OMV setzt weiter auf Gas. Der tiefe Ölpreis drückte im zweiten Quartal 2015 auf den Umsatz. Bis 2016 will sich die OMV neu ausrichten – vor allem durch das Gasgeschäft und eine neue Pipeline.

Von Gerti Süss. Erstellt am 17. August 2015 (09:18)
NOEN, OMV Aktiengesellschaft
Es ist kein leichtes Umfeld, in dem sich die OMV derzeit bewegt: Der Ölpreis ist im Keller, die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind angespannt, die Werke in Libyen und im Jemen stehen aufgrund von politischen Unruhen still.

Aus diesen Gründen kündigt Rainer Seele, der seit knapp zwei Monaten im Chefsessel der OMV sitzt, an, das Unternehmen bis nächstes Jahr neu auszurichten. Ein Teil der neuen Strategie soll eine noch stärkere Kooperation mit dem russischen Gazprom-Konzern sein –  und zwar beim Projekt „Nord Stream II“.

Nord Stream II - "Zeitenwende einläuten“

Mit dieser Pipeline soll in den nächsten Jahren noch mehr Gas von Russland über die Ostsee bis ins Weinviertler Baumgarten transportiert werden, um in Europa die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Derzeit laufen jedoch noch die Genehmigungsverfahren. Ab wann und wie viel Gas das Projekt zur Drehscheibe nach Baumgarten bringen soll, könne man noch nicht festmachen.

Generell soll der Fokus der neuen Strategie auf dem Gasgeschäft liegen, wobei der OMV-Chef für die allgemeine Marktsituation scharfe Worte findet: „Emissionsarme Gaskraftwerke werden abgeschaltet und umweltschädliche Kohlekraftwerke als Reservekapazitäten aktiviert und gefördert. Das ist eine doppelbödige Politik und ein klimapolitischer Unsinn.“ Im Projekt „Nord Stream II“ sieht Seele eine Chance, „eine Zeitenwende einzuläuten“ sowie „ein gesamteuropäisches Schlüsselprojekt“.

Dass Russland den Gashahn abdrehen könnte, glaubt der OMV-Chef nicht: „Da bereitet mir eher das Gas aus Nordafrika Kopfzerbrechen.“ Aufgrund politischer Unruhen sei die Produktion in Libyen und im Jemen weitgehend ausgefallen.

Erneut Bohrerfolge im Weinviertel

Erfolge, wenn auch im kleineren Ausmaß, verzeichnete die OMV heuer bei einem Gasprojekt im Weinviertel. Beim Projekt „Nordfeld“ bei Neusiedl/Zaya wurden mehrere Bohrungen erfolgreich abgeschlossen, die Förderung läuft weiter. Dieses Erfolgsbeispiel zeige, dass man auch weiterhin in Niederösterreich nach Gas suchen werde, erklärt OMV-Sprecher Johannes Vetter.

Nächste Woche wird in Auersthal, ebenso im Weinviertel, zudem eine Wind2Hydrogen-Anlage eröffnet. Die Anlage, an der die OMV die Projektleitung hatte, soll den aus der Windenergie gewonnenen Strom in Wasserstoff umwandeln und ins Gasnetz einspeichern.

Im Juli geriet die OMV ob ihrer Aktivitäten in Niederösterreich jedoch in Kritik, weil am Standort Gänserndorf österreichische Vertragspartner durch rumänische OMV-Mitarbeiter ersetzt wurden. „Hier geht es um zehn bis 15 Mitarbeiter. Am Standort Gänserndorf sind insgesamt 700 OMV-Mitarbeiter sowie 700 Vertragspartner beschäftigt. Außerdem haben wir auch viele österreichische Mitarbeiter, die für die OMV in anderen Ländern arbeiten“, räumt OMV-Sprecher Vetter ein.

Kennzahlen

Im 2. Quartal 2015 war der Umsatz der OMV mit 5,73 Milliarden Euro um 38 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum, obwohl die Produktion auf 307.000 Barrel pro Tag stieg. Das Betriebsergebnis (EBIT) fiel mit 222 Millionen Euro um vier Prozent.