Pflege: 800 Stellen sind in Niederösterreich offen. Bedarf an Pflegekräften steigt enorm. Land NÖ setzte erste Schritte um und fordert Tempo vom Bund.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:24)
Betreuung und Pflege alter Menschen wird in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Der Bedarf an Pflegekräften soll weiter enorm steigen.
Shutterstock.com/Andrey Popov, Shutterstock.com/Andrey Popov

Auf der Liste der Mangelberufe steht der Gesundheits- und Pflegebereich ganz oben. 800 Stellen im Pflegebereich sind in Niederösterreich zurzeit nicht besetzt. Schon in den vergangenen Jahren hat sich der Bedarf an Pflegekräften laut dem AMS mehr als verfünffacht. Und mit der steigenden Lebenserwartung wird er noch weiter wachsen: Bis 2030 sollen 15.000 Pflegekräfte alleine in NÖ fehlen.

Abhilfe schaffen will die Bundesregierung mit der groß angekündigten Pflegereform. Im türkis-grünen Regierungsprogramm ist von einer Personaloffensive die Rede. Zudem von der Einführung eines Pflege-Daheim-Bonus sowie von Community-Nurses und der Entwicklung eines neuen Pflegegeldsystems. Durch Corona sind die Vorhaben ins Stocken geraten.

Christiane Teschl-Hofmeister: „Hoffe, der Minister beginnt nicht wieder bei Null.“
NLK

Was den 5-Punkte-Plan betrifft, den Pflegelandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) 2020 dem damaligen Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) vorstellte, seien bereits zwei Punkte erfüllt: Mit der von Arbeitsminister Martin Kocher vorgestellten „Rot-weiß-Rot“-Karte wird der Zugang diplomierter Kräfte aus dem Ausland am österreichischen Arbeitsmarkt erleichtert. Ebenfalls eingeführt wurde ein Bildungsschwerpunkt „Pflege und Soziales“.

„Pflege und Soziales“: Pilotprojekt an fünf NÖ-Mittelschulen

Den gibt es ab Herbst als Pilotprojekt an fünf NÖ-Mittelschulen. Noch in Arbeit sind die Modularisierung der Pflegeausbildung und die Einführung einer Pflegelehre mit Abschluss als Pflegeassistent. Geht es nach Teschl-Hofmeister, braucht es außerdem die Reformierung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes und die bessere Definierung der Kompetenzen der Pflegefachassistenz.

Um mehr Menschen in Pflegeberufe zu bringen, wurde außerdem vor rund einem Jahr eine Anlauf- und Koordinierungsstelle etabliert. Angesiedelt ist die bei der Menschen und Arbeit GmbH. „Das Angebot reicht von Information, der Suche nach einem Ausbildungsplatz bis hin zum künftigen Arbeitgeber“, erklärt Geschäftsführer Martin Etlinger.

Martin Eichtinger: „Pflege ist eine Berufung mit Zukunftsperspektive.“
NLK, NLK

Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) und das AMS betonen, dass sich diese bereits bewährt habe: „Innerhalb eines Jahres haben rund 2.000 Personen ihr Interesse bekundet, eine Pflegeausbildung zu machen. Davon sind 350 in Ausbildung und 100 haben bereits ein Dienstverhältnis angenommen.“ Bei Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen können auch Förderungen beantragt werden.

Bei einigen Punkten komme das Land aber nicht weiter. Hier sei aus Teschl-Hofmeisters Sicht der Bund gefragt. „Ich hoffe, der neue Minister beginnt nicht wieder bei Null“, meint Teschl-Hofmeister. Bundesminister Wolfgang Mückstein hat laut Medienberichten zumindest die Einführung der „Community Nurses“ ab Herbst angekündigt.

Die Sozialdemokraten kritisieren, dass die ÖVP NÖ „hilflos und ratslos“ in Bezug auf das Pflege-Thema wirke. Gesundheitssprecherin Karin Scheele fordert die Umsetzung eines Personalschlüssels samt verbesserten Arbeitsbedingungen. „Die Pflegekräfte arbeiten seit Jahren auf dem absoluten Maximum.“