Siegfried Rapf: Zwei Fäuste für die Fitness. Siegfried Rapfs Wissen über Ausdauer, Kraft und Selbstverteidigung ist groß.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 19. August 2019 (03:57)

Siegfried Rapf ist Trainer für Fitness, Boxen und den Kontaktkampfsport Krav Maga. Aus seinen privaten Leidenschaften wurde berufliche Bestimmung. Dabei war der ursprüngliche Plan ein ganz anderer: das Geschäft seines Vaters Gerhard Rapf in Tullnerbach zu übernehmen. Wer kennt es nicht, das legendäre Reifengeschäft in der Weidlingbachstraße. Hier kümmert man sich liebevoll um alle Fahrzeuge mit vier oder auch zwei Reifen. Er half von klein auf mit und ist schon mit sechs Jahren mit den Reifen herumgelaufen. Vielleicht der Grundstein für sein Interesse an Fitness und Training. Denn es sollte alles anders kommen.

NÖN: Sie sind seit einigen Jahren beruflich im Sportbereich tätig, wie kam es dazu?
Siegfried Rapf: Bei einem Motorradunfall habe ich mir mein Bein verletzt. Nach der Zeit der Genesung hatte ich Übergewicht und das verletzte Bein war durch den Muskelschwund sehr dünn. Ich habe mich zwar auch schon davor für Fitness interessiert, aber ab dem Zeitpunkt wollte ich wirklich wissen, wie das mit dem Training und dem Muskelaufbau funktioniert.

Wie kamen Sie zum Kampfsport?
Ich habe mit Judo angefangen und mit 16 Jahren mit Boxen und Kickboxen begonnen. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 17 Jahren. Ich wurde damals von drei Personen in Wien am Schwedenplatz attackiert. Einer hatte ein Messer. Es ist gut ausgegangen, da ich schneller laufen konnte. Das hat in mir den Wunsch geweckt, mich im Notfall selbst verteidigen zu können.

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 17 Jahren. Ich wurde damals von drei Personen in Wien am Schwedenplatz attackiert

Was genau ist Krav Maga? 
Diese Kontaktsportart kommt vom israelischen Militär. Es geht um Verhaltenstaktik, Deeskalation, Notwehr und auch Täterverhalten. Es gibt keine Wettkämpfe wie bei anderen Kampfsportarten, es geht um Selbstverteidigung. Manche betreiben Krav Maga auch rein aus Fitnessgründen. Im Training gibt es einen Schlag- und Trittblock, einen Block mit Befreiungstechniken und zum Schluss den sogenannten „Finisher“. Das ist der reine Fitnessteil.

Sie haben auch schon im Security-Bereich gearbeitet. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Ich habe vier Jahre Erfahrungen sammeln können. Das war mir für meinen Unterricht als Krav Maga–Trainer wichtig. Ich war bei Fußballspielen, Konzerten und auch dem Lifeball als Security im Einsatz. Da lernt man vor allem deeskalieren und reden. Das Reden mit Fremden war ja am Anfang nicht so meines. Ich habe auch gelernt, meine Umgebung besser einzuschätzen. Wie zum Beispiel einen Blick für Personen-Gruppen. Wann entstehen sie, welche Dynamik entwickeln sie.

Können Sie etwas über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?
In dem Fitnesscenter in dem ich trainiert habe, wurde ich vom Chef angesprochen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Trainer zu arbeiten.

Das war der Beginn für eine Reihe von Ausbildungen wie die zum Fitnesstrainer beim Wifi, der Trainerausbildung für Krav Maga und der Ausbildung zum Boxtrainer. Ich arbeite nach wie vor im Club und bin auch selbstständig tätig.

Was bieten Sie als selbstständiger Trainer an?
Ich bin mobiler Trainer mit Equipment. Ich fahre zu meinen Kunden, oder sie können zu mir kommen. Die große Garage bei meinen Eltern habe ich als Trainingsraum umfunktioniert. Ich biete Training für Einzelpersonen und Gruppen an.

Sie sind seit kurzer Zeit Papa. Wie geht’s Ihnen und Ihrer Familie?
Es geht uns sehr gut. Unsere Tochter ist dreieinhalb Monate alt. Meine Freundin Patrycja ist ebenfalls Fitnesstrainerin. Wir haben uns im Fitnesscenter kennengelernt.

Ein eigener Club mit Fitness, Boxen und Krav Maga ist ein Ziel

Haben Sie gemeinsame berufliche Pläne?
Ein eigener Club mit Fitness, Boxen und Krav Maga ist ein Ziel. Fitnesstrainer gibt es viele. Aber mit der Ergänzung Boxen und Selbstverteidigung ist das Angebot schon viel spezieller. Das ist unser großer Vorteil.

Was begeistert Sie neben dem Sport noch?
Das Motorradfahren. Diese Leidenschaft liegt in der Familie. Oder Survivaltraining im Wald. Das habe ich auch schon gemacht. Die Zeit im Wald ist etwas Besonderes. Kaum ist man zurück in der Zivilisation, kommt der automatische Griff zum Handy. Da ist man schon sehr konditioniert.