Wachau-Besucherströme: Maßnahmen präsentiert. Bus-Parkraumbewirtschaftung, gezielte Lenkung der Touristenschiffe auf der Donau sowie eine eigene App für Dürnstein-Touristen sollen helfen, Touristenmassen zu vermeiden. Dass eine Welterbeabgabe für die gesamte Region kommt, ist nach wie vor nicht vom Tisch.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 22. Mai 2019 (15:23)
Anita Kiefer
Dürnstein leidet unter den Touristenströmen, die in den kleinen Ort pilgern. Ein eigenes Konzept soll hier Abhilfe schaffen.

Vor allem der Wachauer Ort Dürnstein ist es, der an manchen (Sommer-)Tagen von Touristen stark frequentiert ist. So stark, dass die Touristenmassen zunehmend zur Belastung für die nur rund 90 im Ortskern wohnenden Einheimischen werden.

Die BürgermeisterInnenrunde der Welterbegemeinden Wachau hat sich diesem Thema im Vorjahr angenommen und eine Studie erstellen lassen, die die genauen Besucherzahlen pro Tag vor Ort erfasst hat. Durchgeführt hat sie die Kondeor Tourismusforschung, erhoben wurden die Besucherzahlen in Dürnstein in den Sommermonaten.

„Es gibt einen Sprung bei den Ausgaben ab 4,5 Stunden“

Die Ergebnisse: „Die Streuung der Frequenzen ist relativ groß“, sagt Dietmar Kepplinger, Geschäftsführer der Kondeor Tourismusforschung. Durchschnittlich halten sich an Werktagen im Juni 2.720 Personen in Dürnstein auf. An Wochenenden steigt dieser Wert auf 4.130 Besucher.

Der stärkste Monat im Jahr 2018 war der September – an Werktagen kamen da durchschnittlich 5.580 Personen, an Wochenenden 8.540. Am stärksten Besuchertag kamen 12.270 Personen.  „Diese Menschen sind aber nicht alle gleichzeitig da“, sagt Kepplinger. Die Aufenthaltsdauer liegt bei rund 2,5 Stunden.

„Rein ökonomisch betrachtet genügen die knapp drei Stunden nicht. Es gibt einen Sprung bei den Ausgaben ab 4,5 Stunden“, weiß der Tourismusforscher. Drei Viertel der Tagesgäste in Dürnstein lassen überhaupt Wertschöpfung im Ort – sie tätigen Durchschnittsausgaben von 35 Euro.

Das übrige Viertel konsumiert in Dürnstein aber gar nichts. Dieser Wert sei laut Kepplinger zwar ähnlich hoch wie bei anderen, vergleichbaren Touristenregionen. Auf die Frage von Journalisten, welche Höhe an Ausgaben zufriedenstellen wären, wollte sich Kepplinger nicht festlegen. Die Touristen bräuchten jedenfalls mehr Zeit vor Ort, um auch tatsächlich Geld auszugeben.

Eintrittsgeld für Gäste ausgeschlossen, Welterbeabgabe nicht

Andreas Nunzer, Bürgermeister in Spitz und Vorsitzender der BürgermeisterInnenrunde der Welterbegemeinden Wachau, betonte wie auch schon gegenüber der NÖN heute Vormittag vor Journalisten, dass ein Eintrittsgeld für einzelne Orte jedenfalls keine Maßnahme sei, die als Besucherlenkung bzw. –limitierung in Frage kommt. „Dass Gäste einen Eintritt bezahlen ist auszuschließen.“ Eine Welterbegeabgabe für die gesamte Wachau aber nicht ausgeschlossen.

Was bisher an Maßnahmen fixiert wurde, ist zum einen eine Bus-Parkraumbewirtschaftung für die gesamte Wachau. Damit solle vermieden werden, dass Busse Gäste etwa in Dürnstein, wo aktuell bereits Parkgebühren erhoben werden, aussteigen lassen und für die Zeit des Aufenthalts in einem Nachbarort parken, um die Gebührenzahlung zu umgehen. Die Stadtgemeinde Melk hat eine Bus-Parkraumbewirtschaftung in der Vorwoche bereits im Gemeinderat beschlossen, weitere Gemeinden seien in Planung.

Lenkung der Schiffsströme

Darüber hinaus soll es laut Nunzer eine „Entzerrung der Schiffsströme“ geben, um zu verhindern, dass Schiffe weiter gleichzeitig anlegen. Hier habe es bereits Gespräche mit Schifffahrtsunternehmen gegeben, bis 2020 soll klar sein, wie geänderte Anlegezeiten aussehen können.

Auch in Dürnstein direkt wird es eine „Entzerrung der Touristenströme“ geben, sagt Nunzer. Zum einen wurden Kulturtouren über Audioguides mittels Apps entwickelt. Damit werde künftig versucht, „den Gast von den klassischen Tourismusrouten“ abzulenken – also vor allem vom direkten Ortskern. Gleichzeitig werde es auch eine Besucherfibel und einen Stadtplan neu geben. Und: Auch die Radtouren sollen am historischen Zentrum Dürnsteins künftig vorbeigeführt werden. Bis 2020 sollen die Maßnahmen zumindest teilweise umgesetzt sein.

„Klasse statt Masse“

Auch die Beherbergung sei in diesem Zusammenhang ein Thema, so NÖ-Wirtesprecher Mario Pulker, der seit kurzem auch Obmann des Tourismusverbands Wachau Nibelungengau Kremstal ist. „Es ist wichtig, dass wir hier nicht auf die Masse setzen, sondern für die Betriebe und die Menschen, die hier leben, auf die Klasse setzen.“