Kartause Mauerbach: „Historische Spuren lesbar lassen“. Astrid M. Huber ist die Leiterin des Informations- und Weiterbildungszentrums Baudenkmalpflege in der Kartause Mauerbach. Hier werden historische Materialien und Techniken unterrichtet und angewendet.

Von NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 23. Oktober 2020 (04:50)
Seit 1984 wird in der Kartause Mauerbach im Wienerwald angewandte Baudenkmalforschung betrieben.
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2014 wurde das große Jubiläumsjahr in Mauerbach gefeiert. Denn sowohl 700 Jahre Bestand der Kartause an sich als auch 30 Jahre Informations- und Weiterbildungszentrum wurden zelebriert. 2020 widmet man sich im Wienerwald engagiert wie eh und je der Weiterbildung in Sachen Baudenkmalpflege.

Seit 2003 leitet AstridM. Huber dasInformations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege in der KartauseMauerbach im Wienerwald.
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Astrid M. Huber ist seit 2003 die Leiterin des Zentrums und der vielschichtigen Agenden. Die praktische Weiterbildung in Sachen historische Materialien in der Baudenkmal pflege ist der eine, die angewandte Forschung der andere Schwerpunkt. Erforscht werden historische Werkstoffe, Handwerkstechniken und Sanierungsmethoden. „Am allerwichtigsten bei der Denkmalpflege ist es, die historischen Materialien und die dazugehörige Technik zu erkennen und auch weiter zu verwenden“, erzählt Astrid Huber. Man müsse im System bleiben, um historische Objekte nachhaltig instand setzen.

Die Kartause Mauerbach selbst fungiert als Trainingsgelände für das erlernte und weitergegebene Wissen. „Aktuell ist die Kartause zu 75 Prozent fertig restauriert, die schrittweise durchgeführte Instandsetzung lässt Raum für weitere Projekte und Forschungen.“ Anhand eines EU-Forschungsprojektes zur Freilegung der Fresken-Schicht an den Ecken des Großen Kreuzgangs erklärt die promovierte Kunsthistorikerin: „Bevor man historische Substanz schädigt, ist es besser, sie vorerst nur zu konservieren.“ Denn schließlich könnten bereits in einigen Jahren bessere Methoden entwickelt werden.

Ein Spaziergang durch die Geschichte

Ein Rundgang durch die Kartause ist auch ein Spaziergang durch die Zeit. An vielen Ecken lassen sich noch die baulichen Veränderungen und unterschiedliche Verwendungszwecke herauslesen. Ab 1784 wurde das Kloster zu einem Armenspital umfunktioniert und der Kreuzgang für Schlafräume unterteilt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kartause als Hilfskrankenhaus genützt, und ab 1946 als Obdachenlosenheim für etwa 100 Familien.

Obwohl diese umfassenden baulichen Maßnahmen, wie etwa an der Laienbruderkirche, die als mehrstöckiges Spital diente, wieder größtenteils rückgeführt wurden, sind sie stellenweise noch erkennbar. „Auch heute noch kommen Menschen zu uns, die als Kind hier eine Zeit im Obdachenlosenheim gewohnt haben“, erzählt Huber.

Immer wieder werden in Workshops historische Schmiedetechniken gelehrt. Dafür gibt es auch eine eigene Schmiede in der Kartause.
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In den meisten Fällen sind es Fachleute, die die Kartause zu Weiterbildungszwecken besuchen. „Die traditionellen Handwerkstechniken werden ja nicht mehr vermittelt, die es braucht, um mit Altbestand umzugehen“, so Huber. Zu diesem Zweck gibt es in der Kartause Musterwerkstätten, wie eine Schmiede, eine Gürtlerei und eine Drechslerei. „Traditionelle Schmiedetechniken in der Baudenkmalpflege“ und „Traditionelle und moderne Putz-und Anstrichsysteme in der Denkmalpflege“ sind Kurse, die in den nächsten Wochen abgehalten werden und sich an Restauratoren, Bauleiter und Architekten richten.

Das Thema Service und Beratung ist ebenfalls ein wichtiges Thema für Astrid Huber: „Die Kartause Mauerbach ist österreichweit das einzige unabhängige Informationszentrum für alle Fragen der Baudenkmalpflege und Althaussanierung.“ Die Kartause ist erste Anlaufstelle für Berufsgruppen wie Restauratoren und Handwerker oder Architekten. Auch Denkmaleigentümern oder Besitzern alter Häuser wird geholfen, wenn sie etwa Probleme mit feuchten Wänden oder Schimmelbefall haben.

Die historische Parkettsammlung ist eine von vielen Sammlungen, welche die Kartause beherbergt.
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Und dann ist die Kartause natürlich noch in einer weiteren Form ein Ort des geballten Wissens. Um die Erfahrungen aus sieben Jahrhunderten zu konservieren, finden sich nämlich zahlreiche Sammlungen in den Räumlichkeiten der Kartause: Werkzeuge, Fenster, Türen, Steinteile und Ziegel werden ausgestellt, um die historischen Bautechniken zu dokumentieren. „Immer wieder gibt es auch Sonderschauen, etwa zu Natursteinvorkommen, um Bewusstsein für die Werte der Denkmalpflege zu schaffen“, so Huber. Besuchern stehen diese Sammlungen von Mai bis September offen und an speziellen Tagen, wie am Tag des Denkmals und am Tag der offenen Tür.

www.bda.gv.at

Artikel aus dem Journal "Bauen, Wohnen, Energiesparen" .