Sorge um Atommüll nahe der NÖ-Grenze. Tschechien sucht Standort für Atommüll-Endlager. Zwei angedachte Orte sehr nahe an NÖ sollen nun vom Tisch sein. Dass an Tschechien grenzende Gemeinden in die Standort-Wahl nicht miteingebunden werden, sorgt für Kritik. Pernkopf fordert generell den Ausstieg Tschechiens aus der Atomkraft.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. Juni 2020 (10:21)
Atomkraftwerk Temelin
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Ab 2065 sollen genutzte Brennstäbe aus den Atomkraftwerken in Temelín und Dukovany (Tschechien) in ein neues Endlager gebracht werden. Bis dahin wird der radioaktive Abfall direkt in den Kraftwerken zwischengelagert. Die Suche nach einem Standort sorgt auch in Niederösterreich für Diskussionen, da sich einige der (bisher) angedachten Orte nur wenige Kilometer entfernt von der niederösterreichischen Grenze befinden. 

Nun gibt es leichtes Aufatmen. Die beiden Orte am nächsten zu Niederösterreich sollen, laut tschechischen Medienberichten, als möglicher Standort für das Endlager vom Tisch sein. Radio Prag zufolge, hat der Expertenrat der tschechischen Atommüll-Behörde (SÚRAO) eine Empfehlung über die Reduktion von vormals neun auf nunmehr vier mögliche Atommüll-Endlagerstandorte abgegeben und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden über diese Auswahl bereits informiert. 

Die vier übrig gebliebenen Standorte sind: Březový potok im Kreis Pilsen (rund 106 km von Niederösterreich entfernt), Hrádek bei Iglau (40 km), Horka bei Třebíč (45 km) und Janoch beim AKW Temelín (48 km).
Die beiden bisher in Diskussion gestandenen Standorte nahe der Grenze Čihadlo (21 km) und Dukovany (32 km) sind in diesem Bericht der Expertengruppe nicht mehr enthalten, ebenso die möglichen Standorte in Kravi Hora (70 km), Magdalena (61 km) und Certovka (174 km). 

Laut Global 2000 sollen die übrig gebliebenen Orte in einem nächsten Schritt geologisch untersucht werden und im Jahr 2025 auf zwei Standorte für ein Atommüll-Lager eingegrenzt werden. Baubeginn für das Atommüll-Endlager soll 2050 sein, die Inbetriebnahme ist für 2065 geplant.

Noch keine endgültige Entscheidung

Die tschechische Atommüll-Behörde betont den Medienberichten zufolge jedoch, dass es sich um keine endgültige Entscheidung handelt, sondern um den Bericht der Expertengruppe. Die endgültige Entscheidung treffe später die Regierung. Laut tschechischen Radioberichten stellen sich die Gemeinden, die auf dieser Liste stehen, gegen die mögliche Errichtung des Atommüll-Endlagers auf ihrem Gebiet und kündigen Proteste an.

Pernkopf: "Tschechien muss raus aus der Atomkraft"

Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf zeigt sich erleichtert über den Wegfall der beiden Orte sehr nahe an Niederösterreich, fordert aber einen generellen Ausstieg Tschechiens aus der Atomkraft: „Die Reduktion der beiden besonders nahen Standorte ist ein erster wichtiger Schritt, aber noch immer sind weitere nahe Standorte in Diskussion. Tschechien muss raus aus der Atomkraft und sollte auf Erneuerbare Energie setzen, so wie wir in Niederösterreich.“  Es brauche mehr und öffentliche Informationen und außerdem Einbindung in den Entscheidungsprozess, auch über das Umweltministerium. 

Dass Niederösterreich in die Gespräche um die Standortwahl nicht miteingebunden ist, kritisiert auch EU-Abgeordneter Günther Sidl (SPÖ): „Entscheidungen über Standorte von Atomkraftwerken oder Endlagerstätten wirken sich weit über nationale Grenzen hinweg aus. Deshalb muss es hier endlich zu einer ernsthaften Einbindung der Nachbarstaaten und Regionen kommen." In Niederösterreich sollten aus seiner Sicht die direkt angrenzenden Bezirke und Gemeinden mitreden dürfen. 

Gleichzeitig mahnt auch Sidl, dass Atomstrom eine Technologie der Vergangenheit sei. „Mit dem Green Deal kann sich Europa als Vorreiter für den Klimaschutz positionieren und damit auch wertvolle Impulse für den Wirtschaftsstandort setzen. Dazu braucht es aber einen klaren Fokus auf grüne Technologien – für die Atomkraft darf es daher keine Mittel aus dem Green Deal geben.“