Lehrlinge zu finden wird aufwendiger. Eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftskammer NÖ zeigt, dass mehr als die Hälfte der Betriebe Schwierigkeiten hat, ihre offenen Lehrstellen mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen. Für Spartenobmann Thomas Salzer sind Schulen ein Teil des Problems.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 04. September 2019 (13:20)
Josef Bollwein
Bernhard Dichtl, Geschäftsführer Georg Fischer Fittings GmbH (M.), und Thomas Salzer, Obmann Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer NÖ, im Gespräch mit Lehrling Mervin Obra .

Die Lehrlingszahlen in der Industrie sind von 2017 auf 2018 zwar gestiegen, nämlich um 6,8 Prozent auf 2.433 Lehrlinge. Dennoch tun sich die NÖ Industriebetriebe schwer, ihre offenen Lehrstellen auch mit qualifizierten Nachwuchs-Fachkräften zu besetzen. So haben laut der Umfrage rund die Hälfte der Betriebe Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen, drei von zehn Unternehmen konnten auch tatsächlich nicht alle Lehrstellen besetzen.

Probleme im Grundlegenden

Laut Thomas Salzer, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer (WK) NÖ und Präsident der Industriellenvereinigung NÖ, hat das vor allem zwei Gründe, wie er heute Vormittag vor Journalisten betonte: Zum einen sei die Zahl der Bewerber zurückgegangen. Zum anderen „wurden die notwendigen Qualifikationen oft nicht aus der Schule mitgenommen“, sagt Salzer. Das sei vor allem bei den Grundrechnungsarten, der Allgemeinbildung und dem logischen Hausverstand erkennbar.

Qualität der Schulen ist entscheidend

Die Online-Umfrage der WKNÖ wurde unter allen 220 Ausbilderbetrieben der NÖ Industrie verteilt, teilgenommen haben laut WKNÖ rund 50 Prozent. Aus den Antworten ließe sich herauslesen, dass es einen Unterschied macht, „von welcher Schule die Bewerber für eine Lehrstelle kommen“, betonte Salzer. Er plädiert daher für eine bessere Vergleichbarkeit der Schulen und eine bessere Messbarkeit der Qualität der Schulbildung und der Lehrkräfte. In diesem Zusammenhang will Salzer keine neuen Testsysteme für die Qualität der Schulen einführen, sondern die, die es gibt, einer besseren Überprüfbarkeit unterziehen. Auf Nachfrage von Journalisten äußerte Salzer auch den Wunsch, dass dieses Thema von der neuen Bundesregierung nach der Nationalratswahl am 29. September umgesetzt wird. Auch die Implementierung der Digitalisierung in den einzelnen Berufsbildern ist eine Forderung Salzers in Richtung Bund.

Aufwand für Betriebe wächst

Ein Lehrbetrieb, der noch ausreichend Bewerber für seine Lehrstellen vorfindet, ist die Georg Fischer Fittings GmbH in Traisen (Bezirk Lilienfeld). 410 Mitarbeiter sind am Standort Traisen beschäftigt, hier werden sogenannte Gewindefittings hergestellt. Aktuell werden hier 27 Lehrlinge von zwei Lehrlingsausbildnern ausgebildet, pro Jahr bewerben sich rund 50 junge Menschen für eine Lehrstelle. Sechs bis sieben neue Lehrlinge werden auch tatsächlich aufgenommen. „Unser Bedarf ist gedeckt“, sagt Bernhard Dichtl, Geschäftsführer der Georg Fischer Fittings GmbH. Das läge aber aus seiner Sicht daran, dass sein Unternehmen aktiv mit Schulen kooperiere, Schnuppertage für Interessierte anbiete und daher von Lehrkräften öfter an potenzielle Lehrlinge empfohlen werde. Außerdem würde jeder Lehrling in seinem Betrieb später auch übernommen werden.

"Von Jahr zu Jahr schwerer"

Es werde aber „von Jahr zu Jahr schwerer“, auch wirklich qualifizierte Lehrlinge im mehrstufigen Auswahlverfahren zu finden, so Dichtl. Damit habe sein Unternehmen auch mehr Aufwand im Rekrutierungsprozess. „Die Defizite in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, Anm.) werden größer, und damit steigt auch für uns der Aufwand in der Ausbildung.“