Rudi Staeger hat "den Rhythmus im Blut". Rudi Staegers Markenzeichen sind seine Showeinlagen und sein offenes Naturell.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 16. Februar 2020 (03:44)
Rudi Staeger bei einem seiner Auftritte in der Cafe Konditorei Heiss & Süss in Neulengbach. Staeger organisiert zweimal im Monat Konzerte am Sonntagabend.
Nadja Büchler

Die Liebe zur Musik wurde von Rudi Staegers Vater geweckt. Dieser hat ihm als Kind den Radetzky-Marsch mit den Fingern am Sessel vorgespielt und der Rhythmus blieb Rudi Staeger lange Zeit in Erinnerung. Seine erste kleine Trommel bekam er von seiner Mutter geschenkt. Die Familie Staeger wohnte im zweiten Wiener Gemeindebezirk und Rudi verbrachte viel Zeit im Wiener Prater. Als Brezerlbua und Nusskipferlverkäufer verdiente er bereits mehr Geld als seine Mutter und konnte sich die Einzelteile für sein Schlagzeug selbst kaufen. Nach der Schule spielte Staeger bereits mit diversen Bands in Jugendzentren, und er begann eine Lehre als Zuckerbäcker. Seit einiger Zeit wohnt Rudi Staeger mit seiner Lebensgefährtin Hilde in Pressbaum.

NÖN: Sind sie Zuckerbäcker geworden?
Rudi Staeger: Nein, ich habe die Lehre nach einem dreiviertel Jahr beendet. Es gab viele Schwierigkeiten mit meinem Lehrherrn. Ich wollte ja unbedingt etwas mit Musik machen und fand eine Lehre als Klavierbauer. Diese wurde nach Ablauf der Probezeit nicht verlängert. Über private Vermittlung kam ich ins Musikhaus Goll auf der Babenbergerstraße, ebenfalls als Lehrling. Ein kleines Geschäft mit einem riesengroßen Lager. Hier gab es Instrumente, Zubehör, Noten und vieles mehr zu kaufen. Damals gab es noch keine großen Musikhäuser so wie heute, und so kauften auch viele Profimusiker bei uns im Geschäft ein. Eines Tages kam ein in Wien lebender Iraker auf der Suche nach einem Schlagzeuger zu uns. Ich habe mich klarerweise sofort angeboten und auf meine Frage, ab wann es losgeht, meinte er: ab heute. Das Engagement war für eine Bar in Wien. Ich kam erst gegen 4.30 Uhr in der Früh nach Hause und hatte um 8 Uhr Dienstbeginn im Musikhaus. In den zwei Stunden Mittagspause ging ich ins Lager und bei Schönwetter in den Volksgarten schlafen.

Wie ging es weiter?
Mit 18 Jahren war ich Profimusiker. Mit einer Band hatte ich zum Beispiel ein Engagement in Mallnitz. Das ist ein Kurort, und wir waren als zwanzigjährige Rockmusiker nicht die ideale Besetzung für das Klientel. Mit der Band „Marascinos“ waren wir einige Monate in Deutschland, der Schweiz und Schweden unterwegs. Parallel dazu hat sich die Rockgruppe „ACID“ formiert mit den Hits „Six to Seven“ oder „Midnight Queen“. Wir haben einen Talentwettbewerb gewonnen und waren in Österreich recht populär. Da war ich 22 Jahre alt. Auch ein Musikgeschäft habe ich in der Zeit gemeinsam mit Fatty George eröffnet. Fatty George war ein bekannter Klarinettist und Jazzmusiker. Ich habe ihn in der Splendid Bar kennengelernt und ebenfalls für ihn Schlagzeug gespielt. Gemeinsam hatten wir viele Auftritte im TV und Radio und natürlich Konzerte. Dabei habe ich sehr gut verdient.

Auch ein Musikgeschäft habe ich in der Zeit gemeinsam mit Fatty George eröffnet

War das Musikgeschäft ein Erfolg?
Nein, da ich nachts gespielt habe war das Geschäft erst ab 11.30 Uhr geöffnet - sehr zum Leidwesen des Postlers und des Nachbarn. Die bestellte Ware kam in Paketen per Post und stapelte sich im Gang. Ich war meist noch nicht da, wenn der Postler kam. Nach sieben Monaten war damit Schluss. Nach diesem Zwischenspiel hab ich mich entschieden, nur mehr Musik zu machen.

