Schreckgespenst Mathe?: Schulen zeigen sich gespalten. Erste Ergebnisse lassen auf besonders schlechtes Ergebnis schließen. Schulen in NÖ zeigen sich gespalten. Kritik wegen textlastiger Aufgabenstellung wird laut.

Von Caroline Ferstl. Erstellt am 05. Juni 2018 (00:43)
LStockStudio/Shutterstock.com
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Ersten Auswertungen zufolge sollen bundesweit rund 18 Prozent der Maturanten in Mathematik durchgefallen sein. Wie viele der 7.400 Maturanten in Niederösterreich davon betroffen sind, ist unklar. Eine offizielle Zahl gibt es nicht, erklärt das Bildungsministerium, da die Schulen diese Zahl nicht melden müssen. Eine Weisung des Ministeriums verlangt zudem von allen Schulleitern ein Stillschweigen über die derzeitigen Ergebnisse – „aus Gründen der Qualitätssicherung der Ergebnisdaten“. Die Ergebnisse werden erst Ende Juni nach den Kompensationsprüfungen und den mündlichen Prüfungen veröffentlicht. Jedoch scheint das Schreckgespenst Mathematik in Niederösterreich nicht ganz so schockierend gewesen zu sein.

An der HTL Karlstein (Bezirk Waidhofen/Thaya) etwa sind alle Schüler durchgekommen. An der HTL Krems gibt es von 125 Maturanten nur vier negative Ergebnisse, das sind etwa drei Prozent. In der HTL Mödling haben 8,7 Prozent der Maturanten Mathematik nicht bestanden. Im BG/BRG Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) ist die Mathe-Matura zwar nur geringfügig schlechter ausgefallen als im Vorjahr, dennoch ist die Kritik an der neuen Prüfungsform groß.

Eltern, Schüler und Lehrer fordern Reform

„Die Matura setzt inhaltlich die völlig falschen Schwerpunkte“, hält Direktor Wolfgang Faber fest. Es sei der falsche Weg, „die Mathe-Matura in Rätsel- und Denksportaufgaben zu verpacken“. Die HAK Waidhofen ist einer der „Ausreißer“ nach unten: In Mathematik sind rund ein Drittel der Klausuren negativ, dreimal mehr als in Deutsch. Normal wären an seiner Schule rund zehn Prozent der Klausuren negativ, meint Direktor Rudolf Mayer: „Die Angabentexte waren teilweise fast eine Deutschmatura.“

Die Direktorin des BG/BRG Purkersdorf (Bezirk Sankt Pölten), Irene Ille, versteht die Aufregung nicht: „Die Aufgabenstellungen waren in Ordnung – in allen Fächern. Nicht zu schwer und nicht zu leicht. Wir haben etliche sehr, sehr gute Ergebnisse und sogar Kandidaten, die in allen Fächern ein Sehr gut erhalten haben.“

Ganz anders sehen das Lehrer des Stiftsgymnasiums Melk: Sie fordern via Online-Petition (www.openpetition.eu/!reformzentralmaturaund offenem Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann eine Reform der Mathe-Zentralmatura. Über 3.000 Personen haben bereits unterzeichnet. 

Einer Neuauflage steht auch Niederösterreichs Bildungsdirektor Johann Heuras positiv gegenüber: „Das Ergebnis zeigt uns, dass es notwendig ist, die Zentralmatura in der bestehenden Form einem Evaluierungsprozess zu unterziehen und dass die Aufgabenstellungen in dieser Form zu textlastig gestaltet und nicht schüleradäquat sind.“