Deutschklassen: Nun Kontroverse um Hearing. Im Eilzugstempo werden auch in Niederösterreich ab dem neuen Schuljahr die von der Bundesregierung angekündigten eigenen Deutsch-Intensiv-Klassen für Schüler mit Sprachdefiziten eingeführt.

Erstellt am 30. April 2018 (14:50)
APA
Bildungsminister Heinz Faßmann.

Im Eilzugstempo werden auch in Niederösterreich ab dem neuen Schuljahr die von der Bundesregierung angekündigten eigenen Deutsch-Intensiv-Klassen für Schüler mit Sprachdefiziten eingeführt. Für 8. Mai ist im Nationalrat eine Anhörung im Parlament geplant. Die Oppositionsparteien SPÖ, Neos und Liste Pilz wettern, dass dieses Hearing nicht öffentlich erfolgt.

In Niederösterreichs Schulen ist das Problem mit Mädchen und Burschen, die nicht ausreichend Deutsch können, zwar nicht so groß wie in Wien. Aber auch Niederösterreich muss sich darauf einstellen, dass ab dem kommenden September im Schuljahr 2018/19 eigene Deutschklassen für Schüler mit Sprachdefiziten einzurichten sind. Das Land Niederösterreich hat allerdings schon seit Februar verstärkt Lehrer für Schüler mit Deutschproblemen im Einsatz.

Die flächendeckende Einrichtung von Deutschklassen in ganz Österreich lässt aber weiter die Wogen hochgehen. Bis Ende Mai muss bei den gesetzlichen Voraussetzungen, für die Bildungsminister Heinz Faßmann verantwortlich ist, alles auf Schiene sein. Denn die Schuldirektoren und Schulen müssen praktisch noch vor dem Sommer sicherstellen, dass ab dem neuen Schuljahr im September Deutschklassen, wo dies notwendig ist, geschaffen werden.

Anhörung von Experten ist für 8. Mai vorgesehen

Im Parlament wird es zu den eigenen Deutschklassen, in denen Schüler mit Deutschdefiziten extra unterrichtet werden, zwar nach einigem Hin und Her ein Hearing mit Experten am 8. Mai geben. Die Oppositionsparteien SPÖ, Neos und Liste Pilz haben das bereits als ersten Zwischenerfolg angesehen. Damit ist die Auseinandersetzung zwischen den Regierungsparteien ÖVP und FPÖ und den Oppositionsparteien aber keineswegs beigelegt.

Inhaltlich stemmt sich vor allem die SPÖ mit Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid gegen eine Trennung von  Schülern in eigenen Deutschklassen und verweist dabei auf Bedenken von Experten gegen eine solche Vorgangsweise. Für die türkis-blaue Koalition sind hingegen solcher Deutsch-Pauker-Stunden in eigenen Klassen ein Mittel, damit betroffene Schüler möglichst rasch an das Sprachniveau ihrer Klassenkollegen herangeführt werden.

Die drei Oppositionsparteien haben drei Expertinnen nominiert

ÖVP und FPÖ haben jedoch ein für die Medien öffentliches Hearing am 8. Mai abgelehnt. Begründung dafür: öffentliche Anhörungen seien auch sonst nicht üblich. Die drei Oppositionsparteien kritisierten am Montag in einer gemeinsamen Aussendung diese Entscheidung. Hammerschmid meinte, dass sich die Koalition offenbar vor der Öffentlichkeit „fürchte“.

Die Opposition hat drei Experten nominiert: die SPÖ Ex-AHS-Direktorin Heide Schrodt; die Neos Bildungswissenschaftlerin Christiane Spiel und die Liste Pilz die Sprachwissenschafterin Barbara Herzog-Punzenberger.