Höchste Zahl an Arbeitslosen seit 1945. Durch die Coronakrise ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen. Alle Altersgruppen sind betroffen. Vor allem getroffen hat es die Beherbergung und Gastronomie sowie die Baubranche.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 01. April 2020 (12:17)
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Ende März liegt die Zahl der arbeitslosen Personen niederösterreichweit bei 78.440 - und damit um 26.376 über dem Vorjahreswert. In den ersten beiden Märzwochen sei die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat noch zurückgegangen.

Dann aber: „Mitte März kam die Trendwende“, betont AMS-NÖ-Geschäftsführer Sven Hergovich. „Innerhalb von nur 16 Tagen stieg die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich um beinahe 25.000 Personen (oder + 47 %). Das ist die höchste Zahl an Arbeitslosen seit 1945.“ Und: „Das ist auch der stärkste Zuwachs seit 1945 in einer so kurzen Zeit.“ Der Anstieg  liegt Ende März im Vergleich zum Vorjahr bei 50,7 % (Österreich + 65,7 %).

„Das ist eine enorme Herausforderung fürs AMS NÖ", so Hergovich. "Wir setzen alles daran, dass Arbeitslose in dieser schweren Zeit trotz Rekordarbeitslosigkeit pünktlich und so rasch wie möglich zu ihrem Geld kommen.“ 

Maßnahmen für jetzt und für die Zeit nach Corona

Der der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger dazu: „Wir stehen zwar vor großen Herausforderungen, die wir aber gemeinsam schaffen werden. Deshalb werden wir die Arbeitsmarktprogramme in Niederösterreich individuell und lösungsorientiert analysieren, um gemeinsam mit dem AMS für die Zukunft bestmöglich gerüstet zu sein.“ Man wolle im Kampf gegen die steigenden Arbeitslosenzahlen alles daran setzen, um die Landsleute zu unterstützen. 

„Das neue Kurzarbeits-Modell des AMS ist ein wichtiger Beitrag im gemeinsamen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und wird sehr gut angenommen. Die Maßnahmen der Bundesregierung sind ein tragendes Fundament für unseren Arbeitsmarkt in Niederösterreich, welche wir voll und ganz umsetzen“, so Eichtinger. Sein Appell: „Mit der Kurzarbeit wurde ein Modell geschaffen, dass es unseren Betrieben auch in Krisenzeiten ermöglicht, ihre Mitarbeiter möglichst in Beschäftigung zu halten. Bitte nutzen Sie dieses attraktive Modell, um Know-how und gut ausgebildetes Personal für ihr Unternehmen zu erhalten.“

Neben den Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze gelte es aber nun Angebote für die Zeit nach der Krise zu erarbeiten. Das Ziel: „Unsere Maßnahmen müssen vorrangig die Gesundheit der Menschen schützen und gleichzeitig im Rahmen der Möglichkeiten die Wirtschaft am Laufen halten“, so Eichtinger.

Schnabl will NÖ Arbeitsgruppe

Maßnahmen für die Zeit nach der Coronakrise strebt auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl, Landesparteivorsitzender der SPÖ NÖ, an. „Es bedarf der raschen Einsetzung einer NÖ Arbeitsgruppe – bestehend aus AMS, Arbeiter- und Wirtschaftskammer, ÖGB und Vertretern der Landtags-Klubs - um bereits jetzt an Zukunftsszenarien zu arbeiten und Wege zu finden, Vorreiter beim Start aus der Krise zu sein“, betont er. Darüber hinaus müssten aber auch rasch Lücken im Hilfspaket geschlossen werden. "Es herrscht akuter Handlungsbedarf am Arbeitsmarkt.“ 

Jugendliche mehr vom Anstieg betroffen

Vom Anstieg betroffen sind Frauen und Männer ähnlich stark, Ältere weniger (Über-50-Jährige: + 32 %)., Jüngere wesentlich mehr (+ 84 %) – und auch bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft stieg die Arbeitslosigkeit stärker an (+ 70 %) als bei Inländern (+ 45 %) . Nach Branchen gibt es die größten Anstiege im Bereich Beherbergung und Gastronomie (139 %) sowie in der Baubranche (86 %).  

Am stärksten betroffen seien die 20- bis 24-Jährigen und die 15- bis 19-Jährigen, betont Schnabl und warnt: „Covid 19 darf den Jüngsten in unserer Gesellschaft nicht die Zukunftsperspektive rauben. Die Landespolitik muss nun gemeinsam mit der Bundespolitik ihre Hausaufgaben erledigen, um Wirtschaft und Arbeitnehmer rechtzeitig zu stärken, damit diese danach mit voller Kraft durchstarten können.“

Zum Stellenmarkt: Die Arbeitsaufnahmen sind im März im Vorjahresvergleich um 4.612 (oder -37%) auf 8.070 gesunken; ebenso sind der Stellenzugang (-25,7%) und die Stellenbesetzungen (um -42% auf 3.764) zurückgegangen.