Kwizda: Lernen aus der Misere. Der Pflanzenschutz-Erzeuger aus Leobendorf bei Korneuburg sorgte 2012 mit einem Umweltskandal für viel Furore. Seitdem wurden zwölf Millionen Euro zur Schadensbehebung in die Hand genommen. Bis 2018 sollen weitere 20 Millionen in den Standort investiert werden.

Von Gerti Süss. Erstellt am 10. August 2015 (05:56)
Kwizda
NOEN, zVg/Kwizda

Kaum ein Unternehmen aus Niederösterreich hat so eine bewegte Geschichte wie Kwizda: Was 1853 mit einer Kreisapotheke in Korneuburg sowie bald darauf als k.-u.-k.-Hoflieferant für veterinärmedizinische Präparate begonnen hatte, entwickelte sich über fünf Generationen hinweg zu einem Pharma- und Pflanzenschutzkonzern, mit weltweit über 1.200 Mitarbeitern, der immer noch in Familienbesitz ist.

2012 wurde öffentlich, dass beim Pflanzenschutzmittel-Werk Kwizda Agro in Leobendorf Abflussrohre undicht waren. Die Folge waren massive Grundwasserverunreinigungen im Raum Korneuburg.

Im Dezember 2014 endete der Prozess – nicht unumstritten – mit hohen Geldbußen für sechs Mitarbeiter. „Zwei dieser Angestellten sind nicht mehr im Unternehmen tätig. Alle anderen haben seit Bekanntwerden der Verunreinigung mit vollem Einsatz an der Sanierung mitgearbeitet“, sagt Manfred Winter, seit 2014 Werksleiter am Standort Leobendorf.

12 Mio. Euro Sanierungskosten

Nachdem der Schaden ans Licht gekommen war, erklärte sich das Unternehmen sofort bereit, für sämtliche Sanierungskosten aufzukommen. Zwölf Millionen Euro wurden dafür bislang in die Hand genommen. Mittlerweile sind vier Millionen Kubikmeter Grundwasser zu 97 Prozent gereinigt.

Zusätzlich errichtete Kwizda Agro rund um das Werksgelände in 15 Metern Tiefe eine 800 Meter lange Wand, um zu verhindern, dass Abwasser austreten kann. Die Kosten dafür beliefen sich auf zwei Millionen Euro. Zu den weiteren Sicherheitsmaßnahmen zählen eine Wasserreinigung über Aktivkohle-Filteranlagen, die Absenkung des Grundwasserspiegels sowie doppelwandige Rohrleitungen.

Werksleiter Winter gibt zu, dass der Standort seit dem Vorfall einen Imageschaden davongetragen hat, räumt aber ein: „Wir setzen alles daran, das Vertrauen der Bevölkerung wieder zurückzugewinnen. Mit unserem Investitionsprogramm zeigen wir, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben.“

Abwanderung kam nie infrage

Zudem bemühe man sich mit regelmäßigen Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen um einen transparenten Umgang mit der Bevölkerung. Eine Abwanderung kam für die Firma, die in Korneuburg 95 Mitarbeiter beschäftigt, ohnehin nie infrage. „Wir sind ein durch und durch Korneuburger Unternehmen. Mein Urgroßvater hat hier das Spital und das Rathaus gebaut“, erzählt Johann Kwizda, Eigentümer in der vierten Generation.

Seit zwei Jahren läuft in Leobendorf ein Investitionsprogramm, bei dem bis 2018 insgesamt 20 Millionen Euro eingesetzt werden. Acht Projekte sollen das Werk in Sachen Prozesstechnologie, Effizienz, Umweltschutz und Sicherheit zu einem Vorzeigebetrieb in Europa machen. Und künftig will sich Kwizda Agro verstärkt als Anbieter von biologischen Pflanzenschutzmitteln positionieren.

Bis dahin könnte es aber noch zu Umbrüchen kommen. „Die Märkte ändern sich ständig, zum Beispiel durch die Krise in der Ukraine oder das Russland-Embargo. Russland wird jetzt vor allem von Südostasien beliefert – und diese Unternehmen werden nach den Sanktionen nicht weggehen“, so Kwizda.