Ein Jahr Corona: Ein Geburtstag, den niemand feiert. Die NÖ-Landespolitik und der Sanitätsstab ziehen zum Jahrestag der ersten Corona-Fälle in Österreich eine Pandemie-Bilanz in Wort und Zahl, kommentieren die Fälle der südafrikanischen Virusmutation in Wiener Neudorf und erklären, auf es was bei weiteren Öffnungsschritten ankommen wird. Am Freitag sollen 54.000 neue Impftermine zur Verfügung stehen.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 25. Februar 2021 (11:07)

Am 29. Februar 2020 wurde ein Paar aus Klosterneuburg als erste Niederösterreicher positiv auf Covid-19 getestet. Einen Tag zuvor, am 28. Februar, tagte unter anderem Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP), Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und Sanitätsdirektorin Irmgard Lechner für eine erste Lagebesprechung. Dass der Virus ein Jahr später noch immer das Tagesgeschehen dominiert, ahnte damals noch niemand.

„Seit einem Jahr hat uns diese Pandemie im Griff und natürlich geht sie uns allen mittlerweile auf die Nerven. Aber wir wissen auch, wie man sie unter Kontrolle bringt, nämlich mit Testen, Abstand halten und Impfen", sagt Pernkopf und betont, dass es dringend mehr Impfstoffe braucht, "weil die  Menschen geimpft werden wollen." Morgen Freitag sollen jedenfalls weitere 54.000 Impftermine zur Verfügung stehen. Derzeit werden die elektiven Operationen wieder "behutsam Schritt für Schritt hochgefahren", sagt Pernkopf. Die Auslastung bei Operationen lege derzeit bei 90 Prozent.

Teststrategie hat sich "das eine oder andere Mal verändert"

Seit Anfang an gehe es darum "die Ansteckungszahlen gering zu halten und eine Infektion zu vermeiden, die vulnerablen Gruppen zu schützen und unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten", sagt Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Niederösterreich setze hier als "Schlüssel bei der Bewältigung der Pandemie" auf die Strategie "Testen, Tracen, Isolieren". Dabei räumt Königsberger-Ludwig ein, dass sich die Teststrategie  "das eine oder andere mal verändert hat."

Mittlerweile wurden knapp 1,1 Millionen PCR-Untersuchungen und mehr als 2,1 Millionen Antigen-Schnelltests in Niederösterreich durchgeführt. Gab es in der erste Welle im Frühjahr 2020 noch fünf mobile Teams von Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund, die PCR-Tests zuhause abgenommen haben, sind es jetzt 35 mobile Teams. Im Frühsommer 2020 kamen Drive-In-Stationen für Abstriche dazu. Mittlerweile gibt es neun dieser Straßen in NÖ, wo man innerhalb 24 Stunden sein PCR-Testergebnis erhält.

Nach "anlassbezogenen Umgebungsuntersuchungen" wie Belegschaft-Testungen in Betrieben, um Cluster schnell einzugrenzen, wurde im Herbst mit Screenings in Pflegeeinrichtungen begonnen. Seit den Massentests im Dezember und Jänner mit insgesamt 1,2 Millionen Testungen gibt seit 24. Jänner permanente Antigen-Teststraßen in über 300 NÖ-Gemeinden.  

Das Wissen um den Virus habe sich im letzten Jahr verändert, die Mutationen seien dazugekommen und auch die "vielen Verordnungen", die "sehr kurzfristig gekommen und innerhalb ein oder bis zwei Tage umzusetzen waren", sagt Königsberger-Ludwig. "Kontinuität, Seriosität und Flexibilität" habe daher die Arbeit des NÖ-Sanitätsstabs in der Pandemie ausgezeichnet. Königsberger-Ludwig lobte und bedankte sich für die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Organisationen wie Polizei, Notruf 144, AGES, Ärzte- und Apothekerkammer, Sozialministerium, Gemeinden und Bezirksverwaltungsbehörden. 

Weniger schwere Fälle in NÖ-Kliniken

Eine Öffnung für noch geschlossene bzw. eingeschränkte Branchen wie Gastronomie, Tourismus, Kultur und Sport (Anm: 15. März wird kolportiert) hält NÖ-Sanitätsstab-Direktorin Irmgard Lechner für möglich. "Die Krankenhäuser und Intensivstationen sind noch nicht überlastet. Solange das der Fall ist, vermehrt getestet wird und die Durchimpfungsrate steigt, denke ich schon, dass man öffnen kann", sagt Lechner. Es genüge nämlich nicht nur auf die Inzidenzzahlen zu schauen. Aktuell wurden in NÖ 111.224 Personen  geimpft, davon haben 38.741 Personen bereits die zweite Dosis erhalten und gelten als vollständig immunisiert.

"Neben der Inzidenz und den Fallzahlen müssen wir auch die Alterskohorte der Erkrankten, die Durchimpfungsrate und die Lage in den Krankenhäusern in Betracht ziehen", sagt Königsberger-Ludwig. Derzeit infizieren sich mehr jüngere Menschen. Der Anteil der erkrankten Personen unter 30 Jahren ist von zwölf Prozent im Jänner auf aktuell 37 Prozent gestiegen. Die Zahl der schweren Verläufe in den Kliniken hingegen sei zurückgegangen. "Der Virus ist zwar da, aber nicht so gefährlich, dass Krankenhaus-Kapazitäten ausgelastet sind."

Trotz der eingespielten und ausgebauten Testmöglichkeiten, der steigenden Durchimpfungsrate gebe es noch offene Fragezeichen rund um das Virus. "Wir wissen noch immer viel zu wenig über die Natur des Virus: Wieviel ansteckender die Mutationen sind und wie unterschiedlich die Verläufe. Da ist leider noch zu wenig wissenschaftliche Evidenz vorhanden", sagt Lechner. 

Südafrika-Cluster in Wiener Neudorf im Griff

Denas Cluster in einem Schülerhort in Wiener Neudorf, wo gestern Abend sieben Fälle der südafrikanischen Mutation entdeckt wurden, habe man im Griff und "sehr gut eingegrenzt", sagt Lechner. Noch am Abend wurden zehn Teststraßen dort eingerichtet, wo sich über 1000 Menschen PCR-getestet haben. Auch das Contact Tracing habe funktioniert. Jetzt müsse man die Ergebnisse abwarten, so Lechner.

Dass die ab März verfügbaren Wohnzimmer-Tests als Eintrittstest gelten werden, halte Lechner nicht für problematisch. "Wir sollten schon sehr viel Vertrauen haben in die Bevölkerung", sagt Lechner, "die einzige Sorge, die wir von Amts wegen haben, ist, dass wir den Überblick über das Infektionsgeschehen verlieren könnten." Auch bei privaten Tests wie Wohnzimmertests bestehe die gesetzliche Verpflichtung ein positives Testergebnis der Behörde zu melden.