Gab es neue Bandprojekte?
ACID hat sich nach drei veröffentlichten Alben 1980 aufgelöst. Darauf folgte eine Durststrecke. Mit der Gruppe „Spinning Wheel“ ging es weiter. Sie haben einen neuen Schlagzeuger gesucht, und ich wollte unbedingt dabei. Dabei waren unter anderen Wolfgang Staribacher, Bernhard und Christian Rabitsch und Hansi Hölzel, alias Falco. Jeder in der Band hat auch gesungen, außer mir. Gespielt wurde Songs aus der Hitparade. Falco hat die Lieder von Cliff Richards gesungen, der Andi Kolbe die Songs von den Bee Gees. Musikalisch war die Band top und hatte auch eine tolle Show. Im Februar 1982 musste Falco noch für ein Engagement mit nach Deutschland. Sonst hätte es Strafzahlungen gegeben. Es gab damals bereits seinen Hit. Üblicherweise sang Falco das Lied „Püppchen, du bist mein Augenstern“ und tanzte dazu mit einer Plastikpuppe über die Bühne. An mehreren Abenden tauschte er dieses Lied gegen sein eigenes aus. Es gab keinen Applaus, und der Chef des Hauses verlange wieder nach dem „Püppchen“.

Rudi Staeger mit Lebensgefährtin Hilde in der Steiermark.
Nadja Büchler

Sie haben geheiratet und das erste von zwei Kinder bekommen. Ist das mit einem Musikerleben vereinbar?
Nicht sehr gut. Spinning Wheel haben sich zwei Jahre später aufgelöst, da einige der Musiker zum Bundesheer mussten. Gegen Ende unserer gemeinsamen Band-Zeit war bereits mein Sohn Sebastian auf der Welt und ich als Musiker viel unterwegs. Das tat dem Familienleben nicht gut. Ich habe dann 1981 einen Musikverlag gegründet und viele Produktionen gemacht. Die restlichen Mitglieder von Spinning Wheel sind ihrem eigenen Weg in der Musik gefolgt. So hat zum Beispiel Wolfgang Staribacher zehn Jahre lang gemeinsam mit Hubert von Goisern gespielt.

Wie hat sich der eigene Musikverlag entwickelt?
Gut. Ich habe viele Produktionen gemacht, Lohnpressungen übernommen und Bandwettbewerbe veranstaltet. Den „Untouchables“ habe ich ihre erste Single „Buona Sera“ finanziert und noch weitere herausgebracht. 1981 kam es auch zur ersten Produktion mit dem österreichischen Jazzgitarristen und Sänger Karl Ratzer. Insgesamt wurden es etwa 250 Produktionen unter dem eigenen Label. Den Verdienst aus den Lohnpressungen konnte ich wieder in Produktionen stecken, die mir am Herzen lagen. Sie ist sich alles in allem gut ausgegangen. Ich habe Falco und andere Musiker damals zum Musikproduzenten Markus Spiegel geschickt, ich war noch nicht soweit. Danach war ich am österreichischen Markt zu spät und habe mich daher auf die Jazzer und die Blues Szene konzentriert. Das war nicht schlecht und hat mir einen guten Namen eingebracht, weil ich sehr viele historische Aufnahmen herausgebracht habe. Gemeinsam mit anderen Produzenten oder mit Unterstützung vom ORF.

Sie organisieren seit Jahren regelmäßig Konzerte in der Region. Wo finden diese statt?
Vor 14 Jahren habe ich begonnen, in der Konditorei Heiss und Süß in Neulengbach Konzerte zu veranstalten. Diese finden immer an einem Sonntag statt, weil die meisten Musiker am Freitag oder Samstag keine Zeit haben. Die Veranstaltungen haben sich sehr gut entwickelt. Anfangs waren es nur Jazzkonzerte, jetzt sind es vor allem Rockkonzerte. Der Wechsel ist beim Publikum sehr gut angekommen und fast alle Abende sind ausgebucht. Ich stelle die Bands und Solisten zusammen und spiele selbst am Schlagzeug.