1,2,3: Klimaschutz und Pendlervorteile in einem Ticket!. Mehr Park & Ride-Anlagen, Ausbau der Nebenbahnen und vergünstigte Fahrkombiangebote fordert die SP Niederösterreich.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 19. Februar 2020 (13:46)
SP-NÖ-Vorsitzender Franz Schnabl und der Langenloiser Gemeinderat Christian Schuh (von rechts) fordern gerechtere Vergünstigungen für Pendler und einen Ausbau des Öffi-Netzes in entlegenen Regionen.
Gila Wohlmann

Klare Pläne für den öffentlichen Verkehr haben SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Schnabl und der Langenloiser Gemeinderat Christian Schuh. Diese präsentierten sie im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch in der SP-NÖ-Zentrale in St. Pölten. Um den Umstieg auf Öffis zu attraktivieren, muss deren Nutzung vereinfacht werden. Billigere Fahrpreise seien ebenso dafür Voraussetzung. Die SPÖ setzt daher auf ein 1,2,3-Ticket.

„Wir wollen ein Klimaticket, mit dem man um einen Euro in einem Bundesland, um zwei Euro in zwei Ländern und um drei Euro pro Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch ganz Österreich fahren kann. Denn sauberer Verkehr ist wichtig, um dem Klimawandel entgegenzuhalten“, betonte Franz Schnabl. Durch leistbare Öffi-Tickets soll der Individualverkehr eingeschränkt werden.„Dazu soll ein österreichweites Klimaticket eingeführt werden – um drei Euro am Tag für alle Öffis, also Bahn, Bus und U-Bahn“, führte Schnabl weiter aus. 

„Eine gute Öffi-Infrastruktur ist der beste Weg gegen Landflucht“Christian Schuh

Ein großes Problem stellen für  ihn die mangelnden Park & Ride-Anlagen dar. 260.000 Pendler täglich stünden 40.000 Parkplätzen gegenüber. Deren Ausbau müsste unbedingt  forciert werden. Schuh verwies auch auf den mangelnden  Bahnstreckenausbau auf der Nord-Süd-Achse. „Die Westbahn wird, da sie so gut ausgebaut ist, auch sehr gut genutzt“, stellt er dazu fest. Als grobe Fehlentscheidung der ÖVP sehen Schnabl und Schuh die Stilllegung von Nebenbahnen wie die Donauuferbahn oder die Ybbstalbahn. „Was nutzt es, wenn diese nur zu touristischen Zwecken genutzt werden“, meinte Christian Schuh. Tourismus sei zwar wichtig, aber die Bürger der jeweiligen Region müssten immer im Vordergrund stehen. Nebenbahnen müssen ausgebaut werden. Elektro- und Hybridtechnik sollen hier einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Daher ist es ihr klares Ziel, dass die Fahrzeit vom und zum Arbeitsplatz verkürzt wird, um den Menschen Lebensqualität zu verschaffen. Zwei Mal täglich 1,5 Stunden Fahrzeit sei Pendlern auf Dauer nicht zumutbar. Die Frequenzen der Öffis müssen, so Schnabl, intensiviert und das Angebot verbessert werden, wo möglich.  „Es wird aber nicht machbar sein, dass wir in jedem kleinen Ort einen Bahnhof bauen, wo ein Railjet stehen bleibt“, stellte Schnabl klar fest. Daher setzen beide auf die Bildung von Fahrgemeinschaften. Diese Option müsse noch mehr in den  Köpfen der Pendler verankert werden. 

„Eine gute Öffi-Infrastruktur ist“, betonte Schuh, „der beste Weg gegen Landflucht“.  Gerade er als Waldviertler wisse um diese Problematik. Deswegen sei klar, dass Niederösterreich funktionierenden öffentlichen Verkehr, ausgebaute Straßen, aber auch ein ausgebautes Mobilfunknetz und Breitbandanschluss sowie eine Förderung des Handwerks braucht.  „Es geht dabei nicht nur um die Lebensqualität im ländlichen Raum, sondern auch darum, dass innovative Start-Ups und renommierte Unternehmen da arbeiten können, wo es schön ist“, sagte er. So fordert er eine Verbesserung der Franz-Josefs-Bahn, der Kampftalbahn sowie eine Reaktivierung der Waldviertel- und Donauuferbahn sowie der Strecke Zwettl – Schwarzenau – Waidhofen, wo es derzeit nur Güterverkehr gibt. Schuh regt überdies zu einer App an, bei der Öffi-Nutzer eine komplette Übersicht über alle Angebote haben.

SPÖ NÖ für kilometerbezogenes Pendlerpauschale

Schnabl spricht sich gegen eine ökologisierte und für eine kilometerbezogene Pendlerpauschale aus: „Höhere Kosten für Pendler durch eine Besteuerung von CO2 kommen für uns nicht in Frage“, so der SP-Chef und richtet den grünen Parteikollegen aus: „Die Grünen sind herzlich eingeladen, im Flächenbundesland Niederösterreich zu versuchen, von einer Ecke in die andere zu fahren. Ich sage nur: 17 Stunden Fahrzeit.“

Außerdem soll die Pendlerpauschale sozial fair sein. „Es kann nicht sein, dass eine 20-Stunden-Teilzeit-Frisörin in einer entlegenen Region weniger Pendlerpauschale bekommt als ein Banker, der mit dickem SUV von Wien nach Mödling pendelt. Die jetzige Regelung bevorzugt Menschen mit hohem Einkommen.“ Ebenso sei es mit dem Dieselprivileg – keine Mehrbelastung, solange günstigere, bessere Möglichkeiten fehlen. „Sonst hat das keinen Lenkungseffekt, sondern ist eine Abzocke der Klein- und Mittelverdiener“, sagt Schnabl.

Die SPÖ NÖ hat unter noe1euro.spoe.at eine Petition für das 365-Euro-Öffi-Jahresticket gestartet, diese Forderung erhält durch das bundesweite 1-2-3-Ticket-Vorhaben Unterstützung.