Der "intelligente" Rückspiegel. AVI Systems, ein Kremser Unternehmen, tüftelt an intelligenter Sensorik, die für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen soll.

Von Carina Rambauske und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 18. Mai 2019 (07:54)

Mit dem Märchen über Schneewittchen haben intelligente Spiegel wenig zu tun. Sondern mit Sicherheit. Sie beantworten nicht, wer die Schönste im ganzen Land ist, sondern sie nehmen – angebracht an Schienenfahrzeugen – wahr, was rund um sie herum auf der Straße passiert. Welche Personen und Objekte befinden sich im unmittelbaren Straßenbereich? Welche Hindernisse stehen im Weg? Welche Verkehrszeichen müssen beachtet und welche Fahrsignale erkannt werden?

NOEN

Das alles erfasst das „RailEye 4.0“. Ein intelligentes Rückspiegelsystem von AVI Systems, das dem Unternehmen aus Krems den NÖ Innovationspreis 2018 Sonderpreis Wirtschaft 4.0 einbrachte. Es ersetzt den klassischen Rückspiegel von Stadt- und Straßenbahnen und ermöglicht die Einsicht in den toten Winkel und andere uneinsichtige Stellen.

 „Heute ist künstliche Intelligenz in aller Munde, und das ist gut so, denn diese Errungenschaften und Fortschritte bringen in vielen Situationen des täglichen Lebens Vorteile.“Geschäftsführer Johannes Traxler 

Eine große Innovation, die klein begann. Nämlich in der Garage in einer Kremser Katas tralgemeinde, als Johannes Traxler 2013 startete, seine jahrelange Expertise im Bereich Videosensorik und künstlicher Intelligenz in Projekten selbstständig umzusetzen. „Seit zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit künstlicher Intelligenz. Heute ist der Begriff in aller Munde, und das ist gut so, denn diese Errungenschaften und Fortschritte bringen in vielen Situationen des täglichen Lebens Vorteile – sie erhöhen die Sicherheit, entlasten die Menschen und geben uns Zeit zurück“, sagt Traxler.

Mittlerweile hat das Unternehmen insgesamt 43 Mitarbeiter an drei Standorten – in Krems sowie in Freital und Aachen in Deutschland.

Mehrere hundert Systeme von AVI Systems sind weltweit im Einsatz. Tendenz steigend, denn gemeinsam mit Forschungsinstituten erforschen die Mitarbeiter künstliche Intelligenz nicht nur, sondern entwickeln sie weiter und setzen sie in konkreten Produkten um: für öffentlichen Personennahverkehr, für Tunnelsicherheit und für die produzierende und automotive Industrie.

AVI Systems
Für den reibungslosen Einsatz künstlicher Intelligenz setzt AVI Systems darauf, nicht nur die Software, sondern auch die dazugehörigen Hardware-Komponenten selbst zu entwickeln.

Und, anders als in anderen Unternehmen, realisiert die Hightech-Firma nicht nur die Software, sondern auch die dazugehörigen Hardware-Komponenten selbst. „So gewährleisten wir die optimale Umsetzung anwendungsspezifischer Lösungen und die notwendige Stabilität und Sicherheit unserer Produkte“, betont Traxler.

Derzeit fließt das langjährig angehäufte Know-how in die Entwicklung von Abbiegeassistenten für Lkw ein. Dabei werden herkömmliche Außenspiegel durch Kamera-Monitor-Systeme ersetzt, durch die der Fahrer sieht, was vor, hinter und neben dem Fahrzeug geschieht und mögliche Gefahrensituationen berechnet.

Aktuell befindet sich der Abbiegeassistent in der Finalisierung, nämlich kurz vor der Testphase im Echtbetrieb. Im Anschluss kommt es zur Begutachtung der notwendigen Sicherheitsfunktionen. Je nach Ausführungsvariante und „Intelligenz“ wird das System zwischen 3.000 und 5.000 Euro kosten.

„Gesund, nachhaltig und kontinuierlich“ wolle das Unternehmen national und international in die Zukunft wachsen. Dafür dringend gesucht: Mitarbeiter. „Wie viele Unternehmen dieser Branche sind auch wir auf der Suche nach Experten im Bereich Software-Entwicklung, CAD-
Kon struktion und Machine Learning“, ruft Traxler zu Bewerbung in seinem Unternehmen auf, um die Zukunft der künstlichen Intelligenz gemeinsam innovativ voranzutreiben.