Der ewige Spitzbub Harald Gottschling geht in Pension. Der legendäre Pressbaumer Bademeister Harald Gottschling verabschiedet sich in Ruhestand.

Von Monika Närr. Erstellt am 27. März 2020 (04:38)
Gemeindearbeiter Harald „Hatschi“ Gottschling in seinem Einsatzgebiet Friedhof mit alten Ausgaben der NÖN. In den 90er Jahren wurde mehrfach über den Bademeister als Lebensretter berichtet.
Monika Närr

Letzten Donnerstag hätte er seine Abschiedsfeier mit allen Kollegen der Gemeinde im Hotel Wiental geplant gehabt. „Diese wird nun auf Sommer verschoben“, so Gemeindearbeiter Harald Gottschling, den alle unter dem Spitznamen „Hatschi“ kennen und der mit April seine Pension antritt. 37 Jahre war er in der Gemeinde tätig, 29 Jahre davon als legendärer Bademeister.

„Vier Mal habe ich Leben gerettet in dieser Zeit“, verweist er auch auf damalige Berichte in der NÖN. Und: „Ich habe mehrfach Personen aus dem Becken geholt, die kurz vor dem Ertrinken waren oder durch rasches Handeln auch eine Frau gerettet, die nach einem Bienenstich kollabiert war“, blickt er auf die Ausnahmesituationen früherer Zeiten zurück.

„Ich ließ nichts durchgehen“

Schon immer, so Hatschi, habe es das Frühschwimmen in Pressbaum - ehemals hauptsächlich für Senioren - gegeben. „Ich bin ein Seniorenfreak, ich weiß, was die nach dem Krieg geleistet und für uns aufgebaut haben,“ so die ehemalige Seele des Bades, die sich auch an die Herausforderungen des Sommers 1997 erinnert: Nach dem großen Hochwasser Ende Juni hat er die ganze Anlage innerhalb eines Monats wieder in Schuss gebracht und den Badebetrieb Ende Juli wieder aufgenommen. „Das Betriebstagebuch dazu gibt es heute noch“, so Gottschling, der sich auch gerne an launige Erlebnisse wie einen Heiratsantrag im Kinderbecken erinnert.

Wie meint er, behalten ihn wohl die Leute in Erinnerung? „Ich war autoritär im Bad, ich ließ nichts durchgehen, aber man konnte alles von mir haben“. Und weiter: „Für mich war die Bevölkerung immer wichtig, ich war da für sie“, so der proaktive und hilfsbereite Schutzengel vieler Mütter.

Mit Liebe und Herz bei allen Tätigkeiten

„Ich hatte immer ein gutes Gefühl, wenn meine Kinder im Bad waren. Er hat beim Schwimmen immer gut auf sie aufgepasst“, so Vizebürgermeisterin Irene Wallner-Hofhansl, die Hatschi kennt, seit er 15 war.

„Wenn er helfen konnte, hat er geholfen, er war ein sehr verantwortungsvoller Mitarbeiter, der seine Aufgaben stets mit Liebe und Herz erledigt hat“, hebt Wallner-Hofhansl seine größten Stärken hervor. „Die Gemeinde war mein größtes Glück, das mir im Leben passieren konnte. Ich habe mein Leben hier wirklich genossen“, so Hatschi, der mit 26 in den Dienst eintrat und das Bad mit 30 übernahm und bis 2012 dafür verantwortlich war. Davor war er einige Jahre als gelernter Fleischhauer im Pressbaumer Betrieb Haiduk tätig und über viele Jahre auch ein sehr engagiertes Mitglied der Feuerwehr.

Schon mit zwölf Jahren kümmerte er sich aufopfernd um seinen kriegsversehrten Stiefvater, wenn die Mutter ihrem Beruf als Krankenschwester im Sanatorium Rekawinkel, dem heutigen Senecura, nachging. Stolz ist er auch auf seine beiden Kinder. Tochter Lisa arbeitet als Absolventin der WU bei einem Steuerberater in Wien, Sohn Daniel ist im Team unseres Bundespräsidenten Alexander van der Bellen für Social Media zuständig.

„Ich hatte immer die Leidenschaft für Menschen zu arbeiten"

„Meiner Exfrau bin ich sehr dankbar, dass wir zwei so wunderbare Kinder haben, die so gut im Leben stehen und sich selbst so viel erarbeitet haben“, leuchtet der Vaterstolz aus seinen Augen. „Ich hatte immer die Leidenschaft, für Menschen zu arbeiten und mein Lebensmotto `es gibt kein Loch, wo ich nicht rauskriechen kann`, hat mich schwierige Situationen gut meistern lassen“, betont der leutselige Gemeindearbeiter, der die letzten Jahre für die Instandhaltung des Friedhofs verantwortlich war.

„Ich zünde täglich drei Kerzen an“

„Wir sind miteinander aufgewachsen“, erzählt auch Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner, „Hatschi hat mich ein sehr großes Stück meines Lebens begleitet, später dann auch in der Gemeinde. Er war immer verlässlich und hatte ein gutes Naheverhältnis zur Bevölkerung und über Jahrzehnte sehr viel für sie getan“, so der Weggefährte aus Jugendtagen.

„Von mir kann jeder alles haben“, bestätigt Hatschi, „so lange er fair bleibt. Ich bin ein gerader Michl, aber ein Spitzbub. – und das bleibe ich auch in der Pension“, schmunzelt der beliebte und leidenschaftliche Pressbaumer. Nun freut sich der „Klangfreak“ – laut Eigendefinition – auf viel Zeit für kulturelle Unternehmungen wie Oper, Konzerte oder Museen sowie auf weitere Städtereisen. Weiterhin wird er auch jeden Tag drei Kerzen anzünden: „Für kranke Menschen, meine Familie und für alle Menschen der Welt.“

Dazu passend erwähnt er zum Abschied: „Jeder Mensch soll sich in meiner Gegenwart wohlfühlen.“