Bregenzerwald als Lehr-Beispiel für Niederösterreich. Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) fordert ein neues Konzept für die Handelsschulen, bei dem Gewerbebetriebe und Unternehmen stärker eingebunden werden. Dadurch sollen mittlere Schulen attraktiver werden.

Erstellt am 22. April 2018 (13:04)
APA (BKA)
Sonja Hammerschmid

Niederösterreichs Handwerksbetriebe und Unternehmen suchen unter den Schulabsolventen dringend qualifizierten Nachwuchs. Der beständige Zustrom der Jugendlichen zu einer höheren Schulausbildung in Gymnasien macht dieses Unterfangen noch schwieriger.

Sonja Hammerschmie, bis vor wenigen Monaten Bildungsministerin in der SPÖ-ÖVP-Bundesregierung und bei der Nationalratswahl Spitzenkandidatin der SPÖ in Niederösterreich, drängt im Gespräch mit der NÖN auf einen neuen Weg bei Lehre und Fachkräfteausbildung gemeinsam mit den Unternehmen. Am Mittwoch dieser Woche wird die SPÖ darüber im Dachfoyer der Wiener Hofburg diskutieren.

Ein gutes Vorbild hat die jetzige SPÖ-Bildungssprecherin im Nationalrat in Vorarlberg gefunden. Nämlich in der „Werkraumschule Bregenzerwald“ in Bezau. Was woanders teilweise gepredigt wird, wird dort in der Handelsschule in die Tat umgesetzt.

Im Kern geht es dabei darum, dass umliegende Gewerbebetriebe dort viel stärker als meist an anderen Schulstandorten in die Ausbildung der Handelsschüler eingebunden werden. Dadurch ist während der Schule eine viel intensivere fachspezifische Ausbildung möglich. „Das ist für mich schon eine sehr schlaue Geschichte“, lautet die Schlussfolgerung der früheren Bildungsministerin.

Schüler sammeln ausgiebig Erfahrung in Betrieben

Gerade in der Ausbildung der Jugendlichen gibt es inzwischen neue Herausforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung. Lehre und mittlere  Schulen sind neu gefordert.

Die Werkraumschule in Bezau arbeitet mit 91 Handwerks- und Gewerbebetrieben zusammen. In diesen Betrieben können die Schüler auch mehr über ihre Vorlieben herausfinden. Der Effekt ist, dass diese damit an Attraktivität gewinnen. Das schlägt sich in steigenden Anmeldezahlen für die mittlere Schule nieder. Mitinitiator Andreas Kappaurer wird selbst bei der Enquete seine Erfahrungen vermitteln.

„Man muss sich mit den Unternehmen hinsetzen“

Auch der im Mai scheidende Präsident der Bundeswirtschaftskammer, Christoph Leitl (ÖVP), hat in der jüngeren Vergangenheit mit immer mehr Nachdruck betont, dass viele Jugendliche, die nur mit Müh und Not eine Allgemein Bildende Höhere Schule (AHS) schaffen, mit einer guten Lehre bessere Berufschancen haben.

Die SPÖ-Bildungssprecherin räumt ein, dass die duale Ausbildung in Österreich, also das Lernen in Berufsschule und Lehrbetrieb, international Vorbild sei. Bei den Lehrlingen werde Österreich deshalb auch weiter Weltmeister stellen. Dennoch dürfe man die Entwicklung nicht verschlafen. „Da muss man sich hinsetzen mit den Unternehmen““, sagt sie. Der Satz könnte statt von ihr genauso gut vom schwarzen Wirtschaftskammerchef stammen.

Bei der Enquete, zu der Hammerschmid und der SPÖ-Klub einladen, wird nicht nur die Schule im Bregenzerwald als Vorbild für Niederösterreich und ganz Österreich vorgestellt. Neben Wissenschaftlern wie Sandra Bohlinge von der TU-Uni Dresden wird unter anderen der Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend, Sascha Ernszt, ebenso zu Wort kommen wie Robert Renz, der Direktor der Spar-Akademie.