der Maturanten landen, weiß nur eine Handvoll von Personen pro Fach. Auch nicht Harald Hrdlicka, Direktor der HTL Mödling und damit jener Schule mit den meisten Maturanten, wenn er alljährlich die Kartons mit den Prüfungen entgegennimmt.

Unten ein verschlossener Raum, in dem künftige Maturaaufgaben liegen. Oben, zwischen Büros und Besprechungszimmern, eine Magnetwand, auf der lustige von Schülern fabrizierte Memes gepinnt sind: Ein Luchs, der einen Hasen durch den Schnee verfolgt – untermalt mit dem Spruch „Des is a bissl wie i und des bifie“. „Da kommen immer sehr kreative Sachen in der Maturazeit“, schmunzelt Peter Simon, zuständig für die Koordination und Qualitätssicherung der Matura, als er inmitten der Räumlichkeiten steht, wo sie jedes Jahr ihren Ursprung hat: die Zentralmatura.

In einer Woche, ab 6. Mai, rauchen wieder die Köpfe von 45.200 Maturanten. Was sie auf den Tischen liegen haben werden, ist bereits zwei bis drei Jahre alt, denn so lange dauert es, bis Aufgaben für die Zentralmatura – rund 2.000 sind es jährlich – entstehen: 200 Lehrer bilden den Grundstein. Sie treffen sich, erarbeiten über eine elektronische Plattform die Aufgaben, diskutieren, verwerfen und schicken sie schlussendlich zur internen Qualitätssicherung. Hier wird wieder nachjustiert bis sie (eineinhalb Jahre sind mittlerweile vergangen) in der Feldtestung in Schulen landen.

Unpassende Aufgaben werden überarbeitet oder komplett gestrichen

Wieder vergeht ein halbes Jahr, bis die Arbeiten korrigiert und die Daten ausgewertet werden. Passt eine Aufgabe nicht, wird sie überarbeitet oder komplett gestrichen. Erneut gehen die Aufgaben durch die Hände von Experten. Erst wenn auch diese Hürde überwunden wurde, werden Aufgaben für maturareif erklärt und im Februar in den Druck geschickt.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann noch an kleinen Rädchen gedreht werden, wie es nach den Mathematik-Ergebnissen im Vorjahr (ein Fünftel war negativ) erforderlich war. Bildungsminister Heinz Faßmann reagierte, indem er den früheren Wiener Stadtschulrat Kurt Scholz mit einer „Zuhör-Tour“ durch die Bundesländer beauftragte.

Druckauftrag unter strengen Auflagen

Rund 600 Schüler, Eltern und Lehrer formulierten in 15 Workshops ihre Kritikpunkte und legten 1.800 Verbesserungsvorschläge vor. Herausgekommen ist ein Maßnahmenpaket, das bereits heuer greifen wird.

Eine Maßnahme war etwa die sprachsensible Begutachtung durch Experten, die die MatheAngaben analysierten, um sie in eine sprachlich einfachere Form zu bringen. Verwirrendes für Schüler – verschachtelte Sätze oder die Verwendung von Synonymen – wurden beseitigt. „Die Prüfungen sollen damit inhaltlich nicht leichter werden, aber verständlicher“, so Simon.

Mit verständlicheren Textangaben und einem adaptierten Benotungsschema gab es schließlich auch für Mathematik das Okay und mit dem Druck konnte begonnen werden. Drei Monate darf die Druckerei ausschließlich die acht Millionen Seiten mit Maturaaufgaben drucken – unter strengen Auflagen inklusive Verschwiegenheitserklärung, Leumundszeugnis und dem Nachweis, dass kein Kind eines Mitarbeiters in einer Abschlussklasse sitzt.

In Kuverts und Kartons verpackt, werden die Aufgaben in Lastwägen in die Schulen gebracht. Dort liegen sie bis zum Tag der Matura in Safes. Außer, die Direktoren erhalten bis dahin ein spezielles SMS: „Bitte die Matura nicht mit den ausgelieferten Ausgaben beginnen! Checken Sie Ihr E-Mail“. Dann ist etwas schief gelaufen. So wie vor drei Jahren in einer Salzburger Schule, als Einbrecher den Safe knackten und die Kuverts mit den Latein-Aufgaben öffneten. Daraufhin mussten alle österreichweit ausgetauscht werden – ein gnadenloses Ende für einen fast dreijährigen Prozess.