Woschitz im Interview über Materialität & Mitgestaltung. Firmengründer, Generalkonsulent, Holzbaupreis-Juror und „pannonischer Baumogul“ – Richard Woschitz spricht im NÖN-Interview über ganzheitliches Denken, Bodenhaftung und neue Lösungen.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 15. Juni 2021 (03:35)
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Tragwerkplaner und Firmengründer Richard Woschitz.  
Tanja Hofer

NÖN: Sie sind Gründer und Eigentümer der Woschitz Group, die sechs Unternehmen umfasst. Das Leistungsportfolio reicht von Tragwerksplanung über Bauphysik bis hin zu Forschung & Innovation. Wie verbindet man das alles mit dem Wunsch nach schönen Gebäuden?

Richard Woschitz: Dieser Wunsch war vielleicht schon der Grund meiner Selbstständigkeit. Als Student habe ich mich intensiv mit dem Holzbau und Holztragwerken beschäftigt. Und wenn man sich diesem Werkstoff widmet, wird man sehr rasch mit der materialbezogenen Architektur konfrontiert. Und dann ist der Schritt zum innovativen ganzheitlichen Denken gesetzt. Sehr rasch wird der Tragwerksplaner zum Mitgestalter, ab da wird es spannend! Frei nach unserem Slogan „we add stability to vision.“

Sie erhoffen und erwarten sich mehr Holzbauten in den nächsten Jahren. Wie lässt sich das umsetzen? Was braucht es dazu?

Woschitz: Der Rohstoff Holz ist zwar, wenn man die Waldinventur im Ertragswald betrachtet, im aufsteigenden Bereich, was fehlt, sind aber für den Tragwerksbau die großen Dimensionen. Der Holzleimbau ist eine der Antworten, es wird aber mit Sicherheit ein großes Thema werden, zukünftig Tragwerke schlank und mit geringem Rohstoffeinsatz zu entwickeln. Eine Verschiebung der Holzartenwahl für den Ertragswald hin von der Fichte/Tanne zu Laubhölzern ist aufgrund der steigenden Trockenheit und der Klimaerwärmung eine wichtige Weichenstellung der Forstwirtschaft. Das Thema Brandschutz wurde in den letzten Jahren als DER Hemmschuh für den mehrgeschoßigen Holzbau angesehen. Das hat sich aber mittlerweile geändert. Letztendlich kommt es, ohne das Modewort Smart zu bemühen, auf innovative Konzepte mit einer Materialwahl und einer Werkstoffkombination, die Synergien ermöglicht, an – die Holzverbundbauweise ist ein Beispiel dafür. Mit dieser Hybridbauweise können beispielsweise die führenden Materialeigenschaften – Beton als Druckwerkstoff und Holz als Biegewerkstoff mit einem idealen Leistungsverhältnis aus Zugfestigkeit und Gewicht – ideal verbunden werden.

Die Firmen der Woschitz Group setzen auch gerne außergewöhnliche, kreative und komplexe Projekte um. Was fasziniert Sie daran? Und können Sie Beispiele für aktuelle Projekte nennen?

Woschitz: Natürlich reizt es, Neues auszuprobieren und neue Lösungen zu entwickeln. Es ist typisch für unsere Arbeit, dass wir uns von einem Projekt zum Nächsten entwickeln, Erprobtes mitnehmen und Neues testen. Hervorheben möchte ich das Bauen im und mit dem Bestand. Gerade da konnten wir in den letzten Jahren einige sehr spannende Projekte, vor allem im Schulbau, umsetzen. Als Beispiel seien für den Holzbau die WHA St. Egyden, Sport & Kulturhalle Neutal, KIGA Pötzleinsdorf oder die VS Christian Buchergasse Wien genannt.

Auch das HoHo Wien ist so ein Vorzeigeprojekt. Was macht es so besonders?

Woschitz: Nun, bei Holzhochhäusern ist ja fast eine Wettbewerbssituation nach dem Motto schneller, höher, weiter entstanden. Doch das ist grundlegend falsch. Gerade beim HoHo haben wir gezeigt, wie man Architektur in Hybridbauweise Holz/ Beton in Verbindung mit einem sehr hohen Vorfertigungsgrad eindrucksvoll umsetzen kann. Darüber hinaus ist das HoHo auch im Inneren ein echtes Holzhaus, die Struktur und die Haptik der Holzwände machen den Reiz aus.

Bei zahlreichen Preisen, unter anderem beim Niederösterreichischen Holzbaupreis, sitzen Sie in der Jury. Worauf kommt es an bei den Einreichungen?

Woschitz: Auf die Umsetzbarkeit, auf die Baubarkeit, den Einsatz der Materialität, und zwar in Bezug auf die Konstruktion – mein Schwerpunkt, auf die Nutzung, aber auch die Einbindung in das städtebauliche Umfeld sowie die Architektur. Mein Vater war Polier und ist mit dem Wiederaufbau groß geworden, seine Bodenhaftung habe ich mitgenommen. Wenn eine Einreichung mit optimalem Ressourceneinsatz umsetzbar ist, dann rückt sie in den Vordergrund.

Auch die Woschitz Group bekommt regelmäßig Auszeichnungen. Auf welche sind Sie besonders stolz?

Woschitz: Auf die letzte Auszeichnung, das competitionline Ranking als einziges Architekt*innen-Ranking im deutschsprachigen Raum, das ausschließlich auf Wettbewerbsergebnissen basiert. Wir konnten dabei drei hervorragende Plätze erreichen und zählen somit europaweit zu den Top 20 Ingenieurbüros.

Sie sind auch als Generalkonsulent in NÖ, Wien, Burgenland und Kärnten tätig. Was sind da Ihre Aufgabengebiete?

Woschitz: Der Begriff Generalkonsulent wird von der Woschitz Group tatsächlich bei den Projekten möglichst weit umgesetzt. Das bedeutet, dass wir von der Statik, der Bauphysik über die Planung bis zur Bauaufsicht den Bauherren begleiten wollen, um eine durchgehende Kette der Umsetzung zu erzielen. Nur dann ist aus unserer Sicht ein schlankes Baumanagement mit hoher Planungssicherheit möglich.

Das erste von Ihnen gegründete Unternehmen feiert dieses Jahr das 25-Jahr-Jubiläum, die Woschitz Group das fünfjährige Bestehen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Woschitz: Nach dem letzten Jahr und der Pandemie wünschen wir uns zuallererst eine gesunde Zukunft. Wir werden unseren Teil mit innovativen Bauprojekten beisteuern.